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Augen ohne Gesicht

Von tastifix 27.10.2019, 14:57

Der Mensch hat vielfältige Möglichkeiten, seinen Stimmungen Ausdruck zu verleihen. Die Körpersprache hat er mit den anderen Säugetieren gemein. Genau wie sie zeigt er mit seiner Haltung Misstrauen, Angst, Aggressivität, aber gleichfalls Ausgeglichenheit und Freude bis hin zum Glücklichsein.

Jedoch sind unsere mimischen Fähigkeiten weitaus spezialisierter als die aller anderen Lebewesen. Setzen wir uns im persönlichen Kontakt mit einem Mitmenschen auseinander, forschen wir in dessen Gesicht nach jeder noch so kleinen Regung und versuchen seine Mimik, die auch eine Maske sein kann, zu ergründen.

Wir schauen ihm kritisch ins Gesicht, runzeln die Stirn - es spricht für Nachdenklichkeit oder Ärger. Wir pressen die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und unsere Mimik scheint zu erstarren - wir sind beleidigt, empört oder gar wütend. Bei Zufriedenheit sehen wir den Anderen ruhig an, bei Freude ziehen wir bei geöffneten Mund die Mundwinkel bis zu den Ohren und um die Augen zeigen sich Lachfalten.

Ja, unsere Augen ...
Die Augen sind der Spiegel der Seele. Ich frage mich, was macht den Augenausdruck aus, was den traurigen, empörten, wütenden, aber auch den freundlichen, fröhlichen, freudigen und strahlenden?
Können die Augen für sich allein diese Stimmungen mitteilen oder ist dies ihnen nur im Zusammenspiel mit Körpersprache und Mimik möglich? Angenommen, wir würden einem Gesicht seine Haut und damit auch seine Falten nehmen. Es würden keine Augenbrauen und auch keine Stirnfalten mehr da sein, die hochgezogen oder gekraust werden könnten. Selbstverständlich hätte der Mensch keine Möglichkeit mehr, die Stirn in Falten zu legen. Gleichfalls fehlten die Lider mit den Wimpern sowie damit auch der vielsagende Augenaufschlag und erst recht die Lachfalten, die jedes Gesicht so anziehend machen.

Ich spinne den Faden weiter:
Auf einer weißen Fläche liegen zwei Augen. Es klingt verrückt, aber gehen wir trotzdem mal davon aus, dass sie lebendig sind. Fasziniert blicken wir in diese Augen. Sind sie, ihres Gesichtes beraubt, noch imstande, uns etwas mitzuteilen?? Sie sind groß und schön, diese Augen mit den dunklen Pupillen und dem klaren Weiß. Sie können sich zu den Seiten und sowohl nach oben als auch nach unten bewegen, ihre Pupillen sich bis weiten oder verengen. Die Augen glänzen. Wir versuchen in diesem Glanz zu lesen, doch vergeblich, denn sie sind nicht allein wegen der fehlenden Mimik und Körpersprache ihres Ausdrucks beraubt, sondern es fehlt zusätzlich das Allerwichtigste: Die Seele, die Mutter aller Gefühle, die diese Augen lächeln, zwinkern, lachen, blitzen oder auch traurig, beleidigt oder wütend blicken lassen können würde.



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