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Ein lustiger Arzttermin (2)

Von tastifix Mittwoch 27.01.2021, 14:01

Na, die 1. Episode habt Ihr vielleicht schon gelesen und so kann ich Euch getrost eine Steigerung dessen zumuten.

Wie gesagt hatte mich die erste Assistentin an die zweite weitergereicht und ich durfte einen gänzlich anders ausgestatteten Behandlungsraum bewundern, mit mehreren Tischen im Gegensatz zu dem im ersten in recht gemütlich wirkendem hellen Braun eingerichtet. Doch, damit es denn nicht doch zu gemütlich werden sollte, genau gleich eiskalt weißen Geräten. Es stand mir ein regelrechter Marathon bevor. Ärzte sind ja sehr um unser Wohl bemüht und fördern bzw fordern des Patienten Fitness.

Ich wandelte also von Hocker zu Hocker, schaute gespannt in die Röhren, genoss den Anblick von Punkten, aparten Balken, winzigen bunten Häusern, sogar mit angedeuteter Landschaft dahinter, zwinkerten dabei ab und an - kurze Pausen müssen sein - und machte weiter. Es klappte hervorragend, ich erntete ein Lob nach dem anderen, war dann beinahe übermütiger Stimmung und gab leicht ironische Kommentare ab. Mit anderen Worten: Es war zwischen Assistentin Nr. 2 und mir Sympathie aufs erste Wort und wir lachten öfters. Trotzdem vergaßen wir aber die Pflichtübungen keinesfalls.
´Toll! Sie ist echt auf Draht!`
Das war sie auch, aber es gibt halt im Leben Umstände, die denn doch ein bisschen hinderlich sein können. Und ausgerechnet ein solcher Umstand wagte es dann, Unruhe in unser trautes Zusammensein zu bringen.

Normalerweise sind solche Tische höhenverstellbar, aber …
„Wissen Sie, es tut mir leid, aber den Tisch für die letzte Untersuchung kann ich nicht verstellen!“, meinte sie zögerlich.
„Macht nix!“, war meine arglose Antwort.
Ich setzte mich auf den Hocker und wollte mein Kinn auf die dafür gedachte Platte platzieren. Pech gehabt! So gerade eben vermochte ich noch über die Tischkante zu schielen, bin ja recht klein.
Wir guckten beide ziemlich ratlos drein und weil es meinem Gegenüber offenstichlich Unbehagen bereitete, dass ihm so schnell nichts einfiel, um es mir vor dem Gerät ein wenig bequemer zu machen und sie mir deswegen leidtat, übernahm ich denn das Kommando:
„Vielleicht geht’s ja ,wenn ich mich auf den Hocker knie .. ?“
Also positionierte ich mein linkes Bein auf den Hocker, legte das rechte eng daneben - Hocker war schmal und suchte dann hoch oben vergeblich mein Fernsehprogramm. Das wäre nämlich fast eine 30cm-Etage tiefer abgelaufen.

Inzwischen fand die nette Assistentin die Sprache wieder:
„Hm, sollen wir mal versuchen, ob es im Stehen klappt?“
Also wieder runter vom Hocker. Es wurde alles nur noch schlimmer. Jetzt schien der Tisch samt Gerätchen noch weiter geschrumpft zu sein. Aber was sein muss, muss eben sein und ich unsportliches Etwas entschied mich für eine recht sportliche Aktivität.
´Wie das wohl gleich von hinten aussehen wird?“, überlegte ich noch. ´Nur nicht dran denken. Also los!`
Ich knickte in den Beinen ein, ganz langsam, ganz vorsichtig und schaffte es zur halbhohen Kniebeugen-Postion. Mich krampfhaft an der Tischplatte zu beiden Seiten des Gerätes festklammernd, stand/hockte ich dann dort breitbeinig,verzweifelt darum bemüht, ja nicht die Balance zu verlieren,sondern stattdessen möglichst unbeweglich, also ohne zu schwanken, diese Haltung beizubehalten und endlich wieder Punkte, Balken, Häuschen oder sonstiges anzuschauen. Was dabei herauskam, könnt Ihr Euch denken: Zwei Sekunden hielt mein Triumph an, eben wohl doch nicht so unsportlich zu sein. Danach holten mich meine Beinen auf den Boden der Fakten zurück und zitterten zunehmend munterer herum und ich gab auf.

„Das wird nichts!“
Ich gab der Assistentin aus vollem Herzen Recht.
„Nee, echt nicht!!“
Sie daraufhin:
„Wissen Sie was? Diese Untersuchung können Sie auch noch am OP-Tag machen lassen!“
´Klingt ja fast wie: Falls Sie dann Lust dazu haben ...`
Fröhlich nahmen wir Abschied voneinander. Von schlechtem Gewissen wegen Nichterfüllung der letzten Aufgabe bei uns Beiden keine Spur. gg

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