Einsam unter Vielen
Von
tastifix
Dienstag 29.01.2019, 16:53
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tastifix
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Es war schon immer so gewesen. Voraussichtlich würde es sich niemals ändern. So dachte das junge Mädchen, zog sich vor der Welt zurück, sehnte sich derweil nach Gesellschaft und blieb trotzdem allein.
Sie hatten es ihr eingeimpft: Bereits in der frühesten Kindheit wurde sie zur Marionette der elterlichen Launen ohne jegliche Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Nur selten weinte sie deshalb in der Gegenwart der Eltern. Stattdessen verdrängte sie so weit als möglich alle quälenden, aufwühlenden Gefühle zwischen Wut und der hilflosen Resignation eines ausgelieferten Kindes, vergrub sie in der Tiefe ihres Herzens. Sie litt still - jahrelang.
„Du bist zu nichts nutze. Du bist der Nagel zu meinem Sarg!“
Diese brutalen, missachtenden Worte begleiteten sie durch jede Stunde der Kindheit wie auch noch durch die Hälfte der Jugendzeit und brannten sich unauslöschbar in ihre Seele ein. Sie vermochte die darum heimlich vergossenen Tränen nicht mehr zu zählen. Aber einen Ausweg schien es nicht zu geben. Die Grausamkeiten blieben ihr Geheimnis ...
Sie ging mit tief gesenktem Kopf durch die Welt, entschuldigte sich mit dieser Demutshaltung dafür, dass sie überhaupt lebte.
„Schaut mich nicht an! Ich bin es nicht wert, beachtet zu werden!“
Sympathiebekundungen verbot sie sich als ihrer Person geltend zu akzeptieren. Es konnte ja nicht sein, denn sie war doch ein Nichts!
Aber, je älter sie wurde, umso mehr häuften sich die Zeichen der Zuwendung und Zuneigung. Endlich, endlich wagte sie es, mit erhobenem Kopf einher zu gehen und ihrerseits schüchterne Zeichen der Sehnsucht nach Anerkennung zu geben. Sie lernte es, sich in Gesprächen zu behaupten, vertrat ihre Meinung - zunächst nur stockend, dann zunehmend sicherer. Die Reaktionen der Anderen vermittelten ihr jene Bestätigung, die sie ihr halbes Leben lang so sehr vermisst hatte.
Immer deutlicher erkannte und wusste sie es zu beurteilen, was ihr in all den Jahren angetan worden war und forschte still für sich nach dem Grund für diese fortgesetzten psychischen Quälereien.
„War es die Enttäuschung darüber, dass ich nicht an ihr Traumbild von einer Tochter heran reichte, sie sich also, die sich selber als außergewöhnlich intelligent und charmante Dame der gehobenen Gesellschaftskreise ansah, nicht auch noch durch ihre Tochter bestätigen lassen konnte, wie toll sie doch wäre? Oder dirigierte gar die Eifersucht die Mutter, der Neid auf bestimmte Wesenszüge und Talente ihrer Tochter, die sie bei sich selber nicht finden konnte? War es das??“
Für die Tochter spielte die nun ferne Vergangenheit keine Rolle mehr. Mit gesundem Selbstbewusstsein ging sie jetzt zielstrebig durchs Leben und erntete viel Anerkennung und Zuwendung.