Der Leichenbitter
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 25.03.2021, 07:50 – geändert Donnerstag 25.03.2021, 07:51
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Der Leichenbitter
Am gestrigen Mittwochmorgen kurz nach zehn Uhr klingelte es an unserer Haustür. Ich öffnete die Haustür und da stand ein Mann mit schwarzem Anzug, einem altmodischen Gehrock mit einem Zylinder auf dem Kopf und einem großen Gehstock, an dem schwarze Bänder befestigt waren. Er gab mir ein Totenbildchen und sagte im hiesigen Dialekt in einem eigentümlichen Singsang:
„Ich gebe kund zu wissen, daß die ehrsame Franziska Lorenz, Bäuerin vom Simoar Hof zu Amsham am letzten Freitag im gesegneten Alter von 85 Jahren, versehen mit den Sterbesakramenten der heiligen katholischen Kirche, selig im Herrn entschlafen ist. Die Familie lädt ein zum Trauer Rosenkranz am Samstag, den 27. um 18.30 Uhr und zum Gottesdienst mit anschließender Beisetzung am Montag, den 3. um 14.30 Uhr in die Pfarrkirche.“
Ich stand ziemlich verdattert mit dem Totenbildchen in der Hand da, sowas habe ich noch nie erlebt. Ich bin zum Nachbarn hinüber und habe gefragt, ob der Mann auch bei ihnen gewesen war. „Ja, sagte der Sepp, das war der Leichenbitter. Es gibt hier noch ein paar kleine Bauerndörfer, wo der Brauch noch gepflegt wird. Die Familie beauftragt den „Leichenbitter“, den Tod eines Angehörigen im Ort bekannt zu machen und die Leute zur Beerdigung einzuladen. Meist sind es alteingesessene große Bauernhöfe, wo der Brauch noch lebendig ist.“