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Die Rose des Höllenreiters 1. Teil

Von comanchemoon Montag 30.10.2023, 12:10

Die beiden Männer arbeiteten schwitzend, mit gesenkten Augen und beeilten sich, den Eingang der Gruft mit roten Steinen zu verschließen. Sie riskierten nicht einen Blick auf die andere Seite, wo unruhig eine halb abgebrannte Kerze flackerte und kaum noch Licht spendete.
Auf einem Stuhl hockte ein Mann mit auf dem Rücken gefesselten Händen und verbundenen Augen. Er trug einen einfachen schwarzen Rock und eng anliegende Hosen, die Beine wurden von hohen Stiefeln fast verdeckt. Es schien, als bewegte er die Lippen in dem hageren Gesicht wie in andauerndem stummem Gebet.
Als der letzte Stein gesetzt wurde, starrten die Maurer den vollständig verschlossenen Eingang scheu an. Bewegungslos und ohne ein Wort zu sagen standen sie da. Einer der beiden bekreuzigte sich, als hinter ihnen eine tiefe Bassstimme dröhnte: „Nun kann der Hexer Jonathan Cooper zur Hölle fahren!“

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Katharina Aimes langweilte sich mit ihrer Freundin Nora vor den Bildern moderner Künstler und gab es verzweifelt auf, einen tieferen Sinn zwischen all den bunten Klecksen und Strichen zu suchen. Unwillig kramte sie in ihrer schwarzen Umhängetasche und holte schließlich ein Band hervor, mit dem sie die rotbraunen Naturwellen zusammenfasste, die ihr lang über Nacken und Schultern flossen.
Sie war Journalistin und recherchierte für das Frauenmagazin „Ladies“, und zwar für die Rubrik „Mysteriöses und Kriminelles“. Ihre Redakteurin hatte sie zu der Eröffnung des Museums für Kunstgeschichte geschickt, um für eine Kollegin einzuspringen, die sich krank gemeldet hatte. Katharina grollte ihr ein wenig für diese großartige Idee, da sie trotz üppig vorhandener Fantasie keinen Bezug zu abstrakter Kunst hatte. Sie hielt Picasso Gemälde für Schmierereien von Vorschulkindern und Dali für pervers. Für sie bestand die Kunst darin, diese Werke überhaupt zu verkaufen, zudem noch für so viel Geld.
Ihre Gedanken holperten über Linien und Kreise in Giftgrün und Karminrot, wirbelten dann weiter zu den Bildern mit den gelben Punkten. Ringsherum waren weitere Spritzer in einem dunkleren Gelb angeordnet. Daneben hing ein ähnliches Gemälde in Rot und es folgte ein weiteres Farbenkaleidoskop. Katharina starrte auf die verschiedenen Kunstwerke und spielte dabei mit dem Anhänger in Form einer roten Rose, der an einem goldenen Kettchen um ihren Hals hing. Ihre Finger rieben dabei über eine raue Stelle des Steines, wo eines der zarten Rosenblätter heraus gebrochen war. Es war eine Angewohnheit, die ihr half, sich zu konzentrieren. Und in diesem Fall hatte sie das bitter nötig, da sie einen interessanten Report über etwas verfassen sollte, das ihr unauslotbar schien.
Katharina seufzte und ihre grünen Augen hefteten sich auf ein Bild mit einem hellen Punkt in der Mitte und Klecksen in der gleichen Farbe ringsherum. Sie wandte sich gerade stirnrunzelnd an Nora, als eine der Serviceangestellten des Museums auf sie zukam. Es war eine sehr junge Frau, das blonde Haar floss ihr lang über den Rücken und die rote Uniform stand ihr ausgesprochen gut. Mit gewinnendem Lächeln sprach sie die Freundinnen an.
„Ich sehe, sie interessieren sich für die Werke unserer Nachwuchskünstler!“
„Ähem“, räusperte sich Katharina verlegen und hob hilflos die Hand, die dabei auf das zuletzt betrachtete Gemälde zeigte.
„Nun, dieser Künstler liegt unserem Haus besonders am Herzen.“ Die Blonde zeigte sich begeistert.
„Es handelt sich dabei um ein Erstlingswerk von Johannes Christian Rosenbaum. Es zeigt Jesus inmitten seiner Jünger, wie sein Licht auf alle ausstrahlt. Ist es nicht besonders gelungen?“
„Also“, platzte Nora hemmungslos heraus „für mich sieht es eher so aus, als hätte der Maler seinen Pinsel abgestreift!“
Katharinas Gesicht glühte auf wie eine Schaufensterlampe im Rotlichtmilieu. Schnell murmelte sie der jäh erstarrten Servicekraft eine Entschuldigung zu, packte Nora und zog sie weiter.

Eine Stunde und unzählige moderne Kunstwerke später standen die beiden jungen Frauen mit schmerzenden Füßen vor einem Säulenportal, offensichtlich dem Eingang zu einer anderen Abteilung.
…und hoffentlich auch zu einer anderen Stil Epoche, dachte Katharina grimmig. Eine der rot uniformierten Museumsangestellten stand davor und lächelte sie an. Weiße, makellose Zähne blitzten hinter vollen roten Lippen in einem klassisch orientalischen Gesicht.

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Dass der letzte Stein gesetzt wurde, konnte Jonathan nur ahnen, da seine Augen verbunden waren. „Es ist ein böser Albtraum!“ dachte er und wünschte sich nichts sehnlicher, als aufzuwachen. Er saß lange auf seinem Stuhl und grübelte über die Ungerechtigkeit nach, die ihm widerfahren war. Er verstand das alles nicht, er wusste nur, dass er unschuldig war. Und das schrie er heraus. Aber niemand hörte ihn, und als er heiser geworden war, brachen seine Schreie krächzend ab.
Irgendwann realisierte er seine Lage und die Angst griff mit Krakenarmen nach ihm, umschlang ihn unbarmherzig, presste Herz und Lunge zusammen, so dass er kaum noch atmen konnte. Es war die Angst vor dem langsam schleichenden Tod. Er wusste, dass sich über kurz oder lang der Flüssigkeitsmangel bemerkbar machen würde. Verdursten war eine grausame Art zu sterben, und er fing an zu beten.

Fortsetzung folgt

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