Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

7 4

Eine wahrlich extrem höfliche Bedienung

Von tastifix Montag 10.02.2020, 15:44 – geändert Montag 10.02.2020, 20:28

Tja, ich stand im Supermarkt an der Kasse und mindestens sieben Kunden vor mir. Eine nette ältere Dame hinter mir meinte:
„Ja, hier stehen wir nun ...“
Ich lächelnd ihr zu:
„ ... und des garantiert noch eine ganze Weile!“
Die junge Dame vor mir drehte sich zu mir um:
„ Die zweite Kasse … Dort sitzt ja jemand. Ob die vielleicht ...“
„Hm! Hmmm!“, murmelte ich dazu.

Wir scherten aus der Schlange aus, positionierten uns zwischen langer Schlange links und noch nicht vorhandener Schlange rechts und ließen keine Sekunde die Frau dort aus den Augen, bereit, uns mit einem waghalsigen Hechtsprung die vordersten Warteplätze an Kasse Zwei zu sichern. Derweil ordnete jene Kassiererin im Zeitlupentempo Zigarrettenschachteln.

Der jungen Frau vor mir wurds zu dumm:
„Entschuldigen Sie: Öffnen Sie?“
„Gleich!“, kam die genervte Antwort, begleitet von ziemlich vorwurfsvollem Blick. „Ich sortiere gerade Schachteln ein.“
Ungerührt ob der murrenden Kunden ordnete sie in aller Gemütsruhe weiter ein. Wir standen uns unnötigerweise mehrere Minuten die Beine in den Bauch. Die junge Frau vor mir wagte es ein zweites Mal:
„Öffnen Sie denn jetzt die Kasse?`“ , fragte sie sehr freundlich.
„Ja!!“, bekam die junge Frau zu hören.
Es traf sie ein giftiger Blick. Davon unbeeindruckt hechteten wir und auch die ältere Dame hinter mir auf Startposition 1,2 und 3 an Kasse Zwei und atmeten auf. Es war eindeutig zu früh, denn nun
wurde deutlicher gemeckert. Tja, wie konnte die junge Kundin aber auch eine solche Frage stellen und sie so durch die Blume darauf hinweisen, dass Schachteln nicht weglaufen und sie sie also etwas später hätte einräumen können.
„Sie haben ausgesprochen höflich nachgefragt!“, flüsterte ich ihr zu. “Wird man ja wohl noch dürfen, wenn es an Kasse Eins nicht voran geht!“
Nein, es war wohl ein Verstoß gegen den Kundenknigge gewesen. Brave Kunden hatten schweigend zu warten und sei es, fast bis zum Geschäftsschluß. Es folgte noch ein kurzer verbaler Schlagabtausch zwischen Kassiererin und Kundin. Letztere erwies sich als sehr pfiffig und würzte alles mit Humor. Die Kassiererin gab sich geschlagen, rang sich ein Lächeln ab und die Kundin verstaute aufatmend ihren Einkauf.

Jetzt kam ich an die Reihe. Die Miene der Kassierin verdüsterte sich sichtlich:
„Soo wenig? Nuuur die Paprika?!!!“, versetzte sie pikiert.
„Ja!“
So allmählich fühlte ich mich zurückversetzt in meine Schulzeit, wenn ein Eintrag ins Klassenbuch drohte. Nur, dass diese Szene hier jetzt als weitaus lächerlicher zu bewerten war. So entschied auch ich mich, den Quatsch mit Humor zu nehmen.
„Jaa, aber immerhin doch drei davon!“, lag es mir auf der Zunge, verkniff es mir aber.
Was ich mir jedoch nicht verkniff:
„Ich weiß ja, es ist nicht gerade viel, aber ich könnt ja nochmals durchs Geschäft marschieren und von jedem Regal mindestens einen Artikel mitnehmen. Dann wäre es wahrscheinlich in Ordnung, ja?“
Es erschien mir wie ein Wunder: Jetzt lachten nicht nur die beiden Damen und ich, sondern selbst die Kassiererin schmunzelte.
Doch im Stillen war ich mir dessen nicht so sicher:
“Nee, dann würd sie anmerken: „Soooo viel?!!!“ `

Draußen meinte ich zu der Jüngeren.
„Hach, bin ich erleichtert. Jetzt marschiere ich mit ruhigem Gewissen nachhause!“
Wir wünschten uns einen schönen Nachmittag und verabschiedeten uns voneinander.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Eine wahrlich extrem höfliche Bedienung