Den letzten Happen lass liegen ...
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tastifix
07.04.2024, 09:21
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tastifix
07.04.2024, 09:21
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Meine Mutter war vielseitig talentiert. Nicht allein, dass sie mir süße Kleidchen nähte, mit stilsicherem Geschmack einrichtete und dann dekorierte, ohne dass es je überladen gewirkt hätte, und zudem noch toll malen konnte, mein, obendrein kochte und buk sie noch ausgezeichnet.
Uns Kindern wurde eine sogenannte gute Kinderstube zuteil mit zig Benimmregeln, die uns selbstverständlich oft auf den Wecker fielen. Nur, dagegen aufzumucken trauten wir uns denn doch nur selten. So wurde auf Tischmanieren großen Wert gelegt.
An heißen Sommertagen gab es einen extrem leckeren Kartoffelsalat. Den verschlang ich bereits mit Blicken, bevor er überhaupt auf dem hübsch gedeckten Tisch stand. Seufz, denn das Vergnügen war getrübt wegen der strengen Tischsitten daheim. Klar durften wir nicht mit den Händen in der Schüssel graben, um uns möglichst viel von dem zu sichern, sondern hatten kerzengerade dort zu sitzen, als ob wir einen Stock verschluckt hätten, die Hände neben den Teller gelegt, die Serviette sorgsam ausgerichtet auf dem Schoß und schweigend darauf zu warten, bis der tolle Salat dann auf die Teller verteilt wurde. Dann durften wir sprechen, denn andernfalls hätten wir ja nicht ´Danke!` sagen können. Damit war das Redeverbot aufgehoben und, während wir sittsam mit Gabel und Messer hantierten, brachten wir alles vor, was uns so beschäftigte. Klar nur mit leerem Mund. Hätten wir etwa gar geschmatzt, wäre der Kartoffelsalat vom Tisch verschwunden. Darum passten wir auf, dass uns jener Fehler ja nicht unterlief. Wir futterten und futterten und mit jedem weiteren Bissen stieg mein Herzeleid. Denn mein Teller leerte sich rasant fix.
Traurig musterte ich den kümmerliche Rest, der mir nur noch als Vergnügen gegönnt sein würde. Doch ich sollte mich irren.
Meine Mutter ermahnte uns:
„Den letzten Bissen lasst liegen!“
Wie, ich sollte ich auf die Vollendung kulinarischer Glückseligkeit verzichten? Wieso denn das?? Ich sah meinem Bruder an, dass er genau dies auch dachte.
„Warum denn?“. wagten wir zu fragen.
„Es geziemt sich so!“, antwortete sie knapp.
Vieles von dem, was die Eltern uns an Erziehung vermittelten, konnte ich nachvollziehen und akzeptierte es. Aber jenes verstand ich einfach nicht. Und doch gehorchten wir. Wehen Blickes schaute ich dem überaus ersehnten letzten Bissen denn nach, als er im Mülleimer landete.
´Und das nur, weil es angeblich so üblich ist …?`
Später, als ich erwachsen war, sagte ich mir:
„Bemimmregeln sind wichtig! Aber diesen Quatsch werd` ich meinen Kindern nicht beibringen!“