Morgenrituale
Von
tarenaa
Freitag 28.07.2023, 22:09
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tarenaa
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Der Wecker hat sie schon um halb sieben aufgeschreckt. Sie dreht und wendet sich wie ein noch halbgares Kotelett einmal nach links, dann nach rechts und schläft wieder ein. Dann folgen die interessantesten Träume, die sie manchmal, nicht mehr so oft wie früher, aufschreibt. Traumfetzen hat sie noch nach Jahren im Gedächtnis. Durch ihre Träume hat sie sich schon recht gut kennen gelernt, besonders in denen, die sie früher öfters heimsuchten. Nein, es sind nicht mehr Albträume wie früher von der Flucht vor den Russen oder schlimme Kindheitsträume im Bombenkrieg, in denen sie am liebsten immer fort fliegen wollte. Oder von der nassen Eigentumswohnung, die sie schon lange in ein trockenes Eigenheim eingetauscht hat. Nein, jetzt gibt es immer nur noch interessante Träume, auf die sie sich schon freut, wie auf einen interessanten Film. Nachtkino im Bett ohne Strom, im Liegen ohne Poppkorn und ohne Geld auszugeben. Kopfkino, Traumkino. Manchmal sogar in Farbe.
So nun rafft sie sich endlich auf und schält sich aus dem Laken. Vorher streckt und reckt sie sich im Bett wie eine aufgewachte Katze und holt tief Atem. Sonst könnte es sein, dass sie schwindelig über ihre eigenen Schuhe stolpert. Ihren guten Vorsatz schon im Bett einige gymnastische Übungen zu machen vergisst sie geflissentlich. Keine Zeit mehr.
Schließlich ist die Zeit zu Gunsten der morgendlichen Träume schon wieder unwiederbringlich weiter vorgerückt. Träumen ist halt bequemer als Gymnastik treiben. Der schwache Schweinehund bellt sie immer wieder zurück. Kann man tags noch nachholen, beruhigt sie sich.
Aber nun raus aus den Federn! Das geht nur mit einem hohen Beinschwung. Eigentlich treibt sie keine Pflicht mehr aus den Kissen wie früher, als die Arbeit rief. Heute hat sie zwar keine Pflichtarbeit mehr, aber Arbeit eben immer noch, wenn sie nicht ganz verrotten will. Der Tag muss eine Struktur haben. Und das hat er auch. Wenn sie bei Regenwetter schon mal richtig verschlafen hat, weil sie den Wecker nur als Traumklingeln vernommen hat, dann ist sie auf sich richtig sauer über den verlorenen Vormittag. Kommt zum Glück selten vor.
Nach der erfolgten Morgenreinigung ist der erste Gang zum Briefkasten. Ohne Zeitung wird ihr Geist nicht wach. und munter. Und auch nicht ohne eine Tasse Kaffee.
Die Zeitung ist ihr richtiges Aufputschmittel. Was da wieder alles in der Zeitung steht!
Zum Totärgern! Schlimm, dass man da nicht eingreifen kann, höchstens wie Trump auf Twitter seine Wut ablassen. Aber dazu ist sie sich viel zu schade. Bringt auch nichts. Übrigens twittert sie gar nicht. Aber jetzt ist sie wenigstens wach geworden und kann mit wachem Verstand den Tag planen. Als erstes geht sie in den Garten raus, schöpft tief Luft und freut sich über die Blumen, die über Nacht sich entschlossen haben, auf zu blühen.
Nun kann der Tag beginnen.