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Emilie Stiebitz und der Knast

Von tastifix Samstag 16.04.2022, 19:47 – geändert Mittwoch 15.06.2022, 07:54

Noch im Gerichtssaal, als sie abgeführt werden sollte, musste Emilie Stiebitz, wegen Diebstahls an ihrer eigenen Cousine zu mehreren Wochen Haft verurteilt, feststellen, dass jener Polizeibeamte von juristisch einwandfreiem Verhalten wohl keine Ahnung hatte. Der umklammerte nämlich eisenhart ihren Arm.
„Lassen Se dat sofort sein! Dat is Beraubung vonne Freiheit!“
Er blieb davon gänzlich unbeeindruckt und Emilie Stiebitz kletterte auf die höchste Wutpalme, die man sich vorstellen kann. Aber den zu treten, traute sie sich denn doch nicht.
´Wer weiß, wo ich den dann erwischen tu … ?`
Doch kannte sie noch eine andere Taktik. Sie durchbohrte ihn mit eiskalten Blicken und des so überraschend, dass dem armen Polizeibeamten vor Schrecken kurz die Hand runter fiel.
„So jefällts mir schon viel besser!“
So schnell sie den Baum der Empörung auch rauf, so schnell kletterte sie ihn nun wieder herunter. Es war ein Wunder, dass sie jene grüne Uniform neben sich jetzt nicht obendrein noch lobte.

Leider hatte das hohe Gericht, bestehend aus Richter Würdevoll, Staatsanwalt Denkfix, Verteidigerin Kombinierschnell und auch die Geschworenen, ihre freche Aktion mitbekommen, was aber Emilie Stiebitz nicht irritierte. Als sie jedoch dreist auf der Juristen Chance hinwies, ihren Aufenthalt in jener Verwahranstalt für sich ungeziemlich verhaltende Bürger noch zu verlängern, werteten jene dies und noch Anderes als zusätzliche Frechheit und verurteilten sie ohne jdes Zögern in passend großzügigem Maße zu eben solchem.

Die ausführende Polizeigewalt neben ihr hatte sich inzwischen wieder gefasst:
„Los, mitkommen!!“
„Jajaah! Keene Bange!!“
´Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! Weiß ich denn, was die wirklich plant!?`, dKchte der Beamte.
Dennoch überraschte ihn deren Reaktion total, weswegen er denn doch - dann fast wie ein Kavalier - neben ihr her schritt und augenscheinlich nur, um sie vor allen Unbilden des Verkehrstrubels draußen zu schützen.
´Dat der so schamant sein kann!`, sagte sich Emilie Stiebitz.
Gleichfalls beeindruckt schwieg sie tatsächlich eine Weile und schlurfte brav mit. Aber der Marsch wollte nicht enden und ihr begannen die Füße zu schmerzen.
„Wo is denn dat Taxi? Wie lange dauert dat denn noch bis dahin?“, verfiel sie wieder in den gewohnten aufreizenden Tonfall.
„Taxi?? Nix da! Seien Sie froh, dass Sie laufen dürfen. Sitzen müssen Sie bald noch lange genug!“
„Also: Wie finde ich dat denn nu wieda?? Dat is ne Leistung ohne Hilfe, Emilie Stiebitz mit kaputte Füße weiterlatschen zu lassen! Ick werde mir beschweren!“
„Erstens heißt es ´mich` und zweitens lassen Sie das besser. Soundso halten Sie jetzt den Mund! Sonst seh ich schwarz und Sie kommen dort vielleicht nie wieder raus!"
Eigentlich wollte Emilie dazu noch etwas sehr Fieses brummen, entschied sich aber, es zu lassen:
´Nee, den janzen Rest von meenem Leben und vielleicht werd ich sogar 100 … Und dann imma nur durch die Stäbe vom Gitter gucken …?`
So ganz schien sie ja den Blick für die Realität denn doch nicht verloren zu haben. Obwohl …

Der Beamte, der nun erneut sehr energischen Schrittes zunehmend eilig weiter marschierte, war extrem erleichtert, als sie endlich das Gefängnis erreichten, denn ihm fiel die Meckertante Emilie Stiebitz inzwischen gehörig auf die Nerven..
´Deren Wächterin tut mir jetzt schon leid!`
Dass es dermaßen nervtötend werden würde, hatte er ja nicht geahnt, sonst hätte er die sicherheitshalber - war ja Menschenfreund - vorgewarnt.
´Aber - die ist ja noch ganz andere Kaliber gewöhnt!`

Derweil musterte Emilie Stiebitz kritisch ihr neues Zuhause.
„Dat Tor hier hätten se auch mal bunt anpinseln können alswie so dreckig grau!“, schimpfte sie. „Und wat dat knarrt. Sch... !“
Ihr Begleiter konzentrierte sich fix auf den Gedanken ans kühle Feierabendbier. Ja, Feierabend, denn diese Furie da neben ihm war der hoffentlich letzte Abtransport für heute.
´Erzähl ich das nachher meinem Kumpel Emil, kriegt der allein vom Zuhören schon graue Haare!`
„Wissen Se wat: Die glauben doch wohl selber nich, dass ich in den Kasten da rein gehe! Sieht ja schlimmer aus wie die fieseste Hundehütte und begrüssen tun die einen hier auch nicht, wie sich dat gehören täte!", wetterte der Rohrspatz neben ihm.
Dem Polizisten reichte es endgültig:
„Wenn Sie jetzt nicht still sind, frag ich um eine Einzelzelle für Sie nach. Dann dürfen Sie die Wände anmeckern, bis Ihnen die Puste ausgeht!!“
„Onverschämtheit dat!!“
Falls jemand ihr bisheriges Verhalten gar noch als halbwegs üblich für gekränkte Verurteilte eingestuft hätte, würde er spätestens jetzt ´halbwegs üblich` weitaus zutreffender als ´unter aller Sau` beschrieben und damit ins Tiefschwarze getroffen haben.
Des Beamten Klammergriff wurde so eisenhart, dass Emilie Stiebitz die Gegenwehr aufgab und sich, nur noch leise murrend, wirklich in jenes wahrlich überaus einladend gestylte Haus hinein schieben ließ.
„Angeklagte Stiebitz! - Diebstahl, Beamtenbeleidung und Widerstand gegen die Staatsgewalt!“, erklärte der Beamte dem dort wartenden Kollegen.
„Frau Emilie Stiebitz, wenn schon!“, brauste die auf.
„Na, das Meckern und das Widerstehen gewöhnen wir Ihnen hier fix ab!!“
„Pööh!“, entfuhr es seinem weiblichen Gegenüber.

„So, ich sag denn mal tschüss und wünsch` Euch viel Spaß mit der!“
„Keine Sorge, Kollege! Die kriegen wir schon klein!"
„Na, dann freuen Sie sich schon mal auf was!“, nickte der Garnichtmehr-Kavalier Emilie Stiebitz noch kurz zu und verschwand pfeifend ...

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