EIN BUCH VON GÜNTER GRASS
Von
egalis
Mittwoch 08.09.2021, 20:44
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Von
egalis
Mittwoch 08.09.2021, 20:44
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Unlängst stand ich vorm Regal
und griff einfach mal
zu einem Buch von Günter Grass.
Schlug es irgendwo auf und las
von jenem Blatte
einen Text, der es in sich hatte.
Herr Grass erinnerte sich daran,
dass er von einem Mann
dies erzählt bekam,
das ihn sehr gefangen nahm:
Ein opernbegeistertes Ehepaar
noch angefüllt von Erlebtem war,
und – noch beseelt – zum Parkplatz ging,
wo sogleich das Dilemma anfing,
denn der Platz, wo ´s Auto stand, war leer.
Den fahrbaren Untersatz gab es nicht mehr.
Irgendwie kam das Paar nach Hause
und hatte für Tage Autopause.
Doch dann war ihr Erstaunen mächtig.
Eines Morgens stand ihr Auto prächtig
und wie neu vor ihrer Pforte,
so frisch gewaschen und poliert,
wie es lange nicht passiert.
Sie fanden dafür keine Worte.
Das Auto war auch vollgetankt.
In einem Brief hatten sich Diebe bedankt
für diese Leihgabe, die in ihrer Not
dieses dastehende Auto bot.
Das hatte die Diebe so bewegt:
Zwei Opernkarten waren beigelegt.
Das Ehepaar war darob gerührt,
hat keine Anzeigenrache gespürt.
Hat im Gegenteil – unverdrossen –
diesen Opernabend genossen.
Das Auto stand auch an Ort und Stelle,
und so fuhren die beiden schnelle
zu ihrem Heim und stiegen beim Haus
immer noch beschwingt summend, aus.
Dachten dann, sie sähen nicht klar,
weil irgendwas verändert war.
Vermeinten dann, dass sie das geträumt:
Das ganze Haus war ausgeräumt!
Die Moral von der Geschicht:
Man benutze solche Gaben nicht,
die einen erreichen unverhofft,
wohl eher selten und nicht oft.
Da hatten mit großem Wohlbehagen
die cleveren Diebe zugeschlagen.
Wussten sie doch, die Luft würde rein,
weil die Besitzer in der Oper, sein…
elbondo