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EIN BISSCHEN TOT

Von egalis Samstag 02.01.2021, 12:35


Wenn mir von meinem liebsten Menschen auf Erden,
keine guten Worte mehr gesagt werden,
wird ums Herz mir schmerzhaft enger.
Ich hoff' auf Wunder, doch die dauern länger.
Und während dieser Wunder-Dauer
entsteht ganz heimlich eine Mauer,
die von ihm mich langsam scheidet.
Und weil der liebste Mensch mich meidet,
ist mir, obwohl der Unbill ich die Stirne bot,
als wär' ich schon ein bisschen tot ...

Wünschen mir Freunde weder Glück noch Gutes,
und nicht einmal mein liebster Mensch tut es,
und niemand verspürt meines Herzens Not,
ist ein weiteres Stückchen von mir tot.

Wir reden uns die Köpfe heiß.
Wenn keiner dann mehr weiterweiß,
und nichts vom anderen wissen will,
wird es so ungeheuer still ...

Ich selbst bin von der Zwietracht mürbe.
Mir ist, als wenn von mir was stürbe ...

So stirbt es stückchenweise sich dahin.
Ich frag mich nach des Daseins Sinn.
Doch will dies große Fragezeichen
keiner klaren Antwort weichen.

Wie lang sich dieses Leben wohl ertragen lässt?
Wann – endlich – stirbt davon der Rest?

1987
© Elke Bontjer-Dobertin

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