Eine Zwischengeschichte
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 03.12.2020, 11:01
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Und hier die Geschichte von Damals
Also, ich war acht Jahre und Jutta schon sechzehn. Ein bildhübsches Mädchen.
Na du hast ja beizeiten angefangen sagten die Anderen. Ich mußte lachen. Wartet mal ab, ist nicht so lustig wie ihr denkt.
Erzähl weiter. Das Mädchen war ein toller Typ. So hübsch sie vom Äußeren war , so war sie auch von ihrem ganzen Auftreten, von ihrem ganzen Benehmen . Sie war der Schwarm wohl nicht nur der Jugend in der Strasse und die größte sympathische und angesehenste junge Frau in dieser Gegend .
Aber , sie hatte Eltern, die das ganze Gegenteil von ihr waren. Jutta durfte fast gar nichts allein machen. Die Eltern verboten ihr jede Art Kontakt. Jutta mußte jede Minute ihrer Tätigkeiten nachweisen, die sie außerhalb ihrer Wohnung verbrachte. Bekam mehr Verbote als Freiraum. Wenn sie schon einmal raus durfte, mußte sie sich immer im Blickfeld der Eltern aufhalten. Wir anderen Kinder spielten sehr gerne zusammen mit ihr weil sie ein richtig tolles Mädchen war. Jutta war Sechzehn. Und wie es ganz natürlich ist, lernte sie einen jungen Mann, Bernd war achtzehn, kennen. Das Normalste der Welt. Die Beiden liebten sich mit der ganzen Kraft und Hingabe in diesem Alter. Wir anderen Kinder taten alles um den Beiden ihr Zusammenkommen und Zusammensein zu ermöglichen und vor den Eltern geheim zu halten. Aber wie es kommen mußte, kam es . Die Eltern bekamen das Verhältnis ihrer Tochter irgend wie und irgend wann mit. Es gab einen Heidenspektakel. Juttas Bewegungsmöglichkeiten wurden noch mehr eingeschränkt. Die ganze Straße bekam die Sache mit und konnte das Handeln der Eltern nicht gutheißen. So ging es monatelang. Jutta und Bernd konnten sich nur noch im Zeitrahmen ihrer Schulstunden treffen und miteinander verbringen. Sie wollten ihre Geheimniskrämerei beenden und mit Juttas Eltern sprechen.Das Gespräch war sehr kurz. Bernd stand noch auf der Treppe, die er rückwärts hinab ging, gefolgt von Juttas Vater. Der hantierte mit Armen und Beinen vor Bernd, als wollte er Ungezieferschwärme vertreiben. Jutta schrie und weinte und mußte von ihren Eltern hören, daß sie zu jung ist für die Liebe. Außerdem gab es bereits einen Mann für sie, der von den Eltern ausgesucht wurde. Einer aus sogenanntem guten Hause, etwas älter und im Berufsleben stehend. Das interessierte Jutta aber nicht. Trotzdem wurde den Beiden jeder Kontakt verboten. Ein paar Tage später, die Eltern gingen wie üblich frühmorgens zur Arbeit. Jutta sollte zur Schule gehen. Sie empfing ihren Freund Bernd. Als Mittags Polizei und Feuerwehr eintrafen, die von anderen Hausbewohnern gerufen wurden, weil starker Gasgeruch im Hause zu bemerken waren, war alles zu spät. Man fand Jutta und Bernd nackt in innigster Umarmung in der Küche vor dem Gasherd und einen Zettel auf dem stand , daß sie sich jetzt für immer lieben. Die Bewohner der Straße, besonders die Kinder und Jugendlichen trauerten um die beiden jungen Menschen, die sich nicht lieben durften, weil sehr altertümlich denkende Eltern das verhinderten. Das ist ja ein Ding. Stimmt das wirklich? Ja, so war es, sagte ich. War lange Zeit das erste Gesprächsthema in der Gegend.