Unsichtbar
Von
cinque
Freitag 09.08.2024, 16:50
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cinque
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Unsichtbar
Guten Abend in die Runde, schön euch zu sehen., ehrlich, ich bin erfreut ganz besonders über die anwesenden Herren. Das Thema des heutigen Abends Unsichtbar. Ein Thema, wie für mich gedacht. Ich bin nämlich unsichtbar, und als unsichtbares Wesen kann ich viel Amüsantes erzählen, amüsant jedenfalls aus meiner Sicht.
Ihr lieben Männer hier in der Runde. Ob jung, ob alt, ob sportlich, ob behäbig, ich bin ausschließlich für euch da. Ich warte auf euch. Hingebungsvoll widme ich mich eurer Befindlichkeit. Ich werde mich euch nähern, euch berühren, euch ganz in Besitz nehmen. Das klingt nach mehr, aber nein, es wird nur eine kurze Affaire. Der eine oder andere Mann in dieser Runde hat bestimmt schon meine Bekanntschaft gemacht, ihr seid mein Lebensinhalt, nur für euch bin ich da.
Ich favorisiere Männer in den sog, besten Jahren. Sie achten auf Figur, treiben Sport, sind stolz auf ihren durchtrainierten Körper. Ganz besonders stehe ich auf Typ Wikinger, stattlich, athletisch und blond. Ist hier vielleicht einer in der Runde? Schade. Ich genieße es, mich ihm zu nähern und ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn ich ihn in Besitz genommen habe, wird mein Wikinger ein Häufchen Elend sein, Da bin ich unnachgiebig. Sein durchtrainierter Körper ist völlig machtlos gegen mich. Mein schöner stolzer Wikinger, du fühlst dich schwach und elend, verlangst ständig nach Medikamenten, du möchtest den ganzen Tag umsorgt sein, möglichst von einer hübschen Krankenschwester, und glaubst, schon das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Mein stattlicher Wikinger kann keinen einzigen Liegestütz mehr machen, das Dasein ist ein einziges Jammertal. So lange ich bei dir bin, willst du das Bett nicht verlassen. Ich genieße das.
Mit der gleichen Begeisterung wende ich mich aber auch allen anderen zu. Ich frage den genervten Familienvater nicht, ob ihm die Begegnung mit mir recht ist. Ich werde unbemerkt Besitz von ihm ergreifen.. Am Tag unserer Begegnung, oder spätestens am Tag danach, werde ich ihn ins Bett bringen. Er wird wie mein Wikinger in ein tiefes Loch von Selbstmitleid fallen. Ich werde ihn einer enormen Müdigkeit überlassen, sein Kopf wird dröhnen. Solange ich bei ihm bin, wird er das Bett nicht verlassen wollen. Armer Familienvater, da liegst du nun im Bett, du leidest. Ach wie schön wäre jetzt ein kühles Tuch für die Stirn, so wie früher seine Mutter es machte, das tat sooo gut.
Bei ihm hält sich die Anteilnahme in Grenzen, er ist verloren in seinem Schmerz.
Oh nein, der Familienhund niest. Kind 1, Kind 2, Mutter und Oma: „Ach, du armer, armer Wuff, wo hast du dir das denn geholt, hoffentlich nichts Ernstes?“ Auch der Paketbote hat es mitgekriegt: „Armes Kerlchen, komm, hier hast' ein Leckerlie“.
Familienvater röchelt.
Familie: „Stirb leise.“
Ihr lieben Frauen, das war gar nicht gut, ihr müßt eurem Mann dreimal am Tag sagen, wie tapfer er ist. Ganz wichtig, nicht dabei lachen.
Nach ein paar Tagen werde ich meine Männer verlassen. Das Häufchen Elend wird wieder ein aufrechter Wikinger, Familienvater wird wieder die Abendrunde mit Wuff machen. Das Leben geht weiter. Warum nicht alle Männer meinetwegen sterben? Nun ja, ein paar müssen doch weiterleben, um die Geschichte vom Männerschnupfen zu erzählen. Ich werde ich euch verlassen ohne adieu zu sagen, in der Überzeugung, eines Tages zurückzukommen , ich, der kleine unsichtbare, unscheinbare Virus Männerschnupfen.