Alles mal zwei!
Von
tastifix
Samstag 15.08.2020, 13:47
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tastifix
Samstag 15.08.2020, 13:47
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Ich bekam Zwillinge und war glücklich. Allerdings lag das doppelte Glück, nur zwei und das andere nur drei Pfund schwer, dann für lange Zeit im Brutkasten.
In den ersten Tagen nach jenem dritten Kaiserschnitt fühlte ich mich sehr schlapp, lag fest im Bett und hatte Wundschmerzen. Doch Ruhe war mir nicht vergönnt, nicht mal auf dieser Privatstation. Es lag weder an dem üblichen Ablauf des Krankenhaustages, noch an den Visiten des ausgesprochen netten Chefarztes samt dem mindestens genauso netten fünf Sechstel des Personals, sondern ausschließlich an dem restlichen Sechstel, einer leider total unsensiblen Krankenschwester.
Ich hatte ja Zeit und dachte über viel nach. Nach nur einem halben Tag des Aufenthaltes in dem gemütlichen Patientenzimmer mit dem traumhaften Ausblick ins Grüne gab es aber darüber hinaus noch etwas, worüber ich stundenlang intensiv nachgrübelte.
´Warum nennt man die eigentlich so … ? - Achjaah: Sie fällt den Patienten nach Kräften auf den Wecker und macht sie krank!`
Besonders glücklich war ich mit diese Erklärung jedoch nicht.
Madame, ich nenne sie Herta, beehrte mich alle paar Stunden mit ihrem Besuch und setzte sich fürsorglich-ermahnenden Blickes zu mir ans Bett:
"Sie müssen es einfach schaffen. Es ist soo wichtig ... "
Diesen Hinweis verkraftete ich ja noch, aber sie setzte noch eins drauf: "Sonst sind Sie eine schlechte Mutter!"
Erhob sich und rauschte sichtlich schwer beleidigt ob meines offensichtlichen Unverständnisses aus dem Raum.
"Die hat ´nen Knall!", empörte sich meine nette Zimmergenossin.
"Sogar ´nen doppelten!"
Mein Galgenhumor hatte mich für dieses Mal gerettet.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr erschien Herta, brummte einen nur äußerst knappen Guten-Morgen-Wunsch und preschte energisch in meine Richtung.
„Uund … !!??"
Der Tonfall sprach Bände und ich fühlte mich auf einen Exerzierplatz versetzt.
„Es klappt ei..einfach nicht," stotterte ich und mein schlechtes Gewissen hämmerte gegen die Stirn.
„So geht das nicht. Soo nicht! Sie machen da etwas falsch. Drücken Sie gefälligst kräftig, dann klappt es auch!!"
Fassungslos starrte ich sie an und brachte noch nicht mal mehr ein Röcheln zustande. Sie dagegen tönte lautstark:
"Die jungen Mütter von heute! Zu nichts mehr fähig!"
Und knallte die Tür zu von außen zu.
Wie von einer Tarantel gestochen, schossen meine Mitpatientin und ich mit puterroten Gesichtern in unseren Betten in die Kerzengerade. Wir ähnelten gefährlich überreifen Tomaten.
„Die ist ein Drachen!!"
„Solch eine Unverschämtheit. Gründlicher, als Sie es versucht haben, geht es ja wohl gar nicht!"
Wir machten uns so richtig Luft.
„Die hat bestimmt keinen Mann abgekriegt und lässt ihre Wut darüber jetzt an uns aus!!"
„Lassen Sie sich das nicht gefallen. Wir sagen jetzt dem Chefarzt Bescheid!"
Wenige Minuten später stand der Junge-Mütter-Pflegevater im Zimmer und forschte nach dem Grund unserer Entrüstung.
„Sie ist dermaßen frech geworden, hat mich bedrängt und beleidigt!"
„Dem werde ich selbstverständlich nachgehen. - Nun zeigen Sie doch mal! Ist es denn wirklich so wenig?"
Ich hielt ihm die zwei Flaschen hin.
„Damit können Sie wirklich keine zwei Kinder ernähren!", brauste er auf.
In jeder der Flaschen befand sich ein vereinsamter Viertelmilliliter Milch.
„Keine Sorge! Ihren Kleinen geben wir Babymilch. Schwester Herta aber werde ich mir vorknöpfen!!!"
Schwester Herta habe ich dort nie wieder gesehen.