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Die überschrittene Grenze

Von tastifix Dienstag 09.10.2018, 22:32

Es spielte sich während Angelikas Schulzeit ab. Ab Untertertia änderte sich etwas. Nicht allein, dass sie so allmählich in die Pubertät kam, widersprüchliche Gedanken und Fragen über sie selber in ihrem Kopf wirbelten. Nein, sie, die eigentlich eine gute Schülerin gewesen war, verschlechterte sich unüblich schnell um zwei Noten. Ja, sogar in ihrem Lieblingsfach Deutsch erntete sie innerhalb von vier Monate statt einer Zwei eine Vier. 
Zunächst schrieben es ihre Eltern der Pubertät zu, machten sich keine weitergehenden Gedanken deshalb. Die Noten würden wieder besser werden. Doch als sämtliche Beurteilungen äußerst negativ wurden, sorgten sie sich. Angelika bemühte sich sehr. Aber, meldete sie sich, wurde sie von ihrer Klassenlehrerin einfach übersehen. Irgendetwas war da nicht in Ordnung. Angelika ahnte etwas und ihre Freundinnen genauso. 
Als sie einmal eine Klassenarbeit zurück erhielt, die wider Erwarten eine einigermaßen durchschnittliche Beurteilung erfahren hatte, setzte sich die Lehrerin auf Angelikas Pult und fragte, wer ihr bei der Arbeit geholfen hätte. Weil aber während der Klassenarbeiten die Pulte weit auseinander standen, gab es keine Chance, etwa zu mogeln und sich mit Anderen auszutauschen. Angelika verstand darum die Frage nicht, empfand es als sehr eigenartig und schwieg. Doch die Lehrerin ließ nicht locker und machte ihr den Vorschlag. sie daheim zu besuchen, dann würde sie ihr helfen. Diese Bemerkung irritierte das junge Mädchen dann noch mehr. Selbstverständlich besuchte sie die Lehrerin nicht und daraufhin wurde alles nur noch schlimmer. 

Und doch kam der Tag, an dem sich Angelika, sich dessen nur vage bewusst, an dieser Lehrerin rächte. Sie sollten eine Abhandlung über das Verhältnis Mann/Frau in der Weltgeschichte schreiben. Inzwischen war die vage Ahnung, die sie gehegt hatte, was hinter dem sonderbaren Verhalten der Lehrerin steckte, zur konkreten Vermutung geworden. Mit dieser stand sie nicht allein in der Klasse, sondern ihre Kameradinnen hegten den selben Verdacht. Angelika schrieb wie immer ohne Vorschrift. Es wurden zwölf lange Seiten. Die Grundaussage war letztendlich ganz im Sinne der Lehrerin. 
"Männer sind doof und zu meiden!" 

Ein paar Tage später betrat jene den Klassenraum, die Hefte unter dem Arm, setzte sich und kommentiert jede einzelne Arbeit. 
"Es geschehen noch Wunder. A, hat eine Eins!" 
Nur mit Mühe verkniff sich Angelika das Grinsen. Sie schaute zu ihrer Freundin. Die Beiden sahen sich minutenlang an. Dann flüsterte diese ihr zu: 
"Der hast du es aber gegeben, endlich!!" 
Irgendwie hatte Angelika das Gefühl, als ob ihr ein Felsklotz von der Seele gefallen wäre .

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