Aiso-immer-solo - Wieso-meist-einsam
Von
tastifix
Mittwoch 20.07.2022, 08:39 – geändert Mittwoch 20.07.2022, 12:51
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tastifix
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Also-immer-solo hielt sich für unentbehrlich. Seine Karrieretips waren äußerst gefragt und brachten vielfachen Erfolg ein. Doch galten die Vielen, die sie nutzten, als dann extrem egoistisch. Ihnen doch egal!
Selbstherrlich nannte sich Also-immer-solo immens klug und ein Kaiser der Manipulation. Jedoch büßte er für seine Haltung bitter. Er war solo.
Die Ferienzeit verspricht Abstand von beruflichen Pflichten. Aber ihm wurde sie nicht zugestanden. Doch blieb er stur:
„Ich mach eben einen Ausflug zum Fluß. Die Stille dort ist dann mein Urlaub!“
Zunächst jedoch klingelten ihm in der City wegen des Trubels die Ohren.
„Einfach überhören. Ich will ja ausspannen!“
Doch daraus wurde nichts. In einer Seitenstraße zankten sich mitten auf der Fahrbahn zwei 6-jährige Jungen wie die Rohrspatzen. Also-immer-solo musste ungehörige Wort- und Satzfetzen ertragen, die sich erbarmungslos in seinen Verstand eingruben.
„Du bist dämlicher als die Polizei erlaubt. Ich bin viel schlauer als Du Dämlack!“
Das Gegenüber konterte mit weit heftigeren Ausdrücken:
„Aarschloch! Halt` bloß die Klappe, sonst verwemse ich Dich. Bin viel stärker als Du kleiner Pimpf!“
Und spuckte ihm vor die Füße. Spucken zeigt ja angeblich Stärke.
„Mist! Hätte Dich zu gern getroffen!“, höhnte es.
„Das sag ich meinem Papa. Der verhaut Dich, dass Du grün und blau nach Hause kommst!“, schniefte Junge Eins und flitzte fix davon, bestimmt, um sich bei jenem auszuheulen.
Also-immer-solo war schockiert. Wurden seine Tipps so genutzt, bereits von Kindern?? ´Urlaub` war vergessen, er grübelte er wieder.
„Was machen dann bloß erst die Erwachsenen?“
Noch nie in seinem Jahrhunderte alten Leben hatte er darüber nachgedacht, war eher fast vor Stolz geplatzt, zu welchen Triumphen er so Vielen verholfen hatte. Über die Restlichen hatte er verächtlich die Nase gerümpft.
„Ob ich allmählich alt werde??“
Dies Erlebnis mit den beiden Jungen machte ihm arg zu schaffen. Nein, auch er würde Ferien haben! Entschlossen wanderte er weiter den langen Weg zum Fluss. Am Stadtrand angekommen, lobte er sich:
´Nur knapp ´ne halbe Stunde gebraucht! Soll mir erst mal jemand nachmachen!"
Aber selbst hier durfte er nicht abschalten. Autofahrer wollten mit ihren Fahrkünsten angeben, Motorräder bemühten sich, ihr Prestige gegen sie möglichst erfolgreich aufzuwerten. Dazu dann passendes Motorengeknatter! Und die Straßenbahnen bimmelten sich zudem noch die schrille Klingel fast aus der Halterung, als müssten sie dem Straßenlärm noch das berühmte I-Tüpfelchen aufsetzen.
Und selbst hier eilten und rannten Menschen, ab und an dann gar ohne Links- und Rechtsschauen auf die Fahrbahn. Die Autofahrer, im Radio den neuesten Fußballergebnissen lauschend, fühlten sich gestört. Denn gerade hatte Schalke 04 gewonnen. Wütend stieg ein Fußballfan aus und schnappte den Fussgänger am Kragen:
„Du Vollidiot! Da haste die Schule geschwänzt, als ´Verkehrsregeln` dran waren, Du Hohlkopp!“
Der, obwohl ziemlich erschrocken, blieb ihm nichts schuldig:
„Haben Sie eigentlich ´ne Meise? Du gewalttätiger Kerl! Ich zeig` Dich an, Du Prolet!“
Vor Wut war er beim ´Du` gelandet! Doch dies machte es auch nicht besser.
Inzwischen staute sich hinter dem Wagen der Verkehr, es wurde empört gehupt. Immer mehr Menschen beobachteten die Szene und schimpften herum, manche gar, ohne zu wissen, worum es ging.
„Bloß ducken und weg hier!“, nutzte er die Lücke zwischen zwei sich erbost anfeindenden Fußballfans (sie schwärmten wohl für verschiedene Vereine!) und floh durch die aufgebrachte Menschenmenge davon.
