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Einkäsehoch und seine leidgeprüfte Mama

Von tastifix Freitag 23.08.2019, 20:58 – geändert Samstag 24.08.2019, 12:49

Das Kinder kriegen ist ziemlich unangenehm, das Kinder haben dagegen etwas Wunderbares. Den Nachwuchs dann aber Schritt für Schritt seine eigenen Wege gehen zu lassen fällt schwer, muss aber sein.

Der erste freie (Krabbel-) Schritt erkundete das Laufställchen, für dessen Hilfe als hölzernem Babysitter ich, die Erstlingsmama, ausgesprochen dankbar war. Viel zu fix wurde aus dem munteren Vierbeiner ein noch munterer Zweibeiner. Mein strahlendes Töchterchen entdeckte, dass es ja, die Vorderbeine(ääh, -arme!) nun ganz anders nutzen konnte. So reichte sie prima an jede Menge verbotener Dinge wie überfüllte Schubläden in der Küche oder auch Schranktüren mit wertvollem Porzellan dahinter heran.

Tja, öffnete dieser neugierige Einkäsehoch in einem unbeobachteten Moment eine solche, war ein lustiges Klappern zu vernehmen, auf das dann ein dagegen weitaus weniger amüsantes Scheppern folgte. Es kündigte mir unbezweifelbar an, dass ich ab der Minute anstatt nur sechs Gedecke die doppelte Anzahl besaß - in extra aparter Ausführung: Tassen ohne Henkel, Teller mit Loch im Boden, usw. … Töchterchen war hellauf begeistert:
„Da, töön, da alles ´hausholt!"
Lobheischend drehte es sich zu mir um. Doch das ersehnte ´Fein` blieb aus. Seufz: Sie hatte ja keine Ahnung, was sie angestellt hatte. Schockiert murmelte ich nur:
„Ach du meine Güte!“
Leider waren ausgerechnet ein paar Teile des teueren Rosenthal-Porzellans zu Bruch gegangen.

Schnell schnappte ich mir meine mit erstaunlich durchdringender Stimme kreischend protestierende sowie heftig strampelnde Tochter und verfrachtete sie im Kinderzimmer ins Bett. Nicht, ohne vorher selbstverständlich besorgt überprüft zu haben, ob sich irgendwo eine kleine Wunde versteckt hielt. Der überraschende Aufenthalt hinter Gittern passte ihr gar nicht, das sonst so zarte Kinderstimmchen brüllte noch kräftiger und unterhielt das ganze Haus. Wohlgemerkt: Ein Mietshaus und dies zwischen 13 -15 Uhr. Die Mitmieter schickten garantiert einen hilfesuchenden, ärgerlichen oder im Ernstfall gar bitterbösen Blick zur Zimmerdecke. Dabei traf die wirklich keine Schuld. Zu meiner Erleichterung ging dem wutschnaubenden Zwerg wenigstens ziemlich schnell die Puste aus. Schreien macht müde. Töchterchen streckte die Waffen und schlief leise schluchzend ein. Was für eine Gemeinheit, es war doch solch ein schöner Krach!

Mamas Nerven stabilisierten sich recht fix. Ich begab mich, bereits etwas gelassener, an die Aufräumarbeit, stellte fest, dass Porzellan sehr hinterhältig ist und in viele ganz winzige Splitter zerspringt. Umso mehr Vergnügen machte die Kehrarbeit, die sich gehässig in die Länge zog. ´Bleibt eben das Bügeln für morgen!`
So ganz unglücklich war ich darüber ja nicht. Es warten nämlich mindestens zehn Blusen auf mich.

Das Aufsammeln der Mini-Scherben wurde mir zu lästig. Ich holte den Staubsauger und hatte ein paar Minuten später eine Sorge weniger. Den Mitmietern das Saugen in der Mittagszeit zu erklären ... Damit ließ ich mir Zeit bis zum nächsten Morgen.
Um mich von dem Schrecken zu erholen, legte ich kurz die Beine hoch.´Kurz` endete jedoch so, dass ich vielgeplagte Hausfrau und Mutter sofort meinem Kind ins Traumland folgte. Hoffentlich nur würde mir dort nicht mein zerscheppertes Lieblingsporzellan begegnen.

Ein lautes Quieken riss mich aus dem Schlaf. Kinder mögen keine sich ausruhende Mutter! Dann werden sie erstaunlich aktiv. Genau wie dann meine Kleine. Ich eilte hinzu, nahm sie auf den Arm und knuddelte sie. Leider fiel mir ausgerechnet in dem Moment die fertige Wäsche in der Maschine ein, die darauf wartete, aufgehängt zu werden. Andernfalls hätte ich morgen noch mehr Bügelwäsche. Die Waschmaschine stand im Schlaftrakt, der durch eine Tür vom Wohnbereich getrennt war. In der großen Diele davor fand sich die Essecke, Tisch mit vier Stühlen. Die Erinnerung an das wahrlich tolle Scherbendesaster hatte ich gerade erst notdürftig verdrängt, setzte also meine Kleine hastig in der Diele auf den Teppich, spurtete in den Arbeitsbereich und lehnte die Verbindungstür an, damit meine Tochter sich nicht etwa noch durch die nasse Wäsche wühlte.

Mehrmals horchte ich nach vorne. Aber von dort war nichts Verdächtiges zu hören. Ich atmete auf. Es schien ja alles in Ordnung zu sein. Ein paar Minuten später nahm ich Kurs auf die Diele. Damit meine Tochter sich nicht erschrecken sollte, kündigte ich mich lautstark an:
„Kleines, Mama kommt!"
Fröhliches Lachen war die Antwort.

Vorsichtig lugte ich durch den Türspalt. In der nächsten Sekunde war die Mini-Erholung der Mittagsstunde vergessen. Denn hoch auf dem Tisch thronte mein Nachwuchs, kaute munter auf einem der Stoffsets herum und lüllte es voll. Weil mir das Wohl meiner Kleinen äußerst wichtig war, hob ich das Mini-Äffchen, für dessen Kletterakt eindeutig ein Stuhl Hilfe geleistet hatte, fix vom Tisch. In der rechten Patschhand umklammerte Töchterchen noch immer das Set. Ich dachte:
´Zum Glück ist ihr ja nichts dabei passiert!`

Dennoch machte mir der Schrecken ziemlich zu schaffen. Mit meinem Kind auf dem Arm wankte ich ins Wohnzimmer und plumpste groggy aufs Sofa.
´Es reicht mir. Schluß für heute!`
Und war darüber ausgesprochen froh.

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