Sirenengesang
Von
Luiserl
Montag 22.02.2021, 18:28
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Luiserl
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commons.wikimedia.org /wiki/File:Gustav_Wertheimer_-
_The_Kiss_of_the_Siren_(1882).jpg
Sirenengesang
Still ruht die See, still ist die Nacht;
ein Ruderer im Boot –
taucht seine Ruderblätter sacht
ins Wasser, nichts bedroht.
Das Ufer fern, der Himmel weit
so sieht er seine Welt.
Er liebt sie, diese Einsamkeit –
wie auch das Sternenzelt.
Der Mond schenkt Licht, der Mond schaut zu –
das Wasser sich bewegt.
Ein leises Singen bricht die Ruh;
der Mann lauscht angeregt.
Am Bootsrand nun im Mondeslicht
taucht auf ein Fabelwesen
in dessen Aug‘ das Licht sich bricht –
verlockend ist es und erlesen.
Halb zog es ihn; halb sank er hin
von Armen aufgefangen,
die zärtlich und sehr feminin
um seinen Leib sich schlangen.
Halb zog es ihn – sein Herz schlug wild –
sein Wollen war gebrochen;
vernarrt war er in dieses Bild;
er ließ sich unterjochen.
Still ruht die See, still ist die Nacht
und Stille ist im Kahn.
Das Wasserwesen hat gelacht –
für ihn war‘s ein Orkan;
der singt die schönsten Liebesweisen,
die je ein Ohr vernommen
und nahm ihn mit auf ihre Reisen.
Er wird zurück nie kommen.
© Luzie-Rudde