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Die Rose des Höllenreiters 2. Teil

Von comanchemoon Dienstag 31.10.2023, 12:40

Gegenwart in Deutschland

„Kommen Sie nur herein. Hier finden Sie Gemälde aus der Kolonialzeit und noch 200 Jahre davor. Es sind sehr alte Werke und teilweise Leihgaben von anderen Museen. Wir sind sehr stolz darauf, sie präsentieren zu können. Leider“, die Museumsangestellte seufzte „interessieren sich die wenigsten Besucher dafür!“
Sie beugte sich überrascht vor, als Katharina den Eingang passieren wollte.
„Einen wunderschönen Anhänger haben Sie da. Ich bitte vielmals um Verzeihung, aber darf ich ihn mir einmal ansehen? Er scheint sehr alt zu sein und ich verstehe ein wenig von Antiquitäten!“ Sie lachte. Es war ein dunkles, samtweiches Lachen.
Katharina fand das Anliegen zwar etwas eigenartig, mochte es aber auch nicht abschlagen. Sie nahm die Kette vom Hals und reichte sie der jungen Frau, die mit ihren leicht gebräunten schlanken Fingern darüber strich.
„Es ist ein Familienerbstück“, erklärte Katharina und hob irritiert die Nase. Die junge Dame schien stark nach einem schweren Parfüm zu duften. Etwas unüblich für eine Museumsführerin, die dezent auftreten sollte. „Buhduh Fahd“ las sie auf dem Namensschild an der roten Uniform.
„Die Rose ist aus einem großen Rubin geschliffen!“
„Ich sehe“, erklang die samtige Stimme wieder. „Er muss riesig gewesen sein. Aber ein Rosenblatt fehlt, es wurde offensichtlich ausgebrochen.“
„Ja“, antwortete Katharina. „ich kenne den Anhänger nicht anders und weiß nicht, wann das passiert ist.“
„Sehr selten, sehr wertvoll!“ Die junge Dame wirkte gedankenverloren und fügte rätselhaft lächelnd hinzu: „Viel wertvoller, als sie glauben. Und vergessen Sie nicht, heute ist Samhain!“
Katharina legte sich die Kette wieder um und wollte die junge Frau fragen, was damit gemeint war. Aber diese war schon gegangen und wie durch einen Schleier sah sie die rote Uniform und wehendes schwarzes Haar hinter einer Säule verschwinden.

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Vor 250 Jahren in Virginia

Gott antwortete nicht auf seine Gebete und Jonathan fand keinen Frieden. Er hatte sich mittlerweile die Fesseln abstreifen können und dabei die Handgelenke aufgeschürft, verspürte jedoch den Wundschmerz nicht. Wie wahnsinnig arbeitete er sich an den Wänden entlang, klopfend und mit den Fingernägeln kratzend, ob er irgendwo eine Lücke, einen losen Stein entdecken konnte. Aber er fand nichts, keine Möglichkeit zum Entkommen. Zu dem wurde die Luft knapp und er setzte sich mutlos auf den Boden. Irgendwann verwandelte sich seine dunkle Verzweiflung in helle, rote Wut und er begann die Männer zu verfluchen, die ihm das angetan hatten. Er zweifelte an Gottes Gerechtigkeit und wollte gerade als letzte wahnwitzige Hoffnung die Hölle um Hilfe anrufen, als er in seiner Rocktasche etwas Hartes spürte. Er lachte humorlos. „Catherine, meine geliebte Catherine!“ dachte er. Ob sie sich wohl auch noch nach Jahren an ihn erinnern würde? Wusste sie, was ihr Vater ihm angetan hatte? Er konnte es sich nicht vorstellen und schlug die Hände in stummer, einsamer Geste vor die Augen. Dann fühlte er wieder nach dem Gegenstand in seiner Tasche. Er konnte ihn in der Dunkelheit nicht sehen, aber er wusste, dass es ein Teil des Rubins war, den er Catherine geschenkt hatte. Einen Rubin, geschliffen in der Form einer Rose. Er hatte sich eines der filigranen Blätter davon abgebrochen und sie hatten sich geschworen, dadurch immer und ewig in Verbindung zu bleiben. „Kindisch“, dachte er, „oh welch kindlicher Glaube im Überschwank der Gefühle!“ Er holte den Teil des Steines aus der Tasche und rieb ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Rosenblatt erwärmte sich dabei und als er die Augen öffnete, sah er es in der Dunkelheit flammend rot leuchten.

