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Ein ganz normaler Ehemann ..15. Teil 5

Von comanchemoon Mittwoch 27.11.2024, 13:08

Fortsetzung

Mona Marie stand da wie gelähmt und völlig ahnungslos.

Welch ein ausgezeichneter Augenblick, jetzt zu verschwinden, dachte ich und hub zu Erklärungen an. In dem Moment kam Opa Zimmermann mit Dackel Oskar, der sich schweifwedelnd Klein Rambo näherte. Dieser stürzte sich freudestrahlend auf ihn und eine verspielte Balgerei nahm seinen Lauf. Das kam auffallend gelegen, denn beide kugelten zwischen den Beinen der Menschentraube herum und lockerten die Stimmung etwas auf.

Als Opa Zimmermann das Wort Polizei hörte, lachte er meckernd und sagte: „Lassen Sie das mal gut sein, junge Frau! Zu dieser Adresse kommt keine Polizei mehr! Die hatten schon genug Einsätze in diesem Jahr hier!“ Vergnügt stieß er seinen Stock auf die Erde.

„Ich bin neu hier in dem Ort!“, sagte die junge Mutter. „Mein Name ist Gerda Köster, das ist meine Tochter Susanne! Dieser Mann,“, sie wies mit dem rechten Zeigefinger auf mich, „hat sich uns unsittlich genähert und uns seine Unterhosen gezeigt!“

„Hä!“, sagte Opa Zimmermann. Manchmal hörte er nicht mehr so gut. „Ich kann Ihnen sagen, vor gar nicht so langer Zeit hatten wir hier schon mal eine Sache mit einer Hose! Ja, das war eine vergnügliche Nacht.“

„Vergnüglich?“, fragte Frau Köster.

„Ja, das Vergnügen hat mich Geld gekostet! Wie viel war das doch gleich?“, wandte er sich an Alma.

„Keine Ahnung,“, entgegnete sie, „aber ich wäre an dem Tag fast erstickt!“

Frau Köster wurde bleich.

„Als ich erwachte, sah ich den Heiland über mir!“

Jetzt redeten alle durcheinander.

„Ja, und in der Nacht davor wurden der Schweinezüchter und der Kapitän in die Klapsmühle eingeliefert!“

„Das heißt jetzt psychiatrische Abteilung oder so!“

„Der Schweinezüchter legt jetzt Wert auf rosa Pillen!“

„Und Nachbar Wendehals musste seine Gänse einsperren!“

„Das Schiff von Kapitän Kiesewetter liegt immer noch im Hafen und er in der Psychiatrie!“

Frau Köster nahm unauffällig ihre Tochter an die Hand.

„Außerdem ging Michael auf dem Dach spazieren!“

„Und Oskar hat den Praktikanten angegriffen!“

„Aber die Laterne wurde wieder aufgerichtet!“

Frau Kösters Mund formte ein O und ihr Gesicht sah aus wie ein fleischfarbenes Osterei.

„Michael glaubte er sei Dracula!“

„Das kam vom Wetterleuchten, der verleiht neue Identitäten!“

Oskar hob das Bein um zu pinkeln und Rambo beschnüffelte ihn dabei interessiert. Das kleine Mädchen stieß seine Mutter an: „Sieh nur, der kleine Hund hat aber einen großen, kräftigen….“

Das war zuviel für Frau Köster. Sie schnappte schockiert nach Luft und außerdem ihre Tochter, dann eilte sie im Laufschritt, ohne sich zu verabschieden, davon.

Nachdem mein Gesicht nach und nach die Farbe von gut durchgereiften Preißelbeeren angenommen hatte, konnte ich schließlich den zappelnden Rambo und seine Beute wieder zurücktragen. Alma Schmidtbauer, Mona Marie und Opa Zimmermann standen noch eine Weile auf der Straße und unterhielten sich angeregt.

Nun sahen wir uns veranlasst, den Zaun zu reparieren und zu erhöhen, damit Rambo keine Schlupflöcher mehr fand und auch nicht darüber springen konnte. Dabei übersahen wir aber den Drahtzaun zu unserem Nachbarn zur Rechten.

Eines Tages sprach der mich an: „Ich glaube, dein Hund geht ab und zu in unserem Garten spazieren.“

„Das kann doch gar nicht sein!“

Als Antwort wies der Nachbar auf ein Loch im Zaun und hielt dann den Blick auf mich gerichtet. Still und erwartungsvoll.

