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Die Rose des Höllenreiters 3. Teil

Von comanchemoon Mittwoch 01.11.2023, 12:18

Sie trat etwas näher an Katharina heran und diese glaubte einen so eisigen Lufthauch zu verspüren, dass sie unwillkürlich zurückwich.
„Jill Dearg-Due“, las sie auf dem Namensschild an der roten Uniform und die Präsenz der jungen Frau wurde ihr zunehmend unangenehmer.
„Er ist ein Gespenst und er sucht etwas!“ flüsterte diese. „Wenn er das findet, wird er erlöst.“ Ihr Lachen klang wie Eisenspäne und sie berührte Katharina an der Schulter, die sich räusperte. „Einen Namen wie den Ihren habe ich noch nie gehört. Er klingt ungewöhnlich.“
Die Rothaarige lachte amüsiert. „Ich stamme aus Irland.“ Ihre Schultern bebten und die Freundinnen konnten sich nicht erklären, was diesen Heiterkeitsausbruch veranlasst hatte.
„Wir haben vorhin eine Kollegin von Ihnen getroffen, Buhduh Fahd. Wissen Sie, woher sie stammt?“
Das Gesicht von Dearg-Due verzerrte sich, schien zu zerfließen, aber dann hatte sie sich wieder in der Gewalt und flötete mit honigsüßer Stimme: „Also ist sie auch hier! Ich hätte es wissen müssen. Aber ja, wir haben Samhain. Nichts für ungut, meine Damen!“ Ihr Lachen hallte von den Wänden wieder, sie hob die Hand, dreht sich um und schritt mit wiegenden Hüften zum Ausgang. Als sie hinter der Biegung verschwand, hatte Katharina den Eindruck, ein grüner Schleier wehe hinter ihr her.

…..............

