Von Feierabend-Mitglied
Freitag 31.10.2025, 08:31 – geändert Freitag 31.10.2025, 08:44
wird hier hinterfragt, ob er das "mal eben" durchführen lassen kann.:
"Frage: Was genau hat Donald Trump angekündigt?
Antwort: In einem Posting auf seiner eigenen Social-Media-Plattform hat der US-Präsident behauptet, dass die USA, dank seiner Anstrengungen, die meisten Nuklearwaffen besäßen. Obwohl er es gehasst habe, das zu tun, blieb ihm keine andere Wahl, als ein umfassendes Modernisierungsprogramm anzustoßen, so seine Behauptung. Denn China würde die USA binnen fünf Jahren einholen, so Trump. Deshalb habe er das Verteidigungsministerium, das er weiterhin Kriegsministerium nennt, aufgefordert, Nuklearwaffen "sofort und auf gleicher Basis" der Tests anderer Staaten zu testen.
Frage: Und was daran ist faktisch falsch?
Antwort: Wirklich so gut wie alles. Die USA haben sehr viele Nuklearsprengköpfe, laut den sehr präzisen Daten der Federation of American Scientists sind es 5177 (davon 1477 ausgemustert). Russland hat mit 5449 (davon 1150 ausgemustert) allerdings knapp mehr Sprengköpfe der tödlichen Waffe, wobei auf beiden Seiten nicht alle einsetzbar und schon gar nicht einsatzbereit sind. Irgendwann Ende der 1970er dürften die russischen Lager die US-amerikanischen im Zuge der absurden Hochrüstung im Kalten Krieg überholt haben. Sie erreichten Ende der 1980er mit mehr als 40.000 Sprengköpfen ihren Höhepunkt und blieben auch in der langen Phase der Abrüstung immer knapp über den US-Kapazitäten. Die jeweils Tausenden Sprengköpfe reichen aber immer noch leicht aus, um sich gegenseitig mehrfach zu zerstören.
Die von Trump beschriebene Modernisierung des US-Nuklearwaffenarsenals wurde nicht von ihm in seiner ersten Amtszeit initiiert, sondern von seinem damaligen Vorgänger Barack Obama. Das 2010 angestoßene, eine Billion US-Dollar (!) schwere Modernisierungsprojekt ist auf 30 Jahre angelegt und damit alles andere als abgeschlossen.
Darüber hinaus ist China weit davon entfernt, auf die USA und Russland aufzuschließen, mit hoher Sicherheit geschieht das nicht in den kommenden fünf Jahren. China verfügt aktuell über 600-700 Atomwaffen. Nachrichtendienste und Analysten gehen davon aus, dass sich diese Anzahl aufgrund großer Anstrengungen der chinesischen Regierung binnen fünf Jahren auf 1000 erhöhen könnte. Damit liege man immer noch unter einem Drittel der nicht aktiven Sprengköpfe der USA.
Frage: Könnten die USA sofort Nuklearsprengköpfe testen?
Antwort: Die USA verfügen aktuell über kein Nuklearwaffentestprogramm. Der letzte von 1132 Tests erfolgte am 23. September 1992. Russland testete zuletzt 1990 in Nowaja Semlja, auf einer russischen Insel im Nordpolarmeer. Und tatsächlich besuchten in den vergangenen Jahren Kreml-Gesandte wieder öfter das Test-Gelände und es wurde vermehrte Aktivität beobachtet. China teste zuletzt 1996 in Tibet. Um abermals US-Atomwaffen zu testen, müsste der US-Kongress Geld für ein teures Programm freigeben. Der Nuklearwaffenexperte Hans Kristensen spricht davon, dass eine einfache Explosion binnen sechs bis zehn Monaten erfolgen könnte. Ein aufwendiger, großflächiger Test brauche wohl zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit und die Entwicklung eines neuen Nuklearsprengkopfs würde laut Kristensen mindestens fünf Jahre dauern.
Frage: Dürfen die USA überhaupt Nuklearwaffen testen?
