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Eines rechts, eines links: Ja nur festhalten!

Von tastifix Donnerstag 06.06.2019, 18:41 – geändert Donnerstag 06.06.2019, 20:27

Ich zähle zu solchen Arbeitstieren, die vor lauter Waschen, Putzen und Windel wechseln fast vergessen haben, dass es noch andere Beschäftigungen gibt. Eine Freundin macht mich eines Tages darauf aufmerksam:
„Du, mach doch mal nen längeren Spaziergang. Du wirst dich danach wie neu geboren fühlen!“
Trotz meiner Zweifel beherzige ich ihren Rat.

Morgens, nachdem die beiden Älteren zur Schule und zum Kindergarten gezogen sind, schlüpfe ich aus dem verfärbten T-Shirt und der durchlöcherten Jeans und kleide mich Mama-ausgeh-gemäß. Die mit Spinat voll gekleckerten Hosen der Zwillinge tausche ich gegen Mini-Jeans aus, dazu weiße Nicki-Pullover. Ich schnappe mir den Doppelbuggy, setze meine Protest brüllenden Kleinen in den Sitz und schnalle sie an. Des Letzteren wegen verstärkt sich das Geschrei noch. Als übliche Beruhigungsmittel dienen in solchen Fällen Brötchen. Tatsächlich vergessen die Minis, dass sie ja schwer sauer auf mich sind und mümmeln zufrieden.

Darüber noch zufriedener als nun meine Kinder schiebe ich den Buggy zum Park. Es sind mir etwa fünf Minuten Ruhe gegönnt. Dann ist Schluss damit. Die Brötchen sind verschwunden, meine Kleinen starten mit vermehrter Energie den Aufstand. Im Kinderwagen zu sitzen ist verflixt langweilig, sie wollen raus. Sie schreien und trampeln derweil, was die kurzen Beine hergeben. Angebotene Kekse landen im hohen Bogen auf dem Boden.
´So nicht mit mir!` - „Ihr bleibt drin!“
Das glauben die Beiden anscheinend nicht so ganz, kennen mich ja doch schon eine Weile. Und prompt streife ich wenige Minuten später den Minis seufzend die Laufgurte über und hebe sie aus dem Wagen.

Allerdings haben die Zwei meist eine gegensätzliche Vorstellung von dem, was und vor allem, wohin sie wollen. Das eine Mädchen macht energische Trippelschritte nach hinten, das andere gleichzeitig im Baby-Düsenjäger-Tempo nach vorne. Die Leinen straffen sich und ich hänge dazwischen. Doch halte ich sie eisern fest, denn noch ist die Straße recht nah. Mir bricht vor Anstrengung und noch mehr vor aufkommender Wut auf mich selber, dass ich nachgegeben habe, der Schweiß aus.

Meine Kleinen jedoch quietschen fröhlich herum. Dass meine Arme länger und länger werden und inzwischen denen der Affen ähnlich sehen, ist ihnen nach Babyart völlig egal. Jajaah! Glückliche Kinder sind etwas Feines:
„Daa, dada, wau, da, ei!“
Echt toll, aber ich bin es leid. Meine Handgelenke spüre ich kaum mehr. Ich kämpfe gegen die Schlechtes-Gewissen-Mutterliebe an, fange den davon überrumpelten Nachwuchs ein und verfrachte ihn zurück in den Wagen. Völlig perplex verstummen sie. Es herrscht wohltuende Ruhe. Zumindest für ein paar Sekunden. Danach aber geht der Zirkus erneut los.
„Nee, von wegen! Mama ist ja nicht bekloppt!!“
Ich ernte Schmollschüppchen. Meine strenge Aktion verschlägt ihnen aber nachhaltig die Sprache. Mit Siegesgefühl im Herzen schiebe ich den Buggy in Rekordzeit nach Hause.
„Nie wieder!“

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