Das Unbeweisbare beweisen?
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 09.09.2026, 17:47
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Der Wind, den niemand greifen kann,
zieht unsichtbar durchs weite Land.
Es glaubt an ihn ein jeder Mann,
weil er das Laub bewegt mit Hand.
Doch wie beweist man eine Pflicht,
die nur im tiefsten Innern brennt?
Ein helles, namenloses Licht,
das keine äußere Waage kennt?
Du hältst die Wahrheit in der Hand,
sie ist dir nah, sie ist dir treu.
Doch baust du ihr ein Argument,
zerfällt das Schloss aus Sand aufs Neu.
Was unbeweisbar in uns ruht,
lässt sich nicht zwingen in ein Wort.
Kein Maß, kein Siegel, keine Flut
trägt diesen stummen Zeugen fort.
Denn bittest du die Welt zu sehn,
was nur dem Herzen offenbar,
wird sie davor wie blind vergehn
und niemals nennen: „Es ist wahr.“
So bleibt das Höchste oft allein,
ein Schatz, den kein Verstand erfasst.
Es will gefühlt, nicht messbar sein,
befreit von aller Beweises Last.
Ein Hauch von Schatten an der Wand,
Ein Ahnen, das im Herzen brennt,
Ein fernes, unentdecktes Land,
Das kein Gesetz beim Namen nennt.
Du trägst es stolz im Geiste her,
Es schimmert hell in deinem Sinn,
Doch wiegt das Wort im Wind nicht schwer,
Und flüchtig schwindet der Gewinn.
Denn greifst du nach dem Fundament,
Um aufzubauen deine Welt,
Fehlt, was der Geist als Wahrheit kennt,
Woran sich jeder Zweifel hält.
Du webst aus Logik ein Gewand,
Aus feiner Seide, klug gedacht,
Doch bleibt es loses Wüstensand,
Das keine Festung dauernd macht.
Wie gern riefst du: „Seht her, es steht!“,
Der Welt ein klares Zeichen geben,
Doch wo kein Wind den Schleier weht,
Kann kein Beweis im Lichte leben.
Was unbeweisbar schläft im Raum,
Bleibt eine Sehnsucht, zart und rein.
Du nennst es Wahrheit, doch der Traum
Wird ohne Siegel niemals sein.