Ich durchlief eine Tonleiter der Pein bevor ich eilfertig säuselte: „Oh, das ist mir aber unangenehm. Selbstverständlich repariere ich das sofort.“

Der Nachbar war aber gar nicht so böse und lachte: „Ich habe das gar nicht so schnell bemerkt. Gewundert habe ich mich habe ich mich zunächst über die zertrampelten Erdbeerbeete. Weil es oft regnete, konnte ich die Spuren nicht genau erkennen und dachte immer nur ‚Donnerwetter, so große Kaninchen’. Einen Haufen hat er auch ab und zu mal gesetzt, was ich auf meine Katzen schob, obwohl mir die Größe schon ziemlich monströs vorkam. Aber ich dachte nicht weiter darüber nach, bis mein anderer Nachbar mich fragte, ob ich wieder einen Hund hätte. So bin ich dann darauf gekommen.“

Also flickte ich den Maschendrahtzaun mit Tims Hilfe und außerdem setzten wir noch einen zusätzlichen höheren Zaun auf dem Grundstück zum Vorgarten. Irgendwie hatten wir mitbekommen, dass Rambo bei jeder passenden Gelegenheit im Ort spazieren ging. Obwohl er damals noch halbwüchsig war, hatten die Leute trotzdem Angst vor ihm, was ich gar nicht verstehen konnte. Das Tor vom Hof zur Straße bekam übrigens auch einen Extrariegel, weil Mona Marie bemerkt hatte, dass er den Drehknauf ins Maul nahm und mit einer Rechtsdrehung das Tor öffnen konnte.

Als der Schwarzbunte ungefähr acht Monate alt war, kam der große Moment, er konnte sein Bein heben ohne umzufallen und pinkelte nicht mehr in Hündinnenhaltung. Außerdem war er jetzt größer als Cleo, die von der Stärke her keine Chance mehr gegen ihn hatte. Nur vor ihren Schäferhundzähnen hatte er Respekt und hielt vorsichtshalber Abstand, wenn sie diese zeigte. Aber sonst verstanden sich die Hunde ganz gut und ich muss zugeben, es war hauptsächlich Cleo, die für Rambos Erziehung sorgte.

Meine Familie sagte immer, Rambo sei ein sehr sozial eingestellter Hund. Er putzte den Kater und er putzte Cleo. Wollten sie nicht gewaschen werden, stellte er einfach eine Pfote auf sie und drückte sie nieder. Gegen diese Art von Brachialgewalt waren sie machtlos und gaben nach. Übrigens hatte er wohl auch festgestellt, dass sich auf diese Art kleine Hunde, die ihn ankläfften, in Schach halten ließen. Einfach Pfote drauf – und sie waren still.

Aber er war auch anhänglich und wollte mit seiner Familie oft schmusen. Wir liebten es, in sein weiches, flauschiges Fell zu greifen. Ja, und da wir es trotz guter Vorsätze und ausreichender Literatur versäumt hatten ihn richtig zu erziehen, bestimmte er, wann er Streicheleinheiten brauchte und wann es genug war. Wenn wir nicht reagierten, boxte er uns mit seinen dicken Bärentatzen. Ja, diese Riesenpfoten konnte er erstaunlich geschickt einsetzen, besonders zum Betteln. Dabei war er aber wählerisch bei der Auswahl seiner Leckereien. Er aß keinen Aufschnitt oder Schinken. Er gebärdete sich, als ob das widerlich roch und ich ahnte, dass da immer Sachen drin waren, die nicht hineingehörten. Ein Leberwurstbrot mal eben so nebenbei akzeptierte er. Ja, und Bockwurst – Bockwurst von dem Fleischer aus unserem Ort – dafür hätte er getötet. Und ich erinnere mich an Hundekuchen. Bonzo wurde der genannt. Das war das allergrößte. Schon bei dem Klang des Wortes „Bonzo“ wurde er nervös. Wir gewöhnten uns dann an, nur noch von dem Wort mit „B“ zu sprechen.

Rambo setzte seine Pfoten aber auch für das Öffnen von Türen ein. Mit wahrer Leidenschaft öffnete er die Haustür und konnte so raus und rein wie er wollte. Ich gebe zu, dass das Holz dabei ein wenig zerkratzt wurde. Mona Marie sagte einmal, dass die Spuren an der Braunschweiger Burg, die angeblich vom Löwen des Herzog Heinrich stammten, auch nicht eindrucksvoller wären.

Mir ging die Entwicklung dieser Dinge sehr gegen den Strich. Um die Tür einigermaßen zu schützen, nagelte ich von innen Blech und Sperrholz an die malträtierte Stelle um die Klinke herum. Es war zwar kein schöner Anblick mehr, aber Mona Marie nannte das individuell.

Fortsetzung mit Rambo folgt

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