Bananentherapie
Von
tastifix
Donnerstag 30.03.2023, 10:51 – geändert Samstag 01.04.2023, 08:31
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tastifix
Donnerstag 30.03.2023, 10:51 – geändert Samstag 01.04.2023, 08:31
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Die beiden Bananen in dem Obstkorb haben sich in den vergangenen paar Tagen fast hellbraun gelangweilt und sind schwer beleidigt. Weder Frau noch Herr Schmitz verspüren Heißhunger auf sie.
„Immer nur die blöden Äpfel!“, empört sich Banane Eins. „Weshalb haben sie uns dann bloß gekauft?“, meckert Banane Zwei.
„Reg Dich nicht auf. So sind die Menschen eben.“
Heute aber wird der Frust ein Ende finden.Während des Frühstücks unterhält sich das Ehepaar und die Bananen hören zu.
„Welche Therapie würdest Du für den Mann vorschlagen?“, fragt er.
„Es..Es gibt jetzt so eine neue Methode ...“, erwidert sie zögernd, „der Mann hat ja überhaupt kein Selbstbewusstsein und meint, alle Welt würde ihn ablehnen oder gar verspotten. In diesem Fall könnte ich sie eigentlich mal ausprobieren.“
„Und wie geht die?“
Seine Frau flüstert ihm etwas zu und sie lachen laut.
„Typisch Mensch! Jetzt haben wir gar nichts mitgekriegt!“, raunt Banane Zwei.
„Doch, ich schon. Sie hat auch uns erwähnt.“
„Uuns?? Was haben wir denn damit zu tun!?“
Sie grübeln, kommen aber zu keinem vernünftigen Ergebnis, was man ihnen nicht ankreiden darf, denn sie sind ja nur Bananen.
„Wir warten einfach ab!“, beschließen sie schließlich erstaunlich vernünftig.
Kurz darauf wird es spannend. Herr Schmitz holt sein Handwerkszeug und bastelt eifrig.
„Ja, so könnte es gehen ...“, murmelt er.
„Was soll denn das werden?“, rätselt Banane Eins.
„Keine Ahnung!“, kräuselt Banane Zwei die Schale.
Ihre Geduld wird noch auf eine harte Probe gestellt. Eine Stunde später erst lüftet sich das Geheimnis.
„Er wird uns doch nicht ... an der Leine ... übers Pflaster ... “ - „Wie bitte!!??“
Die Bananen sind entsetzt.
„Wehe, wenn! Dann werden wir sofort den Bananenschutzbund darüber informieren!“
„W..Wie sollen wir das denn anstellen?“, gibt Banane Eins zu bedenken.
Dies ist leider auch Banane Zwei ein Rätsel.
Am nächsten Morgen stehen dort schmale Bretter mit Rollen im Raum, die Skateboards ähneln.
„Wir sind zu etwas Höherem bestimmt als gegessen zu werden!“, sagen sich die beiden Bananen stolz.
Herr Schmitz greift sie sich, umwickelt jede mit Paketband, legt sie auf die Holzbretter und schnallt sie mit einem Lederstreifen fest.
„Wenigstens sorgen sie für unsere Sicherheit!“, beruhigen sich jene.
Wenige Minuten später tragen Frau und Herr Schmitz die Bananenbretter nach draußen. Dort wartet schon ein Fremder auf sie.
„So, Herr Klein: Sie gehen jetzt bitte mit den Bananen an der Leine an der Straße entlang spazieren! Stellen Sie sich am besten vor, sie seien Hunde. Ich folge Ihnen in einigem Abstand. Nur keine Angst!“
Blass geworden, greift sich der Fremde schüchtern die Leine.
„Und Sie lassen mich auch wirklich nicht allein?“
Frau Schmitz schüttelt den Kopf.
„Sollte jemand lachen, lachen Sie nett zurück!“
Herr Klein stürzt sich also mit den Bananen an der Leine ins Gewühl. Die Bretter rumpeln über das holperige Kopfsteinpflaster, hüpfen bei jedem seiner Schritte in die Luft und ihre Bananenpassagiere werden tüchtig durchgerüttelt.
„O je! Ich bin gleich bestimmt zermatscht!“
„Ich auch!“
„Lass uns besser daran denken, welch wichtige Aufgabe wir erfüllen!“, versuchen sie sich gegenseitig Mut zuzusprechen und halten sicherheitshalber ihre Schale eisern fest.
Nach den ersten paar Minuten ist Herr Klein überhaupt nicht mehr blass, sondern puterrot vor Scham.
„Sie werden mich auslachen - oder gar sofort ins Irrenhaus bringen!“
Aber er täuscht sich gewaltig Niemand macht Anstalten, ihn zu verspotten oder gar abzuführen. Dagegen beachten viele den Bananenwagen gar nicht und diejenigen, die ihn bemerken, lachen Herrn Klein nicht etwa aus, sondern an.
„Die zeigen mir ja gar keinen Vogel!“
Allmählich verliert er seine Unsicherheit und geht ständig selbstbewusster einher. Fröhlich beendet er den Mini-Ausflug, hat einen Heißhunger wie schon lange nicht mehr und verspeist mit Wonne die Bananen.
„Sie brauchen es mir gar nicht erst zu sagen“, meint Frau Schmitz zu ihm. „Man sieht es Ihnen an. Sie haben Ihre Hemmungen überwunden!!“
Ja, die Therapie ist ein toller Erfolg gewesen.