Antwort: Die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) gibt es noch nicht, weil nicht genügend atomfähige Staaten den Kernwaffenteststoppvertrag von 1996 ratifiziert haben. Dass die auf 44 fehlenden acht Ratifikationen demnächst erfolgen, gilt als quasi ausgeschlossen. Russland hatte das zwischenzeitlich getan, seine Ratifizierung 2023 aber wieder zurückgezogen, um wieder auf ein Niveau mit den USA zu gelangen. Auch China und die USA haben den entscheidenden Annex 2 bereits unterschrieben, aber eben nicht ratifiziert. Es ist daher den USA nicht wirklich verboten, Nuklearwaffen zu testen, es ist international aber geächtet. Ein von Präsident George H. W. Bush 1992 verkündetes Moratorium für US-Atomwaffentests könnte Trump jederzeit aufheben. Offizielle Tests von Nuklearsprengköpfen gab es im 21. Jahrhundert nur durch Nordkorea. Es gibt Indizien, dass Russland 2014 und China 2019 nuklearwaffenähnliche Explosionen herbeigeführt haben sollen, aber keine stichhaltigen Beweise.
Frage: Was könnte Trumps Aussagen getriggert haben?
Antwort: Kreml-Machthaber Wladimir Putin gab kürzlich bekannt, dass Russland eine mit einem Atomantrieb versehene Unterwasserdrohne Poseidon getestet habe, welche auch mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüstet werden könne. In der russischen Weltsicht gilt sie als "nicht abfangbar". Ebenso testete Moskau nukleargetriebene Marschflugkörper vom Typ Burewestnik, was Trump als "nicht angemessen" bezeichnete. Sollte Trump aber nur auf diese Tests in ähnlicher Manier reagieren wollen, wäre das weit entfernt von den befürchteten Atomwaffentests. Aber auch Putin hat im Februar 2023, als er Russland aus dem Rüstungskontrollvertrag New-START zurückzog, sein Militär angewiesen, "alles für die Durchführung von Atomtests durch Russland vorzubereiten". Wichtiger Nachsatz: im Fall, dass die USA auch wieder testen.
Frage: Wie reagieren die anderen Nuklearwaffenstaaten auf Trumps Ankündigung?
Antwort: China appellierte, die USA mögen sich an ihr Moratorium für Atomtests und ihr Bekenntnis zum Teststoppvertrag halten. Es gelte, das globale strategische Gleichgewicht und die Stabilität aufrechtzuerhalten, so ein Sprecher. Andrei Kartapolow, ein russischer Duma-Abgeordneter und Generaloberst warnte vor "einer Rückkehr in eine Ära der Unvorhersehbarkeit und offener Konfrontation". (Fabian Sommavilla, 30.10.2025)
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Ich finde den Artikel sehr intereressant, er zeigt nicht nur Trumps Wissenslücken auf sondern auch, dass wohl Putin ebenfalls nicht mal eben so eine Atombombe abwerfen kann, was er gerne indirekt als Drohung in den Raum stellt. Aber das gilt lediglich für die Gegenwart. Es wird gewiss daran gearbeitet, vorsorglich solche Waffen einsatzfähig zu machen. Also ist es nur eine Frage der Zeit, ob nicht nur theoretisch sondern auch praktisch die Möglichkeit besteht mit atomaren Waffen sofort zu reagieren.
wird hier hinterfragt, ob er das "mal eben" durchführen lassen kann.:
"Frage: Was genau hat Donald Trump angekündigt?
Antwort: In einem Posting auf seiner eigenen Social-Media-Plattform hat der US-Präsident behauptet, dass die USA, dank seiner Anstrengungen, die meisten Nuklearwaffen besäßen. Obwohl er es gehasst habe, das zu tun, blieb ihm keine andere Wahl, als ein umfassendes Modernisierungsprogramm anzustoßen, so seine Behauptung. Denn China würde die USA binnen fünf Jahren einholen, so Trump. Deshalb habe er das Verteidigungsministerium, das er weiterhin Kriegsministerium nennt, aufgefordert, Nuklearwaffen "sofort und auf gleicher Basis" der Tests anderer Staaten zu testen.
