TRÄUME - SIND SCHÄUME?
Von
egalis
Dienstag 23.05.2023, 09:28
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egalis
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Teil 2
Ein leichtes Kribbeln im Nacken stellte sich zugleich mit der Erkenntnis ein: Das kennst du doch?!? Ich erinnerte mich bruchstückweise und war gespannt, ob die Träume Schäume blieben. Nun – erstmal kam nichts. Und dann...:
Der junge Mann hielt mir zwar nicht die Augen zu, aber er ließ mich sein Gesicht erkennen. Wir haben sehr schöne Ferien miteinander verlebt. Jürgen zeigte mir die Gegend, und das Denkmal mit der niedrigen Hecke fand ich auch. Es ist das Kriegerdenkmal und liegt etwas abseits von der Straße.
Mit diesem Heidesommer ging auch die Begegnung mit Jürgen vorbei.
Träume stehlen sich in unseren Schlaf. Manche behalten wir und denken über deren Sinn oder Unsinn nach. Einige versinken im Unterbewusstsein und andere kommen durch irgendeine Begebenheit wieder in den Vordergrund.
Ich bin davon überzeugt, dass es eine Art Gedankenübertragung gibt. Wie oft habe ich intensiv an jemanden gedacht und wenige Tage später kam ein Brief dieser Person. Oder umgekehrt. Sogar per Telefon funktioniert das.
Da saß ich eines Abends allein zu Hause und war mit mir selber unzufrieden. ‚Warum klingelt denn nicht mal eben das Telefon?‘, dachte ich. Zwei Anrufe kamen, aber beide für meinen Mann, der nicht anwesend war. Der dritte Anruf war für mich:
„Kommst du rüber auf ein Glas Wein?“ Das war es. Das heißt, war das Gedankenübertragung? Wo ordnet man denn ein, wenn zwei Menschen, die weit entfernt voneinander sind, fast Gleiches erleben oder träumen?
Wir hatten Besuch von einem lieben Freund. Wir haben, wie man so sagt, einen guten Draht zueinander. Eines Tages fuhren er und ich durch Ostfriesland und wir hatten uns viel zu erzählen. Während der Fahrt, die Küstenstraße entlang, fragte er mich unvermittelt, ob er mir schon seinen seltsamsten Traum erzählt habe. Da er mir noch nie von seinen nächtlichen Bildern berichtet hatte, verneinte ich. Unser Freund sprach von einer ihm vollkommen unbekannten Landschaft, die er im Traum durchwanderte, nachdem er eine Strecke getrampt war, bevor er an ein Haus kam, das auf ihn zu warten schien.
Schon bei der ersten Beschreibung des Weges und dann des Hauses, wurde mir die Luft knapp. Es lief mir kalt über den Rücken. Die Kopfhaut zog sich zusammen und meine Handflächen wurden feucht. Ich wollte sagen: Mensch, hör auf, ich kann nicht mehr. Halt an! oder sonst was, aber ich bekam keinen Ton heraus. Als er geendet hatte, zog ich scharf die Luft ein. „Sag mal“, fragte ich ihn, nachdem ich mich etwas gefasst hatte, „das Haus, das du da gesehen hast, lag das in einer hügeligen Landschaft, auf einer Anhöhe, von Wiesen und Wäldern umgeben?“ Er machte große Augen und sah mich fragend von der Seite an. „Dann kenne ich das Haus“.
Ich erzählte ihm, dass ich, vor ich weiß nicht wie langer Zeit, von dieser Landschaft und einem ebensolchen Haus geträumt hatte. Mir war der Traum entfallen. Ich fand damals nichts Besonderes an ihm. Während seiner Erzählung kam mir wieder eines nach dem anderen in den Sinn. Wir stellten Vergleiche an und zeichneten unabhängig voneinander und ohne abgucken zu können, das Haus. Es war fast übereinstimmend: Die Bauweise, die Landschaft, der Weg über die Hügel, der am Waldrand entlang zum Haus führte. Bei dem Haus meines Freundes setzte der Verfall ein. Gardinen wehten zerrissen aus den Fenstern und die Läden hingen schief in den Angeln, das Dach war nicht mehr intakt. Aber unter Bäumen war der Tisch gedeckt.
Bei mir zeigte das Haus keine Zerstörung. Im Hintergrund war ein Mann, mit Holzhacken beschäftigt. Ich hatte eine weiße Schürze um und hielt Ausschau über die Hügel, als wartete ich auf den Wanderer, der weit entfernt den Waldweg entlangging. Das Gesicht konnte ich nicht erkennen.
Nun sträubten sich unserem Freund die Nackenhaare. Wir suchten nach einer Bedeutung. Wurde uns etwas offenbart, das wir zu deuten nicht imstande sind? War das eine unbekannte Erinnerung aus nicht diesem Leben?
Sind Träume – Schäume?
Bin ich doch – abergläubisch?
©elbondo