PRIESTER / HANDTASCHENLIEBE / LIEBLINGSBLUME
Von
egalis
Mittwoch 23.10.2024, 22:13
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egalis
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Anlässlich eines Lyrik-Seminars bekamen die Teilnehmer Schlagwörter angegeben, die sie zu verarbeiten hatten.
Ein PRIESTER, der noch keiner war,
auch nicht wusste, ob er einer wird,
schlich heimlich durch die Klostermauern,
hätt´ bald sich in den Gängen verirrt.
Er hatte die Befürchtung zwar,
es könnte wer im Kreuzgang lauern,
bewegte sich trotzdem leise fort,
es sollte auch nicht lange dauern,
hin zum von ihm gewählten Ort.
Denn in seiner kargen Zelle
fand er das nicht auf die Schnelle,
was er gerne haben wollte,
weshalb er mit sich selber grollte.
Er rieb an seiner Stirn herum
und hat dann laut zu sich gesagt:
Ja doch! Das Skriptorium! -
und hat sich auf den Weg gemacht.
Bald ist er keuchend oben angekommen.
Mönche, tiefgebeugt ins Werk versunken,
haben ihn nicht wahrgenommen,
nur der Archivar hatte ihm zugewunken.
Der Priester, der noch keiner war,
auch nicht wusste, ob er einer werden wollte,
grüßte seinerseits den Archivar,
dem er hochachtend Demut zollte.
Der meinte, der Priester, der noch keiner sei,
solle ihm hier und jetzt doch beichten,
und das am besten frank und frei,
sicher wär seine Sünde eine von den leichten.
Er sei ja auch keiner der gewöhnlichen Diebe,
er habe doch nur einen der vielen Triebe
- im Kloster wäre das längst bekannt - ,
das sei seine HANDTASCHENLIEBE.
Dazu noch, ergänzte der Sünder kleinlaut,
verschämt hatte er sich abgewandt,
meine LIEBLINGSBLUME: Das Hirtentäschelkraut,
und verbarg das Gesicht in seiner Hand.
©elbondo2004