Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

10 7

Die Qualmfee Esmeralda und der wunderbare Kristall

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 21.02.2019, 21:07



Ilona Emmerich und Heidemarie Kaschube sind Freundinnen. Seit Ewigkeiten schon, seit dem Sandkastenalter. Später dann hat sich Heidemarie der Zucht von Przewalski-Pferden gewidmet und wurde da sogar Herdbuchführerin. Annemarie arbeitet als Lehrerin für Geschichte und Kunst im Nachbarort.

Nun sind beide über Fünfzig, leben in Tschorlau, unternehmen viele Dinge gemeinsam. Sie wandern, fotografieren oder lesen in alten Geschichstbüchern. An einer Dorfchronik arbeiten sie schon viele Jahre gemeinsam

Als Ilona eines Tages mit Heidemarie verabredet ist, erscheint die Freundin nicht am Treffpunkt.

Das war ungewöhnlich, denn ihre Treffen waren ein Ritual, was sie nicht ohne Grund versäumten. War Heidemarie krank, oder ist etwas Schlimmes passiert. Ilona hatte ein ungutes Gefühl.

Kurz entschlossen geht sie nachsehen. Klingelt bei der Freundin - niemand öffnet. Auch auf dem Handy ist sie nicht erreichbar. Sie geht um das Haus herum in den Garten und ruft laut ihren Namen. Auch hier ist Heidemarie nicht.

Doch hinten auf der Wiese lag ein umgestürzter Baumriese. Der gesamte Wurzelballen ist aus der Erde gerissen! Ilona läuft schnell hin, aber auch hier ist Heidemarie nicht . Doch in dem Loch, das der Baum gerissen hat: Schuhspuren.....das Loch führt in einen engen Gang.Kleine Füße. Heidemarie? Sollte sie da hinuntergestiegen sein?

Ilona bückt sich, kann aber nichts entdecken. Es ist dunkel und ein kalter Lufzug weht ihr entgen. Sie rappelt sich auf, tritt den Heimweg an.

Als sie die Hälfte des Weges durch den Garten hinter sich gebracht hat, schlägt ihr Gewissen Alarm. Heidemarie ist ihre beste Freundin. Darf sie jetzt einfach gehen? Vielleicht ist ihr etwas zugestoßen? Braucht sie Hilfe? Sollte sie die Polizei alarmieren ?

Ilona macht kehrt. Läuft zum umgestürzten Baum zurück. Sie springt in das Loch, aber es war nichts zu sehen.

Plötzlich gibt der Boden unter ihr nach! Sie stürzt in die Tiefe .....

Sie rutscht steil bergab und überschlägt sich...tiefer und tiefer immer weiter treibt es sie. Dann endlich kommt sie in einer Art Halle zum liegen. Ihr Herz pocht und ihre Gedanken verschlinge sich ineinander . Wo ist sie hier? Wird sie je heraus finden? Sie setzt sich erst einmal hin und überlegt. Wo bin ich hier? Zum Glück hat sie nur ein paar Abschürfungen an den Beinen und einen Riss in der rechten Hand. Wieso ist dieses Loch sooo tief in das sie gefallen ist.

Da fiel ihr ein, daß vor ca. 400 Jahren in Tschorlau Silber abgebaut wurde. Es könnte sein, daß unter Ilonas Garten ein alter Stollen war, der eingestürzt ist. Was nun? Ist Heidemarie auch da rein gefallen ? Wo ist sie und wie kommt man hier wieder raus?

Sie rief laut nach Heidemarie....aber keine Antwort. Eigenartiger Weise bemerkte sie auch hier unten einen Luftzug. Irgendwo musste der Ausgang sein. Sie sucht das Feuerzeug in ihrer Jackentasche und leuchtete damit auf den Boden....Ohjeeee, iiiiiiiiih....was war das? Knochen...menschliche Skelette...aber klein nur ca. 1m gross...gruselig. Schnell machte sie die Flamme aus und überlegt. In früheren Zeiten wurden Kinder gern als Arbeitskräfte im Bergwerk genutzt . Sie waren klein und wenn sie verunglückten war das nicht schlimm. Die Eltern hatten oft 10 oder mehr Kinder. Und in diesen Zeiten damals war ein Esser weniger am Tisch eher eine Erleichterung. Deshalb gab es ganze Bergwerke die als Kinderbergwerke betrieben wurden. Nur die Steiger und Obersteiger waren Männer, die die Kinder zur Arbeit antrieben. Und ein oder zwei Frauen wurden zur Beaufsichtigung der Kinder eingesetzt. 12- 16 Stunden verbrachten die Kinder oft unter Tage. Wahrscheinlich sind sie verunglückt, traurig, aber mehr Sorgen machte sich Ilona um ihre Freundin. Irgendie gewöhnten sich ihre Augen an das Dunkel und sie ging langsam dem Ende der Höhle entgegen. Der Luftzug wurde stärker...der Stollen verengte sich immer mehr. Ilona war eine stattliche Frau ...sie merkte das es ihr immer schwerer fiel weiter zu klettern. Aber sie musste es schaffen. Es war kaum anzunehmen, daß sie jemand hier unten suchte.

