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Die Seele baumeln lassen. Urlaub

Von Feierabend-Mitglied Freitag 14.08.2020, 18:50


Du brauchst doch nur das Wort Sonne schreiben, um braun zu werden, bemerkte mein 12-jähriger Sohn.
Wir waren vor 3 Tagen mit dem Wohnmobil, zu einer 4-wöchigen Tour mit dem Ziel Provence in Hamburg aufgebrochen.
Aus dem Shirt geschlüpft waren tiefbraune Arme in Kontrast zu blassem Oberkörper zu sehen.
Es kostete mich jedes Jahr viel Kampf diese 4 Wochen in der Firma durchzusetzen. Anweisung der Geschäftsleitung war: maximal 3 Wochen.
Nun hatte ich einen sehr stressigen Job und der erlaubte mir selten um 16 Uhr pünktlich nach Hause zu fahren. Häufig wurde es 20 Uhr und später.
Hat man einen Kunden dessen Tiefkühlraum, weil defekt warm wird, dann ist man so lange gebunden bis dieser nicht mehr befürchten muss alles entsorgen zu müssen.
Feierabend wird dann zu einer Vokabel, welche nur noch bei der Abrechnung Berücksichtigung findet, ansonsten zeitlich aber ohne Bedeutung ist.
Dabei kommt es so gut wie nie vor, früher gehen zu können.
Diese Arbeitsbelastung nahm ich als Argument für meine Forderung.
Letztes Jahr hatte unser Direktor mich einbestellt, um mir mitzuteilen: „Dies ist das letzte Mal. Nächstes Jahr gibt es nur noch 3 Wochen innerhalb der Sommerferien.“
Das hatte ich mir gemerkt und meinen Urlaubsantrag etwas anders ausgefüllt.
Prompt kam einige Wochen später eine Einladung des Direktors.
„Also Herr ….., ihren Urlaubsantrag muss ich zu meinem Bedauern ablehnen. Sechs Wochen während der Sommerferien geht gar nicht. Ich musste Ihren Urlaubsantrag auf 4 Wochen zusammen streichen. Tut mir sehr leid, aber mehr bekommen wir nicht hin!“
„Na das ist aber schade! Wenn da wirklich überhaupt nichts zu machen ist? Habe ich eben leider Pech gehabt.“
Zufrieden machte ich Feierabend!
Wir waren schon am 5. Reisetag in Moustiers-Sainte-Marie angekommen und bezogen Quartier auf einem Campingplatz
in der Nähe des Lac de Sainte-Croix.
Damals war es noch ein primitiver "Camping Munizipal", der als einzigen Komfort einen zentralen Stromanschluss, saubere Sanitäranlagen und eine Waschschüssel zum Abwaschen im Freien bot.
So etwas wie eine Rezeption gab es nicht! Nur einen Zettel mit Preisen am Waschhaus.
Es gab 2 Toilettenschüsseln für die Männer und drei für die Frauen, Sowie jeweils 2 Duschen. Alles wurde täglich mit einem Hochdruckreiniger bearbeitet und war wirklich tadellos sauber.
Der ADAC Campingführer sagte darüber: nicht empfehlenswert.
Diese Aussage wurde für uns zum Qualitätsmerkmal.
Nach unserer Annahme wurden die Ausmaße der Wiese genommen und daraus die maximal mögliche Belegung errechnet.
Natürlich waren dafür die Toiletten und Duschen bei weitem nicht ausreichend. Wenn allerdings maximal 5 bis 8 Zelte dort stehen, bei uns waren es neben unserem Auto drei, dann wird man schief angesehen, wenn nicht zumindest 15 m Abstand gewahrt wird.
Man sucht sich auf der riesigen, mit einigen großen Bäumen bestandenen Wiese, einen Platz.
Dieser war sorgfältig zu wählen. Am Anfang, unerfahren wie wir waren, wurden wir morgens gegen 4 geweckt und an Schlaf war nicht mehr zu denken.
Wir hatten noch nicht erfahren wie es sich anfühlt, wenn die südfranzösische Sonne aufs Fahrzeug scheint und wie schnell ein VW-Bulli sich in einen Backofen verwandeln kann!
Fall Strom benötigt wird, sollte auch die Länge des eigenen Kabels, bzw. der Abstand zur Steckdose in die Überlegung mit einfließen.
Irgendwann, meist gegen Abend, kommt jemand vorbei und kassiert.
Das läuft dann sehr locker ab.
Einmal kam 3 Tage lang auf so einem Platz kein Mensch. Die Reinigung schien nachts erledigt zu werden. Da wir aber am 4. Tag losmussten, das Rathaus geschlossen war, haben wir nichts bezahlen können.
Nun war bei einem Preis von umgerechnet 10 DM pro Nacht, incl. Stromanschluss, der Schaden für das Dorf wohl nicht allzu groß.
Diese Situation wird aber auch schamlos ausgenutzt.
Da kommen Deutsche mit PKW. Die ganze Familie geht Duschen, was normalerweise im Preis inbegriffen ist, und verschwindet danach.
Wir trafen die Familie im Restaurant wieder. Sie campten Wild am See wie wir mitbekamen.

