Eine noch total unbekannte Therapiemethode ...
Von
tastifix
Donnerstag 11.06.2020, 09:32
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Donnerstag 11.06.2020, 09:32
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Zwei Bananen lagen nebeneinander im Obstkorb, langweilten sich schon seit Tagen fast hellbraun und waren zudem schwer gekränkt. Weder Frau noch Herr Schmitz hatten Heißhunger auf sie verspürt.
„Immer nur diese blöden Äpfel!“, empörte sich Banane Eins. „Weshalb haben sie uns dann bloß gekauft?“, meckerte Banane Zwei.
„Reg dich nicht auf. So sind die Menschen eben.“
An diesem Tag jedoch sollte der Frust ein Ende finden. Während des Frühstücks unterhielt sich das Ehepaar und die Bananen hörten zu.
„Welche Therapie würdest du für den Mann vorschlagen?“, fragte er.
„Es..es gibt jetzt so eine neue Methode ...“, erwiderte sie zögernd, „der Mann hat doch überhaupt kein Selbstbewusstsein und meint, alle Welt würde ihn ablehnen oder gar verspotten. In diesem Fall könnte ich sie eigentlich mal ausprobieren.“
„Und wie geht die?“, wollte Herr Schmitz wissen.
Seine Frau flüsterte ihm etwas zu und sie lachten laut.
„Typisch Mensch! Jetzt haben wir gar nichts mitgekriegt!“, raunte Banane Zwei.
„Doch, ich schon. Sie hat auch von uns gesprochen.“
„Uuns?? Was haben wir denn damit zu tun!?“
Sie grübelten, kamen aber zu keinem vernünftigen Ergebnis, was man ihnen nicht ankreiden durfte, denn sie waren ja nur Bananen.
„Wir warten einfach ab!“, beschlossen sie schließlich erstaunlich vernünftig.
Kurz danach wurde es spannend. Herr Schmitz holte sein Handwerkszeug und bastelte eifrig.
„Ja, so könnte es gehen ...“, murmelte er.
„Was soll denn das werden?“, rätselte Banane Eins.
„Keine Ahnung!“, kräuselte Banane Zwei die Schale.
Ihre Geduld wurde noch auf eine harte Probe gestellt.
Eine Stunde später erst lüftete sich das Geheimnis.
„Er wird uns doch nicht ... an der Leine ... übers Pflaster ... “ „Waas!!??“
Die Bananen waren entsetzt.
„Wehe, wenn! Dann werden wir aber den Bananenschutzbund darüber informieren!“
„W..Wie sollen wir denn dort hin kommen?“, gab Banane Eins zu bedenken.
Dies war leider auch Banane Zwei ein Rätsel.
Frau und Herr Schmitz ließen sich etwas einfallen. Am nächsten Morgen standen im Zimmer zwei schmale Holzbretter mit Rollen, die Skateboards ähnelten.
„Wir sind zu etwas Höherem bestimmt als gegessen zu werden!“, gaben sich stolz die beiden Bananen zu.
Herr Schmitz band jeder einen Packbandgürtel um, an dem er ein langes Stück Leine befestigte. Dann legte er sie auf die Holzbretter und schnallte sie mit einem Lederstreifen fest. „Wenigstens sorgen sie für unsere Sicherheit!“, stellten die Zwei fest.
Wenige Minuten später trugen Herr und Frau Schmitz die Bananenbretter nach draußen, wo schon ein Fremder auf sie wartete.
„So, Herr Klein: Sie gehen jetzt bitte mit den Bananen an der Leine an der Straße entlang spazieren! Stellen Sie sich einfach vor, sie seien Hunde. Ich folge Ihnen in einigem Abstand. Nur keine Angst!“
Blass geworden, nahm der Fremde schüchtern die Leine in die Hand.
„Und Sie lassen mich auch wirklich nicht allein?“
Frau Schmitz schüttelte den Kopf.
„Sollte jemand lachen, lachen Sie nett zurück!“
Herr Klein stürzte sich also mit den Bananen an der Leine ins Gewühl. Die Bretter rumpelten über das holperige Kopfsteinpflaster, hüpften bei jedem seiner Schritte in die Luft und ihre Bananenpassagiere wurden tüchtig durchgerüttelt. „Oh je! Ich bin gleich bestimmt zermatscht!“
„Ich auch!“
„Lass uns besser daran denken, welch wichtige Aufgabe wir erfüllen!“, versuchten sie sich gegenseitig Mut zuzusprechen und hielten sicherheitshalber ihre Schalen eisern fest.
Nach den ersten paar Minuten war Herr Klein gar nicht mehr bleich, sondern puterrot vor Scham.
„Sie werden mich auslachen - oder gar sofort ins Irrenhaus bringen!“
Aber er täuschte sich gewaltig. Niemand machte Anstalten, ihn zu verspotten oder gar abzuführen. Dagegen beachteten viele den Bananenwagen gar nicht und diejenigen, die ihn bemerkten, lachten amüsiert, aber Herrn Klein nicht etwa aus, sondern an.
„Die zeigen mir ja gar keinen Vogel!“
Allmählich verlor sich seine Unsicherheit und schließlich ging er recht selbstsicher einher. Erleichtert und froh beendete er seinen Mini-Ausflug, verspürte einen Heißhunger wie schon lange nicht mehr und verspeiste mit Wonne die beiden Bananen.
„Sie brauchen es mir gar nicht erst zu sagen“, meinte Frau Schmitz zu ihm. „Man sieht es Ihnen an. Sie haben Ihre Hemmungen überwunden!!“
Ja, die Therapie war ein toller Erfolg gewesen.