´Und an all dem trage ich Mitschuld?`
Sein Gewissen meldete sich:
„Das ist Dein Werk! So gedankenlos hast Du all die Zeit agiert!“
„Nein!“, antwortete er betroffen. „Das will ich nicht länger. Ich werde mich ändern!“
Was er nicht ahnte: In seiner Stadt wohnte noch eine andere bedeutende Persönlichkeit, aber weniger snobistisch und nicht ganz so rabiat. Doch ebenfalls selbstbewusst und ehrgeizig. Gleich ihm beriet sie Andere und hatte ebenfalls viele Fans. Jedoch war ihre Taktik ein Quäntchen vornehmer. Ihr Name: Wieso-meist-einsam.
Nun, nach mehreren Jahrhunderten, schwanden auch dessen Kräfte, auch ihm hatte der Arbeitsvertrag jegliche Ferien untersagt und genauso empfand er es als unerhört ungerecht. Aber, ähnlich gescheit wie Aber-leider-solo, wusste Wieso-meist-einsam Rat. Wie der ihm gänzlich unbekannte Kollege bestand er stur auf Urlaub.
Zufällig wählte er eben jenes Ziel, freute sich auf die Ruhe in den Vororten und die Stille am Fluss. Doch auch er musste ´Urlaub` leider vorübergehend vergessen. Gerade wollte er wegen der vermeintlichen Stille erleichtert aufatmen, als sich vor ihm zwei kleine Mädchen in den Haaren lagen. Sie standen, was den Sprache anging, den Jungen kaum nach.
„Gib mir sofort meine Puppe wieder!“, heulte das eine. „Was fällt Dir ein, meine Lizzie an den Haaren zu ziehen, Du Hexe!?“
Aber auch sein Gegenüber verstand zu meckern:
„Mensch, ist doch bloß ´ne Puppe. Wie doof Du bist!“, grinste es hämisch. „Lauf doch jetzt zu Mami, Du Baby, bähh-bääh!“
Die Puppenmama riss ihr Kind heftig an sich und stürzte von dannen, bestimmt, um sich bei ihrer Mutter Trost zu holen.
Wieso-meist-einsam hatte traurig zugehört.
„Soo werden meine Tips genutzt?“
Schnell wanderte er weiter.
´Bestimmt wirds gleich ruhiger!`
Irren ist menschlich. An der nächsten Kreuzung quälte ihn dröhnender Lärm. Menschen hetzten hin undn her und eilten zu Terminen. Motorräder heulten auf, Autos hupten oder stoppten mir quietschenden Bremsen und Straßenbahnen bimmelten wie verrückt. Auf der anderen Straßenseite waren zwei junge Frauen mit den Fahrrädern zusammengestoßen:
„Aufpassen geht wohl nicht, wie? Doofe Kuh!“, höhnte Frau Eins, wollte wieder aufsteigen und weiterfahren.
Doch die ´doofe Kuh` stellte sich ihr quer in den Weg:
„Du hast sie wohl nicht mehr alle, wie? Haste mal was von Vorfahrt gehört, Du Schlampe?“
Aber die Erste ignorierte es.
„Zieh Leine, Du bescheuertes Stück!“
So, das hatte gesessen! Frau Eins erbleichte, kletterte trotz wackelnder Beine aufs Vehikel und düste fix von dannen.
Wieso-meist-einsam war entsetzt.
´Dazu haben meine Ratschläge beigetragen?`
Auch sein Gewissen meldete sich:
„Das ist der Erfolg Deines Jahrhunderte währenden Treibens. Es geht auf Dein Konto!“
„Nein, oh nein!“, stammelte er. „Das wollte ich nicht. Das werde ich ändern!“
Ausgesprochen zerknirscht marschierte er weiter und hoffte auf einen erholsamen Spaziergang entlang des Wassers. Es wäre sein Urlaub.
Ohne voneinander zu ahnen, wanderten diese zwei augenscheinlich unentbehrlichen Persönlichkeiten in die selbe Richtung, beide in trübe Überlegungen versunken. Also-leider-solo überhaupt nicht mehr überheblich, sondern ausgesprochen geknickt. Wieso-meist-einsam nicht mehr selbstbewusst, sondern verschämt. Am Flussufer verharrten sie, zufällig nebeneinander stehend, schauten erst aufs sprudelnde Wasser und musterten sich dann. Also-leider-solo dachte:
´Der wirkt auch nicht fröhlicher als ich!`
Mit einem ebenso forschenden Blick zum Gegenüber erkannte Wieso-meist-einsam:
´Der ist genauso traurig wie ich!`
Sie stutzten, lächelten einander an, begannen zögerlich ein Gespräch und vertrauten sich schon bald ihre Gedanken an. Das ´Als` und das ´Wie` wurden Freunde.
Beide waren bereit, sich mehr auf Andere einzulassen!