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte seine Einkäufe sorgfältig planen.
Wer einen Schlachter sucht, für den sind die Einkaufsmöglichkeiten in der Provinz dünn gesät und kamen uns aber sehr entgegen. Spätestens nach dem dritten Tag beginnt zumeist die Langeweile und ein Ortswechsel ist angesagt.
Da unsere Lagermöglichkeiten für frische Lebensmittel mangels Kühlschrank doch begrenzt waren, fuhren wir meist nach spätestens 4 Nächten wieder ab.
Das hing unter anderem auch davon ab, ob es in zu Fuß erlaufbarer Nähe ein Restaurant gab. Die 0,5 Promille sind schnell erreicht und angetrunken fahre ich nie. Auf das eine Bierchen kann ich dann auch noch verzichten.
Moustiers-Sainte-Marie ist ein wunderschönes Bergdorf.
Eines der schönsten die ich je gesehen habe.
Auf halber Höhe am Berg gelegen, duftet die ganze Gegend nach Curry.
Am Fuß des Berges waren Lavendelfelder, deren Anblick überwältigend war.
Am meisten hat mir ein, mitten im Dorf gelegenes Restaurant gefallen. Durch die Terrasse fiel ein sehr romantischer Wasserfall.
Nicht nur, dass das die Lammkotelett hervorragend schmeckten, dort trank ich das erste Mal einen Chablis und verliebte mich sofort in diesen Wein. Ein wahrhaft göttliches Getränk!
Diesen Wein fand ich in Hamburg wieder. Ausgerechnet im Aldi!
Er kostete damals den für Aldi enormen Preis von 5,6 DM.
Nach dem Kauf einer Probeflasche wurde es mein Hauswein.
Das ging 3 Jahre gut. Plötzlich stieg der Preis. Dies hätte ich noch verkraftet, wenn der Flascheninhalt nicht höchsten noch als Allzweckreiniger zu gebrauchen war. Der Wald und Wiesen Tafelwein in Frankreich hatte eine deutlich bessere Qualität.
Auf der nächsten Fahrt durch die Provence sahen wir den Grund.
Die Lavendel und selbst die Weizenfelder waren fort.
Überall wuchs Wein.
Da der Name Chablis eine geschützte Bezeichnung des Gebietes ist und nur Wein, der dort wächst, auch so benannt werden darf,
wird auf jedem dort gelegenen Landflecken Wein angebaut.
Auch auf den ungeeignetsten Böden. Mit grausamem Erfolg.
Dachte immer, die Franzosen seien stolz auf die Qualität Ihres Weins.
Bin leise weinend auf spanische Rotweine umgestiegen.

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