ÜBERN FJORD ÜBERN DAMM / Teil 1
Von
egalis
Mittwoch 16.07.2025, 15:49
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
egalis
Mittwoch 16.07.2025, 15:49
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Liebe Helga
Kurz vor dem Schlafengehen beginne ich den Brief an Dich,
am Sonntag, 30. Juli 2000 um 21:50 Uhr
Eine Woche habe ich schon um auf Fosslandsosen und es kommt mir vor, als sei doppelt so viel Zeit vergangen. Die Idee, auf die Anzeige einzugehen, war goldrichtig.
Unsere Mini-Insel ist ein Krümel an der großen Insel Otteröy im Namsenfjord, oberhalb Trondheim. Die nächste größere Stadt ist Namsos – 12.000 Einwohner – und 25 km entfernt. Dort spiegeln sich rote, gelbe, grüne Holzhäuser im Wasser. Postkartengerecht!
Unser Inselchen – 3 ha – ist mit Fosslandsosen/Otteröy durch einen Damm verbunden. Der ist so breit, dass, wenn ein Auto kommt oder gar ein Bus, der Angler bringt oder abholt, also, dass ein Fußgänger rechts oder links ins Watt hüpfen muss. Auf der Insel stehen zwei bewohnte Häuser und ein unbewohnbares. Im letzteren lebte ein alter Mann mit Dutzenden von Katzen, die er mit Fisch fütterte. Der Gestank sitzt im Holz. Das Haus kann nur noch abgebrannt werden, meinte mein Chef. Es ist ein hübsches Haus, royalblau gestrichen, mit weißen Fensterrahmen. Erhöhte Lage mit Blick auf Fjord und Berge. Könnte mir gefallen.
Nein!!! – Gefällt mir!!!
Montag, 31. Juli 2000 19:55 Uhr
Feierabend seit 19:15 Uhr. Morgen ist wieder ein freier Tag.
Ab 10 Uhr machen wir eine Tagestour zu irgendwelchen Wasserfällen.
Aber lass mich Dir von Anfang an berichten. Du bist ja „schuld“ an meinem Glück, hier sein zu können! Die ganze Verhandlung erfolgte telefonisch unter der von Dir aus der Zeitung gefischten Telefonnummer.
Ein Herr Vogell erzählte mir in groben Zügen, was alles auf mich zukäme. Es hörte sich etwas abenteuerlich an. Ich habe nur wenige Minuten überlegt, ziemlich sofort zurückgerufen und zugesagt.
Am selben Abend rief mich eine Malfreundin aus Rosenheim an. Wir haben uns an der Europäischen Kunstakademie in Trier kennen- und mögen gelernt. Als ich ihr die Neuigkeit berichtete, meinte sie sogleich, ob sie nicht mitkommen könne.
Also nach Minden gefaxt. Auch sie kommt her. Allerdings, wenn ich weg bin. Vielleicht sehen wir uns in Trondheim auf dem Flughafen. Nächstes Jahr könnten wir denn ja zusammen hier arbeiten, meinte Mr. Vogell. Na ja. Das warten wir denn doch erst mal ab.
Ich bin also am 22. Juli nach Essen gefahren. Schwester und Schwager brachten mich tags drauf zum Flughafen nach Dortmund. Dort stand schon eine lange Kofferwagenschlange in Richtung Schalter, und in Grüppchen standen mehr oder weniger grün gekleidete Menschen, meist männlicher Natur, herum. Ein paar Frauen waren auch dabei.
Meine Boardingcard trug die Nummer Eins. Wie kann es anders sein? Die 90er Maschine war nur zur Hälfte besetzt. Das macht der Organisator immer so, weil auf dem Rückflug Platz für die Fischkisten gebraucht wird.
Wegen Nebels verzögerte sich der Abflug etwas. Je nördlicher wir dann kamen, umso besser wurde die Sicht. Gegen 14 Uhr rollten wir zum Terminal in Trondheim, wo uns ein Bus und der Initiator des Ganzen erwartete. Er stellte mich gleich meinen mitgeflogenen Mitarbeitern vor: Soffi ist die Küchenchefin, eine ältere, sehr schlanke Frau und wie der Chef aus Minden, sowie Wiltrud und Ralf, Schwaben, die das Hausmeisterpaar bilden. Wiltrud und ich sind im täglichen Wechsel im Service. Ist die eine dran, hat die andere frei. Wir kommen alle gut miteinander klar.
Die Fahrt vom Flughafen bis zur Insel dauerte drei Stunden. Von Namsos geht es über eine riesige und schöne Brücke auf die große Insel Otteröy.
An dieser Insel ist Fosslandsosen ein Anhängsel und von der Insel kommt man über einen Damm auf die Mini-Insel, wo sich die Anglerpension befindet.