Ein Nagel und noch einer ... (2)
Von
tastifix
Samstag 01.02.2020, 11:40 – geändert Samstag 01.02.2020, 12:31
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tastifix
Samstag 01.02.2020, 11:40 – geändert Samstag 01.02.2020, 12:31
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Die angeblich vorgebohrten Löcher in dem Brett suchten wir vergebens.
„Wir brauchen den Handbohrer!“, stotterte ich.
Geka hockte irgendwo fast unsichtbar hinter einem zweiten Holzstapel, flirtete gerade mit einem Nagel und gab ihm mit dem Hammer einen vorsichtigen Schubs. Der Nagel sollte ja nicht den Kopf verlieren. Aber jener weigerte sich hartnäckig, seine Spitze ins Holz zu bohren. Darum agierte Geka energischer. Der nachfolgende heftigere Hammerschlag passte ihm so gar nicht. Meine Freundin traf schräg, der Nagel glitt ab und der Hammer verfehlte nur knapp ihren Finger. Auf den Schrecken gönnten wir uns erstmal den schon sehnlich vermissten Kaffee. Derweil kontrollierte ich alle zwei Augenblicke die Armbanduhr. Nicht, dass wir etwa diese Ruhepause vor dem Sturm in ungebürlicher Weise verlängern würden.
„Wenn wir hier bei solch ´nem Klacks schon kneifen, was würde denn dann aus Deutschland werden, falls dies draußen Andere bei viel wichtigeren Tätigkeiten ebenfalls machen würden?!“
Geka guckte mich, ihre philosophierende Freundin, verdutzt an. Anstatt sich gleichfalls den Kopf über diese bedeutende Frage zu zerbrechen, lachte sie nur:
„Gaby, du hast ja bloß Manschetten, dass wir vorzeitig aufgeben!“
Verflixt, warum müssen Freundinnen immer so deutlich werden?
„Ich - aufgeben? Denkste!“, brummelte ich mit Nachdruck.
Mit dem zweiten Brett erwischten wir dann offensichtlich den Zwilling des ersten. Glänzende Kante, jedoch unzureichend vor gebohrte Löcher, in die wir stöhnend, auf den Knien herum rutschend, die Nägel hinein zwangen.
„Geka, diesmal hats richtig fix geklappt. Wir sind eben tüchtige Handwerker!“
Sie verkniff sich die passende Antwort.
In der darauffolgenden Stunde leisteten wir Fließbandarbeit. Brett vor die Füße gelegt, (manchmal auch geknallt, weil’s aus den Händen glitt, war ja glatt), gar nicht mehr begeistert die zahlreichen ebenfalls nicht vorgebohrten Mitglieder der Familie ´Loch` begutachtet und dann doch mit inzwischen souveräner Miene verarztet. So tolle Löcher hatte noch keine Maschine zustande gebracht. Zu gerne hätten wir sie noch stundenlang angeschmachtet. Nur wären wir dann gezwungen gewesen, eventuell noch einen weiteren Tag in den Bretter-Dolomiten zuzubringen. Ohne Schreibtisch, ohne Regale und mit einer langen, langen Diele, vollgepackt bis zum Bersten mit Büchern, Büchern, Büchern ...
Allein diese Horrorvorstellung bewegten Frau Ordnungsliebe Geka sowie ihre ähnlich veranlagte Freundin Gaby dazu, den stolzen Blick fast ein wenig wehmütig von dem imponierenden Bild zu lösen und ihn stattdessen auf die uns vorwurfsvoll anglänzenden, übrigen Bauelemente zu heften. Wollten wir dem Chaos Frau werden, dann weiter auf in den Kampf! Es wurde immer später ... Bereits zwei Stunden werkelten wir angestrengt zwischen dem Wust an Hölzern herum. Löcher einzubohren ist eben ein extremes Fitnesstraining, jedenfalls dann, wenn etwa zwanzig Bretter auf einmal nach diesen sehr eindrücklichen Verzierungen verlangten.
„Mir reichts allmählich. Meine Handflächen brennen wie Feuer!"
„Sind ja nur noch zwei Bretter, dann ist der Mist geschafft!"
Nach weiteren fünf Minuten liebkosten wir den von uns in hervorragender Weise gelöcherten Holzberg mit triumphierendem Blick. Ein Erfolgserlebnis der besonderen Art!
Der Rest erschien uns wie ein Kinderspiel dagegen. Wieder besserer Laune schnappten wir uns erneut die Anleitung.
„Jetzt schrauben wir die Dinger nur noch zusammen!“, stellte Geka zufrieden fest.
Tatsächlich machten wir die Deckplatte des Schreibtisches in dem Gewühl nach nur wenigen Sekunden aus und legten sie mittig vor uns hin. Jetzt kamen die Seitenwände C dran. Logischerweise sollten sie rechts sowie links außen auf die Unterseite der Deckplatte geschraubt werden. Im Nu ragten beide Bretter senkrecht im rechten Winkel zur Platte nach oben.
„Na bitte, geht doch!!"
Prüfend kippten wir das Ganze um 180 Grad.
„Du," meinte Geka, „irgendwie sieht es eigenartig aus. Als ob es schief wäre."
„Aber wir haben doch richtig nachgeguckt. Es sind beides ´Brett C!`
„Ach du meine Güte!", entfuhr es ihr.
„Wiiiee??"
„Hier, der Typ Brett da drunter ist nur ein bisschen kürzer und dem haben sie auch ´C` verpasst."
„Mensch, Mist Anleitung! Also, alles zurück marschmarsch!“
Nur mit größtem Kraftaufwand gelang es uns, die Schrauben wieder zu lösen. Die hatten wir ja extra fest eingedreht. Danach allerdings war uns endlich das Glück hold. Nach einer weiteren halben Stunde saßen die richtigen Bretter an den richtigen Stellen und die geforderten Schrauben ebenfalls. Stolz wie Oskar standen wir zwei Bauleute bewundernden Blickes vor dem fertigen Schreibtisch.
Erleichtert begaben wir uns ans Aufräumen.
„Sieh mal“, machte ich meine Freundin irritiert darauf aufmerksam. „Die haben doch wirklich zuviel mitgel ... , hm!“
Geka sah es auch. Es verunsicherte sie aber keinesfalls.
„Kann ja mal vorkommen!“
Meine Tochter hatte verfolgt, dass sich unsere Aktivitäten dem Ende zuneigten. Sie plagte die Neugierde. Weil sie keine hölzernen Dolomiten mehr am Betreten des Raumes hinderten, stellte sie sich, es kritisch musternd, neben das gute Möbelstück und ruckelte, dessen Standfestigkeit prüfend, an der Platte. Der Schreibtisch antwortete mit leichtem Schaukeln. Nachdenklich furchtete meine Tochter die Stirn, hinter der es sichtlich arbeitete.
„Mamaa, wieso wackelt der soo ... ?“
Just in dem Moment entdeckte sie die nur halbleere Nageltüte und feixte:
„Mamaa, habt ihr vielleicht ´nen paar Nägel vergessen ... ?!“
Also war es doch kein überflüssiges Arbeitsmaterial gewesen! Verlegen grinsten wir einander, dann sie an. Einer Antwort allerdings enthielten wir uns. Zu unserer Ehrenrettung sei erwähnt, dass wir letztendlich die so gar nicht überflüssigen Nägel noch dort einschlugen, wo sie hin gehörten. Es waren ihrer fünf Stück.