Als sie einen kurzen Moment verschnaufte hörte sie Geräusche.

Dumpfer Gesang klang an ihr Ohr. Sie konnte nichts verstehen obwohl sie deutsche Laute heraus hörte. Wer auch immer das war..er konnte sicher helfen. Sie grub mit ihren Händen wie wild und nach etwa einer Stunde wurde der Gang wieder breiter. Erschöpft krabbelte sie weiter bis...ja bis sie erschreckt inne hielt. Vor ihr wieder eine Art Halle in der sich kleine, dünne weisse Menschen befanden die an einer Art lautloser Maschine arbeiteten . Sie hatten alle bunte Haare...die einen rote, die andern blaue oder gelbe, manche auch mehrfarbige. Wer waren sie ? Menschen oder eine seltene Spezies von Tieren die sie nicht kannte? Sie sangen ununterbrochen. Nun konnte sie auch einzelne Sätze verstehen...aber es war ein Dialekt oder eine Sprache dir ihr fremd war.

Auf einmal kam ein grünliches Licht von oben...sie verlor in Sekunden das Bewusstsein.

Als sie erwachte, lag sie auf einer Matte...über sie gebeugt ihre Freundin...sie lächelten sich an.“Wo sind wir hier? Wer sind diese Wesen? Geht es dir gut”. Mühsam sprudelten die Fragen aus ihrem Mund..sie war noch benommen.

Heidemarie beruhigte sie schnell. “ Wir sind in einem alten Bergwerk. Die Wesen sind Nachkommen der Kinder die damals verschüttet wurden. Sie haben mich gefunden und verehren mich als Widergeburt ihrer Urmutter. Ich habe sie wohl aufgrund meiner ausladenden Brust an die Frau erinnert, die sich nach dem Unglück um die Kinder gekümmert hat.”