…..................

Gegenwart in Deutschland

„Wow!“, sagte Nora und streckte ihre superschlanken Glieder. „Wow“, wiederholte Nora. „Die Dame war Erotik pur. So möchte ich einmal auftreten können. Sie spreizte beide Hände: „An jedem Finger könnte ich zehn Kerle haben! Wow!“
„Gut, gut“, antwortete Katharina, der im Moment nicht nach Männern war. Sie war im letzten Monat 32 geworden, und kurz danach scheiterte ihre langjährige Beziehung. „Was hat sie gemeint mit Samhain?“
„Was?“
„Mit Samhain!“ Katharina war ungeduldig und dehnte das Wort bis zur Überdeutlichkeit.
„Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass das heute Halloween genannt wird und es in Deutschland zunehmend populärer wird. Eigentlich müsstest du aber besser Bescheid wissen als ich, hast ja amerikanische Abstammung.“
„Okay“, entgegnete Katharina Schulter zuckend. „Mein Großvater ist Amerikaner und blieb nach dem Krieg hier, nachdem er die Luftbrücke Berlin mit geflogen hatte mit der 317th Troop Carrier Wing. Zunächst wurde er wieder nach San Antonio versetzt, dann gleich wieder auf die Air Base in Kaiserslautern. Vor dort nahm er dann mit meiner deutschen Großmutter Kontakt auf, die er während der Luftbrücke kennengelernt hatte. Sie heirateten dann. Ich war auch etliche Male drüben um die Verwandtschaft zu besuchen, aber nie zu Halloween.“
„Ist ja auch egal!“ entgegnete Nora burschikos und fuhr sich mit der rechten Hand durch blondes kurzes Haar. „Komm, lass uns die letzten Gemälde ansehen. Erstens kann ich nicht mehr, weil mir die Füße schmerzen und zweitens schließen sie bald!“
Die beiden Freundinnen betraten den Raum, dessen Wände altrosa getüncht waren. Zwischen den einzelnen beleuchteten Bildern hingen Schals in dunkelblauen Samt und vereinzelt platzierte Sitzbänke waren mit dem gleichen Material bezogen.
Die Werke stammten aus längst vergangenen Epochen und zeigten Personen, deren Historie man in einem kleinen Museumsbegleiter nachlesen konnte.
Der Raum war menschenleer, bis auf eine Museumsführerin mit langem rotem Haar. Sie stand vor einem Gemälde, auf dem ein Reiter mit verbundenen Augen auf einem schnaubenden Rappen zu sehen war. In der linken Ecke vorn zeigte sich die schemenhafte Gestalt einer verschleierten, schwarz gekleideten Dame.
„Es müsste restauriert werden!“ sagte die junge Frau, als Katharina und Nora näher traten.
„Die Farben sind schon etwas verblasst. „Hier“, sie zeigte auf die verschleierte Gestalt. „Sie trägt eine Kette und der Anhänger ist kaum noch zu sehen. Er müsste in einem intensiven Rot leuchten, wie der Ihre!“ Sie heftete ihre moosgrünen Augen auf Katharinas Rose und diese legte unwillkürlich die Hand darüber, trat aber gleichzeitig fasziniert näher.
„Welche Geschichte steckt denn dahinter? Es ist doch seltsam, dass der junge Mann die Augen verbunden hat!“
„Ich kann nichts finden!“ sagte Nora und blätterte suchend durch den Museumsführer.
„Nun“, antwortete die Rothaarige, „sein Name ist Jonathan Cooper. Er wurde als Hexer hingerichtet. Lebendig eingemauert!“ Sie befeuchtete sich genüsslich mit der Zungenspitze die Lippen.
„Es war auf einer Plantage in Virginia in den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika.“
„Von dort stammt meine Familie!“ Katharina war seltsam berührt und starrte das Bild an.
„Tabak“, fuhr die Museumsangestellte fort. „Ich glaube, es war auf einer Tabakplantage!“

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