Alles still!
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Feierabend-Mitglied
Dienstag 24.11.2020, 07:14 – geändert Dienstag 24.11.2020, 07:16
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Alles still!
Alles still! Es tanzt der Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.
Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehen.
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht-
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.
(Theodor Fontane)
Theodor Fontane wurde geboren am 30. Dez 1819 in einem Dörfchen bei Neuruppin.
Es war das vorindustrielle Zeitalter ohne Autos, ohne Maschinen und man kann
sich heute gar nicht vorstellen, wie still damals die Welt im Dezember war,
wenn die Bauern alle in den Häusern waren und der Schnee jeden Schritt
draußen auch noch dämpfte. Da kann man sich gut die Stimmung vorstellen, die ihn wohl an die "Friedhofsruhe" denken ließ, als er die Zeilen schrieb:
Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.
Und vielleicht hat die Melancholie dieser Stimmung ihn dichten lassen:
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.
So habe ich das Gedicht interpretiert.