Die Rose des Höllenreiters 8. Teil
Von
comanchemoon
Montag 06.11.2023, 14:09
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comanchemoon
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„Ich habe eigentlich genügend seltsame Erlebnisse in letzter Zeit gehabt!“ sagte Katharina zu sich selber. Sie sprach laut, um sich zu beruhigen. „Es reicht, es reicht wirklich! Viel mehr ertrage ich nicht, ohne verrückt zu werden.“ Sie schloss mit einem Kichern und drückte dabei mit einer Hand ihren Talisman, die Rubinrose. Plötzlich leuchtete vor ihr ein roter Punkt in der Dunkelheit, der schnell größer und größer wurde. Schließlich verformte er sich zu einem riesigen Oval, dessen intensives Rot nach und nach verblasste, sich in Schlieren auflöste und dann die Umrisse einer weiblichen Gestalt freigab. Katharina kicherte immer noch irre. „Ich träume, werde morgen früh aufwachen und der modernen Tiefenpsychologie die Analyse überlassen!“
Eine Frau befreite sich aus dem Rest der roten Schleier. „Ich bin Buhduh!“ hauchte sie mit samtweicher Stimme, die Katharina bekannt vorkam.
„Die Museumsführerin!“ platzte sie heraus. „Ein Beweis mehr, dass ich träume.
Buhduh legte ihr die Hand auf die Schulter und Katharina vermeinte, das bekannte orientalische Parfüm zu riechen.
„Ich wusste nicht, dass man im Traum Gerüche wahrnehmen kann!“
„Oh, Katharina, du träumst nicht!“
„Ich…ich heiße jetzt Elisabeth!“ antwortete diese steif.
„Setz dich. Ich werde dir erklären, was passiert ist und wie du wieder zurückkommst. Das möchtest du doch?“
„Nichts lieber als das!“
„Dann hör mir zu! Der, den ihr Höllenreiter nennt, ist verdammt, zwischen den Zeiten hin und her zu wandern. Tagsüber lebt er in deiner Zeit, des Nachts spukt er als Höllenreiter umher. Aber du kannst ihn erlösen und somit auch selber wieder in deine Zeit kommen.“
„Ihn erlösen, unter wer weiß was für Gefahren! Ich kann mich nicht erinnern, eine emotionale Beziehung zu ihm aufgebaut zu haben, nach zehn Minuten des Kennen Lernens!“
Buhduh fuhr geduldig fort, die Geschichte der falschen Anklage und der Hinrichtung zu erzählen, die Katharina teilweise schon von dem Kurator im Museum gehört hatte.
„Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich ihn befreit und seiner geliebten Catherine zugeführt. Aber da er die Hölle angerufen hatte, bekam ich zwei dämonische Konkurrentinnen, Gello und Dearg-Due. Die beiden sind alles andere als mitfühlend und waren lediglich darauf aus, einen Pakt mit ihm zu schließen. Die Befreiung aus der Gruft gegen gewisse Gefälligkeiten, sie wollten damit ein Monster schaffen. Da wir drei ungefähr gleich stark sind, wollten wir es nicht auf einen Kampf ankommen lassen und einigten uns.“
„Du hast dich mit ihnen geeinigt?“ fragte Katharina angeekelt.
Buhduh lachte: „Was willst du? Ich bin ein Dschinn. Ich bin, wie die Menschen es bezeichnen würden, weder gut noch böse. Ich bin nur an die Aufgaben gebunden, die ich zu erfüllen habe. Und die erfülle ich, Zeit spielt dabei keine Rolle. Manchmal muss ich es eben entsprechend biegen und dehnen und es kommt etwas anderes dabei raus, als die Menschen sich erhoffen. Ich habe jedenfalls den Fluch abmildern können!“ Sie machte eine Pause und fuhr dann fort.
