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Es war ja wirklich eine Unverschämtheit .... g

Von tastifix Mittwoch 02.10.2019, 17:00

Ich marschiere zur Kasse, um meinen sagenhaften Einkauf von Shampoo, Zahnpasta und zwei Tüten Goldfischli zu bezahlen. Selbstverständlich handelt es sich nicht etwa um den glatten Betrag von 7 Euro, sondern eine relativ komplizierte Summe, nämlich 6, 99 Euro, die einen nicht unerheblichen Anspruch an meine Zusammenzählkünste stellt. Es sind die 99 Cent, die mir Kopfschmerzen bereiten.

Dummerweise finde ich in meinem Portemonnaie nur drei 10-Cent-Stücke und ansonsten 5-Cent- sowie 1-Cent-Stücke. Ausgerechnet jetzt stehen hinter mir bereits schon zehn ungeduldige Kunden.
´Die haben garantiert noch einen wichtigen Termin!`
Was soll`s! Die Artikel benötige ich dringend, vor allem die Goldfischli sind unverzichtbar.

„Einen Moment bitte!“, flehe ich die Kassiererin an, die darauf noch ausgesprochen freundlich reagiert.
Sie ahnt ja nicht, was dann auf sie zukommen wird. Nervös wühle ich in meiner Börse herum.
„Nehmen Sie auch Kleingeld?“
„Aber gerne!“
´Dies ´gerne` wird sie gleich bereuen!`, denke ich und lege los.

Zuerst wandern die 10-Cent-Stücke auf die Ablage. Die Kassiererin guckt weiterhin freundlich. Danach geht es nicht mehr ganz so fix, denn ich muss aufmerksam zählen. Prompt verzähle ich mich mehrmals, werfe deswegen einen scheuen, um Entschuldigung bittenden Blick zur mittlerweile drei Meter langen Warteschlange und auch zu der Dame an der Kasse.

Die hinter mir sehen mich bemüht freundlich oder auch bereits leicht vorwurfsvoll an. Die letztere inzwischen zunehmend griesgrämig, denn ich gefährde mittlerweile den Umsatz. Einige Kunden beginnen zu murren:
„Also nein! Wie lange sollen wir denn hier noch warten?“
„Bin sofort fertig!“
Meine mir selber auferlegte Gelassenheit verflüchtigt sich mehr und mehr. Meine Hände fangen an zu zittern, was dem Zusammenklauben des Münzgeldes ziemlich abträglich ist.
5-Cent- nach 5-Cent-Stück wechselt den Besitzer. Es dauert etwas, denn ich muss die Münzen erst aus dem schmalen Münzfach heraus fischen. Danach folgen die winzigen 1-Cent-Stücke. Es sind neun an der Zahl.

Die Kassiererin lächelt inzwischen nicht mehr, sondern schaut ziemlich kritisch drein. Um ehrlich zu sein, steht sie anscheinend kurz davor, eine unhöfliche Bemerkung vom Stapel zu lassen. Nur wäre es abträglich fürs Geschäft und deshalb reißt sie sich krampfhaft am Riemen.

Aufatmend und mit triumphierendem Blick zu der nun mindestens drei Meter langen Schlange hinter mir lege ich das letzte 1-Cent-Stück mit Nachdruck und hoffentlich für alle weithin sichtbar auf die Ablage:
„Erledigt!“
Mein Lohn hierfür sind unbewegte bis saure Mienen. Ich verdrücke mich schnell und genieße meine herrlich leichte Geldtasche.

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