Der Dosenöffner von und zu
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tastifix
Montag 30.07.2018, 20:55
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tastifix
Montag 30.07.2018, 20:55
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Ich schwärme für Ton in Ton. Meine Kleidung und die Einrichtung beweisen es.
Je älter ich wurde, umso mehr beherrschte mich jener Tick. Die kleinste Abweichung von dieser ungeschriebenen Farbnuancen-Vorschrift bescherte mir ein schlechtes Gewissen und darum schlaflose Nächte. Jedoch bin ich ein Mensch mit großem Schlafbedürfnis. Jene geschmacklichen Sünden durften sich schon allein meiner Gesundheit zuliebe keinesfalls häufen. So riss ich mich gewaltig am Riemen ...
In einem Kaufhaus erstand ich einen Dosenöffner. Er hatte ein überaus elegantes Design und war königsblau:
„Prima, der passt genau zur Farbe der Küchengardine!"
Zufrieden registrierte ich zusätzlich dessen praktische Vorzüge:
´Sie schneiden sich nie mehr am Dosendeckel, denn da gibt es keine scharfen Kanten!`
„Oh!", entfuhr es mir und gleich noch einmal: „Ooh!“
Denn ich las etwas beinahe Unglaubliches:
´Nach dem Öffnen lässt sich der Deckel problemlos wieder auflegen!`
Kein Wunder, dass ich da zugegriffen hatte.
Daheim starrte ich das Wunderdingsbums verzückt an, studierte nochmals genießerisch dessen Beschreibung und starrte wieder. Flugs holte ich eine Dose und startete den ersten Versuch, legte den Öffner exakt nach Vorschrift an und schraubte und schraubte. Der Öffner ließ sich kinderleicht führen - zu kinderleicht. Es tat sich nämlich nichts. Er war anscheinend ein Deckelfreund und wollte denselben auf keinen Fall verletzen.
„Der hat seinen Beruf verfehlt!", dachte ich sauer und gedachte noch saurer dessen gepfefferten Preises.
„Mistding !"
Am nächsten Tag zog ich los und erstand seinen Nachfolger, halb so hübsch und wenigstens auch nur halb so teuer. Ich hastete gen Heimat, angelte mir wiederum eine Dose und hielt den Atem an.
„Boah!!"
Der Deckel war ab. Meinem blauen Liebling bedachte ich mit einem wehen Blick. Ihn zu entsorgen, fiel mir im Traum nicht ein, hätte ich auch gar nicht fertig gebracht. Dazu war er viel zu schick, passte ja so gut zur Gardine.
Heute morgen erinnerte sich der Papa meiner Kinder des Schmuckstückes. Auch ihm ließen offensichtlich die vergeblichen Versuche der ganzen Familie, dem Küchenutensil guten Dosenöffner-Benimm beizubringen, keine Ruhe.
Plötzlich ein markerschütternder Schrei durchs ganze Haus:
„Gaaaby!!"
Ich schrak zusammen.
„Himmel, was ist denn da passiert?"
Beunruhigt eilte ich nach unten in die Küche. Dort stand der männliche Teil des Familienvorstandes in kerzengerader Haltung vor der Arbeitsplatte, hielt in der Hand das königsblaue Grübelindiz und strahlte:
„Du, ich hab` ihn einfach nur angesetzt, zweimal und dann hatte ich den Deckel in der Hand! - Guck` mal, dieser tolle runde Rand. Und der Deckel verschließt die Dose einfach meisterhaft!"
„Wie hast du ihn denn drauf gesetzt?"
„Weiß ich nicht. Einfach irgendwie waagerecht und dann hat es plötzlich geklappt!"
Er drehte sich in Richtung der Diele und brüllte:
„Martiinaa, komm mal schnell!"
Meine gleich mir total erschrockene Tochter erschien besorgten Gesichtes in der Küche, durfte sich gleich mir die männliche Dosendeckelerfolgsgeschichte anhören, reagierte darauf aber im Gegensatz zu mir recht gelassen:
„Gut!"
„Siehste!", spielte ich grinsend meinen Triumph aus. „Und den hab` ich gekauft. So gut arbeitet mein(!) Dosenöffner!"
Sprach`s und legte ihn zu seinem nur-halb-Prestige-Kollegen in die Schublade unter der Kochplatte.
„Den Platz hat er sich redlich verdient!"