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Der Koffer ...

Von tastifix Montag 03.04.2023, 09:20 – geändert Montag 03.04.2023, 09:27

Meine zehnjährige Enkelin würde ihre erste längere Zugreise bis Nürnberg allein antreten, allerdings ausgestattet mit neuem eigenen Handy. So dass sie unterwegs jederzeit mit meiner Tochter, aber genauso auch mit Freundinnen, dann per Chat, verbunden wäre.

Eigentlich mussten wir uns deshalb keine Sorgen machen, zumal die Kleine selbst am Morgen der Abfahrt völlig gelassen reagierte. Und doch wirbelten uns viele Gedanken durch den Kopf: Was würde sein, wenn ihr, wie öfters mal auf Auto- oder Zugfahrten, plötzlich übel werden würde? Oder, wenn der Zug mitten auf der Strecke stehenblieb? Ob sie dann nicht doch Panik bekommen würde?
„Gegen die Übelkeit hat sie ja Kaugummis und, sollte sie Angst bekommen, kann sie Mama und uns ja jederzeit anrufen.“
Es nutzte nichts, die Gedanken blieben.

Wir erreichten Köln-Deutz, sicherheitshalber sehr frühzeitig, Abfahrt des ICE um 14.44., also noch fast 45min Zeit. Erst überlegten wir, ob wir der Kälte wegen im Wagen warten sollten, aber dann stiegen wir doch aus. Angestrengt grübelten wir, ob T. auch alles Wichtige eingesteckt hatte, forschten nach Fahrkarte und und und …
Es waren noch einige Minuten über den großen Parkplatz bis zur Straße und weil T. weiterhin viel ruhiger war als wir selber, die wir uns immer noch alle nur erdenklichen, der Laune der Kleinen abträglichen Szenarien vorstellten, was denn alles so passieren könnte oder auch nicht, marschierten wir munter bis zur Straße. Plötzlich verunsicherte mich etwas, urgendetwas stimmte nicht.
„Sagt mal, sollte T. denn nicht besser ihren Koffer mitnehmen? Ich mein ja nur ...“
Der Große und die Kleine guckten verdutzt, dann lachte mein Mann laut.
„Omi, ich hab mich schon gewundert ...“
´Aber nichts gesagt ...`
„Tja, denk mal, mir wäre es jetzt nicht aufgefallen, der Zug dann pünktlich gekommen und Du hättest dort gestanden ohne den!“
Klar wäre es dazu nicht gekommen, aber T. grinste und genau dies hatte ich erreichen wollen.
„ Hast Du denn sonst alles?“
Sie nickte, immer noch lachend.

Der ICE sollte wegen einer Reparatur etwa 15min später eintreffen, kam aber doch bereits nach 10 min. Wir brachten unsere Enkelin zu ihrem Platz in Fahrtrichtung. Stolz legte sie alles auf dem Standtisch vor sich ab und tat auf erwachsen. Jajaah! Bevor der Zug startete, winkte sie uns noch zu und wir ernteten Luftküsschen. Weil ich wusste, wie sehr sie sich freuen würde, wenn ich mich auf der Handyneuerwerbung, selbstverständlich in lila Schale, melden würde, machte ich es gleich 2x. Es war alles okay, sie telefonierte dauernd mit Mama, chattete mit Freundinnen und die restliche Zeit lauschte sie Musicalmelodien.

Der Zug wurde nicht nochmals repariert, er blieb auch nicht gar auf der Strecke stehen, sondern erreichte Nürnberg pünktlich. Nur verpasste der Zugführer, ihn passend zu stoppen, fuhr also ein wenig zu weit, aber auch das war ja kein Problem. Und dann lagen sich Mama und Töchterchen im Arm. Sie verbrachten die Nacht im Hotel und fuhren dann anderntags nach Hof, wo meine Tochter für einige Wochen arbeitet. Auch dort kamen sie wohlbehalten an.

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