“Wie die Kinder leben immer noch? Warum sehen sie so komisch aus und reden auch kaum verständlich?” wollte Ilona wissen. “Das ist eine lange Geschichte. Es ist auch schwer zu glauben.Im Prinzip wurden sie verschüttet aber eine der Frauen war nach ihren Tod eine Fee...eine Qualmfee...die sich in Rauch auflösen konnte und die Kinder mit Nahrung versorgte. Sie zeigte ihnen auch eine See mit trinkbarem Wasser und eine phosphathaltige Energiequelle. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Nachkommen der Kinder eine kleine Siedlung unter Tage gebaut. Sie verehren die Urmutter, der ich wohl ein wenig ähnlich sehe und haben eine Art Religion, die darauf beruht, daß sie nie wieder an die Erdoberfläche wollen und das sie die Menschen hassen, weil sie nie nach ihren Vorfahren gesucht haben”. In diesem Moment erschien eine wirr aussehende Frau mit struppigen Haaren aus denen Rauch empor stieg. Sie lächelte die beiden Frauen an. Ich bin Esmeralda die Qualmfee. Ich bin kein Mensch, aber ich liebe die Menschen hier unten. Schaut auf ihre Maschine an der sie unermüdlich schaffen. Die Frauen blickten in den offenen Raum...die lautlose Maschine wurde von etwa einem Dutzend der kleinen Männchen mit den bunten Haaren bedient. “Hiermit erzeugen wir dir Aetherenergie, mit der wir unsere Nahrungsmittel herstellen.” sagte Esmeralda im feinsten Hochdeutsch. “Warum sprichst du nicht wie die anderen hier ? “ wollte Ilona wissen. “Ich bin als Qualmfee die einzige hier die durch die Gänge und Ritzen zur Oberfläche kann. Nach dem Unglück habe ich damals Nahrung zu den Kindern gebracht....heut können wir uns allein ernähren von Sporen und Pilzen. Ich höre den Menschen an der Oberfläche oft zu, so habe ich die Sprache immer weiter gebildet. Die anderen hier sprechen das was ihr Neuhochdeutsch nennt. Ihr könnt es auch verstehen . Z.B. “daz er an den buochen las,swaz er dar an geschriben vant:” heisst in eurer Sprache “dass er alles, was er in den Büchern geschrieben fand, lesen konnte.” Es ist nicht so schwer. ““Was wird nun mit uns “ fragte ängstlich Ilona. “Nun, ihr würdet hier unten sicher arg traurig werden und bald sterben, da ihr auch nicht an unsere Nahrung und das fehlen des Sonnenlichts gewöhnt seit. Ich werde euch ein Versprechen abnehmen, daß ihr nie einem anderen Menschen von unserer Existens etwas sagt, solltet ihr euch nicht dran halten, so werde ich euch zu finden wissen und es wird euch schlecht bekommen” Das sprach die Qualmfee mit ernster Mine. “Kommt fasst mich an und folget mir, ich führe euch zu einem Ausgang, der euch wieder in eurer Welt bringt”. So sprach sie Ilona spürte eine warme aber knorrige Hand in der ihren. Schnell fasste sie auch Heidemarie an und so gingen sie sicher 3 Stunden durch immer dunklere Gänge. Sie sprachen kein Wort dabei. Schon bald hörten sie auch keine Gesänge mehr von den Wesen die sie gesehen haben. Dann auf einmal blieb die Qualmfee stehen. Ein grünliches Licht erleuchtete den Gang in dem sie standen. Sie sprach :” Ilona und Heidemarie, ich weiss, daß ihr Menschen seid, die nie anderen etwas zu leide taten. Hier nehmt diesen Kristall. Wenn ihr einmal Hilfe braucht oder es euch nicht gut geht, so haltet ihn in eine Lampe. Ich werde euch erscheinen und euch helfen, so gut es in meiner Macht steht. “ Ilona nahm den Kristall an sich...dann löste sich die Hand von der Qualmfee und vor ihnen wurde der Ausgang einer Höhle sichtbar. Die beiden Frauen waren ergriffen und flüsterten ein kurzes “Hab Dank Esmeralda, wir wollen dich nie vergessen”. Dann gingen sie zum Ausgang der Höhle die in einem Steinbruch mündete. Schnell liefen sie nach Hause. Das Loch in Heidemaries Garten war erstaunlicherweise nicht mehr zu sehen, der Baum stand da wie immer. Bei einem Tee sassen die beiden Frauen und überlegten, ob es nur ein Traum war, denn an Feen glaubten beide nicht.

Im kommenden Jahr und auch in den folgenden nahmen sie immer am 24.März des Jahres den Kristall und hielten ihn in eine Lampe. Dann erschien Esmeralda die Qualmfee und sie erzählte ihnen einen ganzen Abend von den Mühen der Kinder damals im Bergwerk. Die beiden Frauen schrieben dies alles in ihre Chronik des Dorfes. Der Qualmfee gaben sie zum Dank eine Flasche Kräuterlikör, diesen mochte sie sehr, wie sie bei ihrem ersten Besuch erzälte. Den kleinen Wesen unten im Berg ging es immer besser. Sie lernten nun auch Hochdeutsch oder wie man aus Bergwasser schöne Dinge erschaffen kann. Die Qualmfee half ihnen dabei. Und einmal...kurz bevor Ilona starb, brachte sie eines der Wesen mit in die Stube...und dann erklangen alte Lieder und das Wesen welches sich Polli nannte und herrlich azusblaues Haar hatte erblickte mit seinen braunen Augen die Frauen, die seiner Urmutter doch so ähnlich sahen. Und Polli, Esmeralda, Ilona und Heidemarie waren alle sehr glücklich an diesem Abend.....

Heidemarie starb kurz nach Ilona, was aus Esmeralda und den wunderbaren kleinen Wesen mit den bunten Haaren wurde ist mir leider nicht bekannt. Diese Geschichte erzählte mir Heidemarie, die meine Oma war, kurz bevor sie starb. Der Kristall ist nie gefunden worden.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Die Qualmfee Esmeralda und der wunderbare Kristall