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Auch Autos erleiden manchmal einen Schock

Von tastifix Samstag 23.05.2020, 12:34 – geändert Freitag 29.05.2020, 06:32

Ausgerechnet in der Nacht vor den Osterfeiertagen passierte es und es war besonders schrecklich für mich, weil ich ein sehr eitler Autojunge bin. Sind die Fenster vernebelt oder zeigt mein Blechkleid gar einen winzigen Kratzer, bin ich fast reif für die Couch beim Psychiater. Eine furchtbare Vorstellung, weil der dann in meiner technischen Kindheit herum kramen würde. Nach all den stressigen Fahrten vor den Festtagen war ich groggy und heilfroh, als ich endlich wieder in der Garage stand. Nach nur wenigen Minuten schlief ich fest ein …

In meinem Kofferraum lagen Rieseneinkaufstüten. Leider waren sie fest zugeknotet. So eine Gemeinheit! Ich hoffte doch so sehr auf neue Reifen.
´Ob die denn da überhaupt rein passen würden?`
Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. So krümmte ich mich hoffnungsvoll um die eigene Achse nach hinten. Vergebens.
´Nichts zu wollen!`, seufzte ich geknickt.

Da ratschte es so eigenartig. Beunruhigt kräuselte ich die Stoßstange. Das Ratschen wurde stärker:
„Bin ich etwa vor Lamettachen geknallt?“
Lamettachen ist ein Fahrrad und gehört Martinas Mutter. Erleichtert stellte ich fest, dass es blitzend vor Gesundheit in seiner Ecke stand. Der Krach aber hörte nicht auf. Es kratzte und ratschte vorne, oben als auch unten, es ratschte seitlich geradezu fürchterlich und es dauerte noch eine ganze Zeitlang an. Dann herrschte plötzlich wieder Ruhe. Es war unheimlich und ich fühlte mich auf einmal entsetzlich schwach. Ängstlich überprüfte ich mein Outfit. Nein!! Meine Blechhaut hatte -zig feine und gröbere, ganz eigenartig geformte Risse und Einkerbungen und die überall.
„Ich bin ja reif für den Schrottplatz!“

Aber wenigstens in dem Punkt irrte ich mich. Im nächsten Moment wurde mir nämlich so leicht zumute, Ich verlor den Boden unter den Rädern und drehte schwebend ein paar Runden durch die Garage.
„Wenn ich mich doch bloß an den Sprudelkasten dort vorne klammern könnte!!“
Schneller und schneller sauste ich schaukelnd herum.
„Ich werd` flugkrank!“, stöhnte ich. „Nicht, dass ich gleich noch Benzin breche!“
Ich malte mir lieber nicht aus, was Frauchen Martina dann dazu sagen würde.

Ohne mich dagegen wehren zu können, wurde ich heftig hin und her geschleudert. Unerwartet nahm ich dabei Kurs auf die Wand.
„Mit Navi würde mir das jetzt nicht passieren!“
Mein unweigerliches Ende erwartend, dachte ich noch fix an meine große Liebe Bienchen, das süße gelbe Smart-Mädchen.
„Lieber Gott, bitte lass` mich sie im Himmel wiedersehen!“

Mit zugekniffenen Scheinwerfern und wild klopfendem Motorenherzen ergab ich mich in mein ungewisses Schicksal. Doch der erwartete Knall blieb aus, das Garagenkarussell stoppte. Ein leises Knistern durchschnitt die Stille. Im nächsten Moment pappte ich ungefähr zwei Meter hoch über dem Boden an der Wand fest und konnte mich nicht mehr rühren. Geschockt schielte ich an mir herunter. Was ich entdeckte, ließ mir Schweißwasser aus den Scheinwerferdrüsen treten. Aus mindestens dreitausend Teilen zusammengesetzt, hing ich dort als ein Autopuzzle in Knallorange.

Vor lauter Schrecken erwachte ich und warf sofort einen furchtsamen Blick auf die Garagenwand. Sie war leer und weiß wie eh und je. Mir fiel ein Stein vom Herzen:
´Brummel, bloß nicht nochmal solch einen Traum!`

Allen vierräderigen Freunden hupe ich ein liebes Tuut zu. Fahrt weiterhin ohne Schrammen und Beulen durch die Welt und lasst Euch nach Motorenlust von Euren Besitzern mit Luxusbenzin-Menüs verwöhnen!

Übrigens: In den Tüten waren Geschenke für Martinas Freundinnen und meine neuen Reifen bekam ich dann wenige Wochen später auch.

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