„Ich konnte bewirken, dass er wieder ein normaler Mensch werden kann, wenn er eine Frau findet, die den Namen seiner geliebten Catherine trägt und im Besitz der Rubinrose ist. Sein Edelsteinblatt muss dann mit der Rose zusammenfügt werden!“
„Das klingt einfach. Er musste doch nur Catherine finden. Das durfte so schwer doch nicht gewesen sein. Es war ja wohl allgemein bekannt, wo sie sich befand.“
„Sicher, wäre da nicht Dearg-Dues Fluch gewesen, der besagte, dass er Catherine nie mehr sehen würde. Er kam im Umkreis von 100 Meilen nicht an Catherine heran. Eine magische, unsichtbare Mauer verhinderte das. Auch nach ihrem Tod konnte er die Rose nicht finden. Sie war ihrer Tochter vererbt worden, und so verlief es über mehrere Generationen. Aber nun bist du hier und es ist möglich, dass sich nun alles zum Besten wendet.“
„Wenn er aber tagsüber in meiner Zeit lebt, warum dann das Theater mit meiner Zeitreise?“
„Ein Spielchen der Dämonen, meine Liebe. Dearg-Due wusste, dass die Zeit der Erlösung gekommen war, und wollte es verhindern oder zumindest erschweren.“
„Warum hat er nichts gesagt, als wir uns vorhin trafen. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Rose mit dem Blatt zusammenzufügen.“
Der weibliche Dschinn seufzte: „Er konnte dich nicht sehen, mein Kind. Seine Augen waren verbunden. Sonst hätte er auch die Ähnlichkeit mit Catherine bemerkt. Du musst ihn unbedingt in der nächsten Nacht treffen und die beiden Teile zusammenfügen. Dieser Zeitpunkt ist wichtig, da die Schleier zwischen den Welten wieder undurchdringlicher werden. Versäumst du diesen rechten Augenblick, wirst du für immer hier bleiben müssen.“
Katharina erschrak. „Aber wie soll ich ihn finden? Es war doch wohl mehr ein Zufall, dass ich ihn hier traf. Und warum werden ab und zu Kinder getötet?“
Buhdus Präsenz wurde nach und nach durchscheinender und ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch, als sie antwortete: „Das ist Gello, aber es wird natürlich im zugeschrieben. Ich kann jetzt hier nicht länger verweilen. Finde die Gruft, in der er eingemauert wurde.“ Dann war nur noch ein schimmernd rosa Nebelfetzen zu sehen und der Dschinn war verschwunden.
Katharina grübelte, wie sie die Gruft finden sollte, während sie auf dem verschlungenen Pfad zum Haus zurückging. Da der Weg nicht allzu weit war, hatte sie bald den Rand des Parks erreicht und marschierte zielstrebig auf die hell erleuchteten Gebäude zu. Anny kam ihr entgegengelaufen und schalt, dass man sie schon gesucht hätte.
„Ich habe nur einen Spaziergang gemacht!“ sagte Katharina leichthin. „Das Dinner war so reichhaltig und ich hätte nicht schlafen können, weil mein Magen so voll war. Aber jetzt geht es mir besser.“ Sie hakte sich bei Anny ein. „Hilfst du mir heute Abend beim Auskämmen der Haare? Ich wäre dir dankbar dafür.“
Sie meldete sich noch bei dem besorgten Onkel Silas zurück, der ihr streng untersagte, noch einmal bei Anbruch der Dämmerung allein das Haus zu verlassen. Katharina gelobte zerknirscht Besserung und begab sich dann mit der Zofe auf ihr Zimmer.
Während Anny ihr das Haar kämmte, brachte sie geschickt das Gespräch auf den Höllenreiter und fragte, wo er denn begraben worden wäre. Anny wusste das jedoch nicht, da sie die Hintergründe der Legende nicht kannte. Die zwölf Männer, die das Ganze zu verantworten hatten, waren äußerst verschwiegen gewesen. Es war allgemein nur die Geschichte bekannt, dass der Höllenreiter durch die Nacht spukte und kleine Kinder entführte.
Katharina dachte krampfhaft nach. Wo könnten die Richter das Verließ errichtet haben oder welches Gebäude als Hinrichtungsstätte benutzt haben. Auf dem Friedhof? Unwahrscheinlich, da Jonathan als Hexer hingerichtet wurde und somit keinesfalls auf geweihten Boden seine letzte Ruhestätte gefunden hätte. Sie glaubte auch nicht, dass die Grabstätte in der Nähe von Wohngebäuden errichtet worden war. Schließlich erinnerte sie sich an ein kleines, halb verfallenes Haus, das sie als Kind beim Spielen mit Cousins entdeckt hatte. Es war ziemlich weit entfernt vom Haupthaus, mitten im Wald. Sie sah es direkt vor sich, aus rotem Backstein und mit verrottetem Dach. Es gab ringsherum keine Tür, nur einen offenen Eingang und rechts und links waren Kreuze in die Ziegel eingeritzt. Das könnte es sein. Es würde nur schwierig werden, es wieder zu finden. Zur jetzigen Zeit musste es neu sein, zu ihrer Zeit war es ungefähr 250 Jahre alt und auch der Wald und seine Wege hatten sich verändert. Sie konnte nur ungefähr die Richtung einhalten und würde morgen tagsüber suchen. Abends würde sie sich dann aus dem Haus schleichen müssen.