Ein Nagel und noch einer ... (1)
Von
tastifix
Samstag 01.02.2020, 11:00 – geändert Samstag 01.02.2020, 11:43
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tastifix
Samstag 01.02.2020, 11:00 – geändert Samstag 01.02.2020, 11:43
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Ich wollte mein Arbeitszimmer neu einrichten. Meine Wahl fiel auf massive gelaugt/geölte Kiefer in romantischer Luxusausführung.
Die Aufbauanleitung erwies sich als äußerst unluxuriös. Die Beschriftung der einzelnen Bauelemente ähnelte verdächtig einem Abc, das man sehr unbedächtig durcheinander gewirbelt hatte. Ich hätte am liebsten gestreikt, aber der dringende Wunsch nach Schreibtisch plus Regalen hielt mich davor zurück. Als Erstes sollte der gewaltige Landhaus-Schreibtisch mit Aufsatz und allem Drum und Dran an die Reihe kommen. Aber allein dieses Mammuträtsel lösen? Nie und nimmer! Ich rief SOS und meine Freundin an:
„Geka, hast du morgen Zeit, mir beim Zusammenbauen des Schreibtisches zu helfen?“
„Kein Problem. Mach dich nicht schon vorher verrückt. Zu Zweit schaffen wir das ganz schnell!“
´Dein Wort in Gottes Ohr und in den Buchstabenkringeln der Bauanleitung!`, dachte ich.
Am nächsten Tag erschien sie gut gelaunt, offensichtlich sehr optimistisch gestimmt. Meine Älteste, damals elf Jahre jung, guckte dagegen ziemlich zweifelnd, schwieg jedoch lieber. Falls Fantasiegebilde entstehen würden, könnte sie ja dann immer noch … Gut, dass wir Zwei keine Gedanken lesen können und darum noch immerhin ganze fünf Minuten recht fröhlich blieben. Wir taten so, als ob wir unser Leben lang nichts anderes getan hätten als Schrauben und Nägel in Holzlatten zu würgen. Meine Tochter sollte annehmen, dass Handwerkeln für meine Freundin und mich eine Kleinigkeit wäre.
Doch schwante uns dagegen Schreckliches und ich schlug heuchlerisch vor:
„Geka, gönnen wir uns vorher eine Tasse Kaffee oder legen wir gleich los?“
Mit einem Blick ´Dir geht die Buxe mit Grundeis!` grinste sie amüsiert:
„Nix da, sofort an die Arbeit!“
Meine Tochter beobachtete uns lauernd. Würden wir wirklich ohne jede Hilfe ... ? Als wir uns tapfer auf die umfangreiche Aufbauanleitung stürzten, sagte sie sich wohl:
´Ich verschwinde besser. Nicht, dass sie mir noch ein Brett vor den Kopf nageln!`
In etwa so hoch schätzte sie wahrscheinlich unsere Handwerkskünste ein.
Sicherlich haben Sie schon mal eine solche Lektüre in oder nach einem scheuen Blick darauf auch nicht mehr in den Händen gehalten. Sowas ähnelt einer DinA 4 Schulkladde und es starrt einem eine Menge Schwarz auf weißem Untergrund entgegen, verziert von völlig undeutlichen Abbildungen. Nur besonders Schlaue erkennen:
„Das ist ´ne Schraube. An der ham`se nur das Gewinde vergessen zu malen!“
So beweist man sich seine Intelligenz, Rätsel Nr.1 ist gelöst und der Hobbyhandwerker wird mutiger. Wer auf einer derartigen Abbildung sogar eine gewindelose Schraube als eine erkennt, der ist garantiert total fit. Den können danach weder fehlende Holzplanken noch falsch gelieferte Nägel aus der Fassung bringen.
Eine kluge Miene aufsetzend griff sich Geka die Broschüre. Doh die kluge Miene wich im nähsten Moment einer eher eindeutig ratlosen.
„Ääh, aha ... Nein, Augenblick, irgendetwas stimmt da nicht. Wo ist denn ...?“
Ich pflichtete ihr bei und hätte am liebsten den ganzen Kram zum Nimmerwiedersehen für den nächsten Sperrmüll eingeplant. ´Ganz schnell aufbauen` müssten wir jedenfalls vergessen. Wider Erwarten lernten wir denn doch schneller ´Bauanleitung lesen` als I-Männchen ihr ABC. Stolz ordneten wir die Buchstaben den verschiedenen Brettern, Nägeln und Schrauben zu. Eigenartig: Manche trugen die gleiche Bezeichung!
´Hmm!!`
Prompt war unsere gute Laune nicht mehr ganz so gut, was wir notgedrungen ignorierten und uns ans Werk begaben. Es erwartete uns eine Unmenge an Arbeit.
„Am besten“, schlug Geka weise vor, „legen wir die Bretter der Reihe nach genau so hin wie auf der Abbildung.“
Tja, kreuz und quer im Raum lagen welche in jeglicher Länge, Breite und mit glänzenden Kanten. Die hatten sie alle, was uns die notwendige Auswahl des Brettes A sehr erschwerte.
„Du“, machte ich sie mit meinem Geistesblitz vertraut, „das hier hat eine besonders stark glänzende Kante. Das ist bestimmt Brett A.“
„Bist du sicher?“, fragte sie unsicher. „Guck doch mal: Dessen Kante hier scheint mir noch glänzender zu sein!“
„Aber es ist eindeutig zu lang!“
Wir einigten uns auf das Brett A1 mit der weniger stark glänzenden Kante und wollten es praktisch fürs Bearbeiten direkt vor unsere Füße legen. Es erwies sich als unmöglich, denn dort türmten sich die übrigen Bretter und sämtliches Handwerkszeug. Wir stapelten alles vor der Zimmertür, so dass dann keiner mehr von der Diele aus unser Tun beobachten konnte - auch meineTochter nicht.