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Ist doch verrückt, ja??

Von tastifix Dienstag 26.05.2020, 15:12 – geändert Freitag 29.05.2020, 06:27

Seit kurzem hatte Ulrike eine eigene Wohnung und bestellte euphorisch diverse Möbel. Dabei stellte sie hohe Ansprüche. Dezent-elegant und trotzdem mit modernem Pepp sollten sie sein.

Kurz darauf wurden die wirklich traumhaften Möbel geliefert und lieferten noch einen zusätzlichen Traum mit: Ulrike durfte sie unter der Regie einer leider ein wenig bis ziemlich rätselhaften Aufbauanleitung selber aufbauen. Denjenigen, die jenes Rätselheft kreiert hatten, hatten offensichtlich ein paar ähnliche Schrauben wie die gefehlt, die als Folge dessen genauso den angeschwärmten Möbel fehlten.

Ulrike ertrug es mit Fassung, was ihr kaum Schwierigkeit bereitete. Denn daheim standen Mama und Papa sowie dessen halber Handwerkskeller in den Startlöchern, bereit, auf den leisesten Wink der Tochter hin sofort los zu spurten. Der ließ auch erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Die Eltern schnappten sich das Werkzeug, noch zusätzlich einige Putzutensilien und eilten herzu.

Selbstverständlich bewunderten sie erst mal das wilde Bretterchaos, das, wie Ulrike es ihnen stolz eröffnete, sich zu einem schicken Bett zusammenfügen würde. Ein Bett allein als Schlafzimmereinrichtung wäre wirklich ausgesprochen dürftig gewesen. Darum hatte sie sich noch obendrein einen fünftürigen Kleiderschrank ausgesucht mit verschieden langen Kleiderstangen, -zig Fächern und mehreren Schubläden plus einer auf der Schrankdecke anzubringenden Leiste für die Beleuchtung des imposanten Etwas.

Bereits schon weit weniger begeistert stürzte sich der Papa auf die Arbeit, wählte selbstverständlich die für die zarten Frauenhände zu grobe und bohrte Löcher, die eigentlich hätten vorhanden sein müssen, schraubte Schrauben fest, die nicht hielten und klemmte die Schrankrückwand ein, die sich standhaft weigerte, eine aufrechte Haltung einzunehmen. Mama und Tochter hielten mit angestrengter Miene die Schranktüren, damit der Papa die Gelegenheit haben sollte, seine Feinfühligkeit bei der Anbringung zurückschnellender Scharniere zu beweisen. Dabei schlug er sich recht tapfer, denn nach drei Versuchen gaben die Dinger sogar klein bei und die Türen schlossen fest. Sein Anhang war des Lobes voll.

Desgleichen bezwang er das extra breite Bett und erntete erneute Anerkennung. Diesmal vermehrte, weil er im Schweiße des Angesichts zunächst gegen die Latten und danach die super peppigen Metallbeschlägen während der mehrstündigen, überhaupt nicht amüsanten Auseinandersetzung denn doch den Sieg davontrug und sie tatsächlich gehorsam ihen Platz einnahmen. Stolz betrachteten dann der Papa ob der vollbrachten Leistung, die Mama ob der genauso gut absolvierten Hilfsdienste und Ulrike wegen des tollen Anblicks das neue Mobiliar.

Aber der dreifache Stolz, vor allem der töchterliche, wich einer wachsenden Verunsicherung. Möbel beanspruchen Platz. Große Möbel sind darin besonders anspruchsvoll. Dies sollte man zwecks eigener späterer Zufriedenheit beim Kauf unbedingt bedenken und zuvor die räumlichen Gegebenheiten genauestens prüfen. Doch dies hatte Ulrike vor lauter Freude über das eigene Reich nicht bedacht, sondern war in einen unkritischen Kaufrausch verfallen. Das Bett erwies sich als fast zu breit. Der Kleiderschrank war leider keine Schiebetürenausgabe und der eine der Nachttische ließ sich nur noch knapp neben das Bett zwängen.

Die Drei überlegten hin und her, wie sie das Problem vielleicht lösen konnten. Im Wohnzimmer wollte Ulrike den Kleiderschrank nicht stehen haben und verständlicherweise erst recht nicht ihr Bett. Gemeinsam kamen sie dann auf die einzig mögliche Lösung: Das Bett landete (fast) auf der Nachtspeicherheizung und der zweite Nachttisch versteckte sich hinter der Seitenwand des Kleiderschrankes. Diese Anordnung bot den enorm großen Vorteil, dass Ulrike ihr Schlafzimmer tatsächlich noch betreten konnte. Sie äußerte sich darüber überaus zufrieden. Zwar total groggy, aber dementsprechend gutgelaunt fuhren die Drei zurück nach Hause.

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