Ein interaktives Bügelbrett
Von
tastifix
Donnerstag 09.03.2023, 12:41 – geändert Montag 24.04.2023, 20:07
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tastifix
Donnerstag 09.03.2023, 12:41 – geändert Montag 24.04.2023, 20:07
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Also, ich heiße Bügelfee v. Platt und das bin ich leider auch schon seit geraumer Zeit, sogar mehr als das. Geht es noch lange so weiter, bekomme ich noch Depressionen. Nee, nee!
Ach, wenn ich mich an frühere Jahre erinnere, wird es mir ganz wehmütig zumute. Damals, ja damals zählte ich zu denen aus meiner Familie, die vor Übermut echt strotzten. Es verging kein Tag, an dem ich nicht Berge von Kleidung bearbeiten durfte. Meine Güte, hielt mich des fit! Nie bin ich etwa zusammengekracht. Dagegen fühlte ich mich ständig bügelwohler, je mehr Arbeit mir aufgebürdet wurde.
Zur Belohnung für meinen pausenlosen Fleiß bekam ich immer mal wieder ein neues Bügelbrettkleid geschenkt. Das alte war dann endgültig durchgewetzt. Nur schade, dass ich es nicht selber aussuchen durfte. Aber irgendwie hatte ich selbst dafür Verständnis. Denn wie hätte des denn vonstatten gehen sollen? Meine Hausfrau konnte mich ja schlecht unterm Arm klemmen und so dann sämtliche Geschäfte heimsuchen. Und zudem: Umkleidekabinen für Bügelbretter gab es und gibt’s auch heute wohl nicht oder auch schon nicht mehr und ohne Kleid denn dort in der Kundenöffentlichkeit zu stehen und von allen Seiten peinlich berührte Blicke zu ernten, wäre mir denn doch sehr gegen das Bügeleisen gegangen.
Deshalb schielte ich nur neugierig um die Ecke, wenn meine Hausfrau vor jenem Klapperkasten saß und Bügelbrettmode musterte. Welche mit Barbie darauf mutete sie mir nicht zu, auch keines mit Harry Potter zum Glück. Denn sonst hätte ich mich vielleicht gegruselt und die Bügelfalten wären allesamt krumm und schief ausgefallen. Wenn ich darüber nachdenke, graust es mir! Nein, ich durfte mich freuen, denn ich trug dann eines mit ganz vielen niedlichen Gänseblumen darauf. Es stand mir wirklich ausgezeichnet und ich schaute damit so fröhlich drein.
Ja ja, die Erinnerungen, seufz!
Heute dagegen ists ein Trauerspiel: Wenn ich Glück habe, darf ich mal ´nen Shirt oder eine Jeans bearbeiten - aber höchstens 1x pro Woche. Des ist alles. Die restliche Zeit steh ich mir meine Metallbeine in mein Bügelbrett und frage mich ab und an, was ich hier noch solle. Macht doch gar keinen richtigen Spaß mehr. Und mein Bügeleisen meckert auch nur noch herum. Dem ist genauso langweilig wie mir. Würde mich auch wundern, falls dem nicht so wäre, denn wir Zwei sind ja engstens miteinander verbunden.
Doch man sollte nie denken, es würde nicht noch eine Frust-Steigerung geben!! Wisst Ihr, was vor einigen Tagen tatsächlich passiert ist?
Also, meine Hausfrau hat vier Töchter. Die sind schon länger erwachsen und, obwohl sie Familien haben, besitzen die doch wirklich kein Bügelbrett. Ich frag mich allen Ernstes, ob die ihre Sachen denn total zerknittert anziehen?
Na, wohl doch nicht, denn mir fällt gerade ein, dass die heutigen Stoffe ja so geartet sind, dass die meist knitterfrei aus der Waschmaschine kommen.
Tja, die Vier sehen mich dort in der Ecke in Mamas Ankleidezimmer stehen und reißen die Augen entsetzt auf:
„Mama, also bitte!! Wieso haste das denn noch? Macht doch heut` kein Mensch mehr! Bügeln is out!!“
Vor Empörung hätte ich fast mit meinem Ärmelbrett geklappert. Nur die Tatsache, dass sie ihre Mama wohl trotz dieses Kniggefehlers immerhin noch zu den Menschen zählen, besänftigt mich denn etwas. Aber dann noch mehr ihre Antwort darauf:
„Mir doch egal! Ich bügele!!“
´Ob sie nach dieser fiesen Provokation vielleicht sogar meine Hilfe wieder öfters in Anspruch nehmen wird??`
Ich beginne zu träumen. Mir begegnen Decken hohe Kleiderberge ...