Der Punkt, an dem das Leben sinnlos wird
Von
CeeBee
Montag 18.03.2019, 22:02
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Von
CeeBee
Montag 18.03.2019, 22:02
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... was war das?
... ist es schon hell?
Schweißgebadet liege ich im Bett. Eine zehrende Unruhe breitet sich in mir aus. Es geht wieder los.
Diese Nacht existiert ab sofort nicht mehr und der frische Tag ist mit den ersten, wilden Herzschlägen bereits ruiniert.
Ich muss raus. Schnell in die Schuhe steigen und den Mantel überwerfen. Ins Bad und mit zwei Handvoll Wasser den Mund ausspülen.
Es mag fünf Uhr sein oder auch sechs. Die Straße ist nass. Manche Laternen haben noch Licht und ich spüre im Gehen, wie mir die Morgenkälte an den Beinen hoch kriecht. Und ständig schlägt mir der Wind den Mantel auf.
Wie lange muss ich wohl warten?
Verdammt, das sind bestimmt noch Stunden. Ich hocke mich, leicht frierend, irgendwo in eine windgeschützte Ecke und lauere darauf, dass der Tag rasch hinter den Häusern hervor kriecht und mit ihm die Betriebsamkeit des Alltags erwacht.
Was glotzen alle so? Ja, das ist ein Schlafanzug! Na und? Noch nie gesehen? Tatsächlich muss ich wohl wieder eingeschlafen sein, denn ich bin nicht, wie erhofft, der Erste der Schlange. Ich wickle mir den Mantel fest um den Leib und stelle mich mit verschränkten Armen in die Reihe der Wartenden.
Diese Rumsteherei immer! Sie ist zermürbend und erniedrigend! Da solle doch jemand mal an die Tür schlagen, rufe ich nach vorn, es müsse weiter gehen. Stumm blickt man sich um zu mir und mustert mich gleichgültig.
Ja, ... ihr mich auch!
Es sind immer die gleichen Anzeichen von Mangelaggression und rasender Ungeduld. Für einen Moment komme ich zur Besinnung und frage mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe? Nein, auch diesmal nicht! Und von den zahlreichen, nutzlosen Therapien bin ich schon längst auf ewig geheilt. Ich kann und will nicht mehr anders!
Da ist Bewegung. Endlich!. Die Tür öffnet sich. Mit einer flüchtigen Entschuldigung stürme ich an den vor mir Wartenden vorbei. Und da dies alles nicht neu für mich ist, kenne ich meinen Weg.
Behände greife ich zu und stopfe mir die Manteltaschen und die vom Schlafanzug voll. Einige Tüten behalte ich in der Hand und die letzte reiße ich fahrig nervös unter einem kräftigen Ruck mit den Zähnen auf, so dass der Inhalt wild umher fliegt.
Egal!
Den Rest, der nicht zu Boden gefallen ist, stopfe ich mir in den Mund ... und da kommt es wieder ... ich spüre auf der Zunge wie dieser unverwechselbare Schmelz entsteht und die Flut von Geschmackssensationen sich in meinem Inneren ausbreiten ... ganz sachte.
Diese bunten Baiser-Ostereier machen mich jedes mal wahnsinnig!
Irgendwie fühle ich mich einer kleinen, orgastischen Ohnmacht nahe. Doch langsam, ich muss ja noch bezahlen. Nun seelisch völlig ins Lot gerückt und freudig enthemmt strecke ich beim Bezahlen der Kassiererin die Zunge heraus. Grasgrün, sagt sie und lächelt. Alles ist gut, denn genau so muss es sein!
Wenn ich mit dem gesamten Vorrat besonnen umgehe, werde ich eine Weile auskommen. Bis zum Frühherbst muss er reichen.
Denn Anfang September wiederholt sich das Ganze, dann kommen nämlich die Dominosteine.
Doppelt gefüllt.
© CB.........................................................................................
Foto: selbst