Vor 250 Jahren in Virginia

Das Leuchten wurde stärker und eine Stimme flüsterte ihm unverständliche Worte zu.
„Hölle und Teufel!“ sagte er. „Was ist das? Werde ich schon wahnsinnig? Ist es bereits soweit?“
Schrilles, triumphierendes Gelächter erklang. Er hielt sich verzweifelt die Ohren zu und wippte laut schreiend auf Fersen und Knien, unverständliche Worte brabbelnd, um das Lachen zu übertönen. Plötzlich spürte er eine Berührung an der Schulter und als er aufblickte, glaubte er eine Fata Morgana vor sich zu sehen. Eine weibliche Gestalt stand in einem Lichtkegel, der die Gruft rot ausleuchtete. Lange schwarze Haare umrahmten ein ovales Gesicht mit mandelförmigen Augen und die durchscheinende, schleierartige Bekleidung verhüllte einen perfekten Körper.
„Na endlich nimmst du mich wahr“, seufzte sie. „Aber du hast einen Fehler gemacht, hast Hölle und Teufel angerufen. Wir sind nun nicht mehr lange allein!“
Jonathan war viel zu verdutzt, um auf diese delphischen Worte zu reagieren und starrte die Frau an. „Wer bist du? Wie bist du hierher gekommen?“
„Ich bin Buhduh und wurde durch deinen Teil des Rubins hergerufen!“ entgegnete sie liebenswürdig. „Ich bin ein Dschinn und mit der Rose verbunden!“
Jonathan griff sich an den Kopf. Hatten sich seine Peiniger noch ein letztes makabres Spiel ausgedacht? Genügte es nicht lebendig begraben zu sein? Musste jetzt auch noch Hoffnung geschürt werden, wo keine mehr war? Er erschauderte. Die Erscheinung aber blieb und sprach zu ihm: „Ich pflege Liebende zusammenzuführen!“ Ihr Lachen war wie Samt. „Du musst wissen, auch ein Dschinn existiert nicht einfach nur um den Menschen Wünsche zu erfüllen. Wir müssen uns aber aus unserer Welt entfernen, wenn wir mit Hilfe eines Gegenstandes gerufen werden, an den wir gebunden sind. In diesem Fall ist es der Rubin. Du besitzt einen Teil davon und hast ihn in größter Not berührt.“
„Den anderen Teil hat die Frau, die ich liebe!“ entgegnete Jonathan etwas steif, schließlich trifft man nicht alle Tage einen Dschinn. Buhduh schien wirklich ein Geistwesen zu sein. Manchmal stand sie wie aus Fleisch und Blut vor ihm, dann wiederum wurde sie durchscheinend und ihre Umrisse waberten hin und her.
„Oh“, antwortete der weibliche Dschinn, „dann soll ich euch also zusammenführen!“ Sie hob eine Hand, ließ sie aber wieder sinken. Die Luft wurde zunehmend stickiger und eine weitere fremde Präsenz war zu spüren.
„Was ich befürchtet habe“, sagte Buhduh, „wir sind nicht mehr allein, und die anderen werden auch ihren Teil fordern. Und nur“, ihre erotische Stimme wurde anklagend, „weil du unbedingt Hölle und Teufel anrufen musstest!“
„Ich verstehe nicht“, stammelte Jonathan.
„Du wirst, du wirst!“ Zwei weitere weibliche Gestalten materialisierten, begleitet von leisem Knistern und blauem Funkenregen. Die eine war groß, schlank und rothaarig, die andere von üppiger Gestalt mit einem lächelnden Gesicht. Der freundliche Gesichtsausdruck wurde nur dadurch ruiniert, dass die Spitzen der Eckzähne ein wenig unter der Oberlippe hervorblitzten.
Jonathan starrte die drei Frauen an und sie erwiderten seine Blicke stumm. Die Atmosphäre in der Gruft knisterte. Hier und da zuckten kleine blaue Blitze durch den Raum und es roch abwechselnd nach einem schweren orientalischen Parfüm, alten Gräbern und Schwefel. Die Mischung verursachte ihm Kopfschmerzen und schließlich fragte er: „Wer seid ihr? Bin ich schon tot?“
„Hölle und Teufel!“ antwortete die kleinere der beiden Neuerscheinungen. Ihre Stimme klang, als schlürfe sie etwas, was offensichtlich den Eckzähnen zu verdanken war. „Du hast Hölle und Teufel angerufen. Hier sind wir, oder wenigstens eine Abordnung. Du kannst wohl kaum das gesamte Aufgebot erwarten!“ Ihr Lachen klang, als fielen Nägel in ein Glas.
Jonathan wusste immer noch nicht wie ihm geschah und fragte schließlich: „Könnt ihr mir helfen?“
„Sicher!“ sagte die Rothaarige. Sie war ganz in Grün gekleidet und schien dabei aus fester Materie zu bestehen. Sie berührte Jonathan an der Wange, ein weißer Blitz zuckte aus ihrem Finger und hinterließ ein gezacktes, rotes Wundmal.
„Lass das Dearg-Due!“ sagte Buhduh und rekelte sich lasziv. „Wir müssen ihn teilen. Ihr dürft nicht so einfach seine Seele nehmen.“
„Wer will mich daran hindern?“
„Es gibt Gesetze, die auch du einhalten musst. Ich will ihn ja gar nicht nur für mich!“ fuhr sie versöhnlich fort. „Aber wir müssen einen Kompromiss finden! Was sagst du, Gello?“ wandte sie sich an die Vampirin.
Jonathan betrachtete die weiblichen Dämonen mit Grausen und sprach ein stummes Gebet, diesmal an den Himmel gerichtet. Gello holte aus und schlug ihm ins Gesicht. Es war ein Hieb, wie von einem Pferdehuf. „Du, hör auf damit!“ warnte sie und Jonathan ahnte, dass er seine Gedanken nicht verbergen konnte. Er war den Monstern ausgeliefert.

…..................

Gegenwart in Deutschland

Die Freundinnen blickten der Rothaarigen verdutzt nach.
„Schon wieder Samhain!“ sagte Katharina ärgerlich. „Und was war das denn überhaupt für ein Auftritt? So etwas habe ich ja noch gar nicht erlebt, und ich bin einiges durch meine journalistische Arbeit gewöhnt!“

„Halloween, die Nacht, in der die Barriere zwischen dieser und der Anderswelt nur sehr dünn ist. Teilweise sind die Schleier ganz gerissen und die Toten kommen herüber. Die Vorfahren, um nach ihren Nachkommen zu sehen, aber auch böse Geister! Die Kelten nannten diese Nacht Samhain.“

Eine angenehme, dunkle Männerstimme hatte diese Worte hinter ihnen gesprochen und die Köpfe der Frauen ruckten herum. Ihre Blicke musterten einen etwa eins neunzig großen Mann mittleren Alters. Seine braunen Haare waren kurz gehalten, und er verzog sein bleiches, hageres Gesicht zu einem Lächeln. Als er Katharina ansah, weiteten sich seine blauen Augen etwas und er sah sie einen Moment länger an, als es die Höflichkeit gebot.

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