Frage: Und was daran ist faktisch falsch?
Antwort: Wirklich so gut wie alles. Die USA haben sehr viele Nuklearsprengköpfe, laut den sehr präzisen Daten der Federation of American Scientists sind es 5177 (davon 1477 ausgemustert). Russland hat mit 5449 (davon 1150 ausgemustert) allerdings knapp mehr Sprengköpfe der tödlichen Waffe, wobei auf beiden Seiten nicht alle einsetzbar und schon gar nicht einsatzbereit sind. Irgendwann Ende der 1970er dürften die russischen Lager die US-amerikanischen im Zuge der absurden Hochrüstung im Kalten Krieg überholt haben. Sie erreichten Ende der 1980er mit mehr als 40.000 Sprengköpfen ihren Höhepunkt und blieben auch in der langen Phase der Abrüstung immer knapp über den US-Kapazitäten. Die jeweils Tausenden Sprengköpfe reichen aber immer noch leicht aus, um sich gegenseitig mehrfach zu zerstören.
Die von Trump beschriebene Modernisierung des US-Nuklearwaffenarsenals wurde nicht von ihm in seiner ersten Amtszeit initiiert, sondern von seinem damaligen Vorgänger Barack Obama. Das 2010 angestoßene, eine Billion US-Dollar (!) schwere Modernisierungsprojekt ist auf 30 Jahre angelegt und damit alles andere als abgeschlossen.
Darüber hinaus ist China weit davon entfernt, auf die USA und Russland aufzuschließen, mit hoher Sicherheit geschieht das nicht in den kommenden fünf Jahren. China verfügt aktuell über 600-700 Atomwaffen. Nachrichtendienste und Analysten gehen davon aus, dass sich diese Anzahl aufgrund großer Anstrengungen der chinesischen Regierung binnen fünf Jahren auf 1000 erhöhen könnte. Damit liege man immer noch unter einem Drittel der nicht aktiven Sprengköpfe der USA.
Frage: Könnten die USA sofort Nuklearsprengköpfe testen?
Antwort: Die USA verfügen aktuell über kein Nuklearwaffentestprogramm. Der letzte von 1132 Tests erfolgte am 23. September 1992. Russland testete zuletzt 1990 in Nowaja Semlja, auf einer russischen Insel im Nordpolarmeer. Und tatsächlich besuchten in den vergangenen Jahren Kreml-Gesandte wieder öfter das Test-Gelände und es wurde vermehrte Aktivität beobachtet. China teste zuletzt 1996 in Tibet. Um abermals US-Atomwaffen zu testen, müsste der US-Kongress Geld für ein teures Programm freigeben. Der Nuklearwaffenexperte Hans Kristensen spricht davon, dass eine einfache Explosion binnen sechs bis zehn Monaten erfolgen könnte. Ein aufwendiger, großflächiger Test brauche wohl zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit und die Entwicklung eines neuen Nuklearsprengkopfs würde laut Kristensen mindestens fünf Jahre dauern.
Frage: Dürfen die USA überhaupt Nuklearwaffen testen?
Antwort: Die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) gibt es noch nicht, weil nicht genügend atomfähige Staaten den Kernwaffenteststoppvertrag von 1996 ratifiziert haben. Dass die auf 44 fehlenden acht Ratifikationen demnächst erfolgen, gilt als quasi ausgeschlossen. Russland hatte das zwischenzeitlich getan, seine Ratifizierung 2023 aber wieder zurückgezogen, um wieder auf ein Niveau mit den USA zu gelangen. Auch China und die USA haben den entscheidenden Annex 2 bereits unterschrieben, aber eben nicht ratifiziert. Es ist daher den USA nicht wirklich verboten, Nuklearwaffen zu testen, es ist international aber geächtet. Ein von Präsident George H. W. Bush 1992 verkündetes Moratorium für US-Atomwaffentests könnte Trump jederzeit aufheben. Offizielle Tests von Nuklearsprengköpfen gab es im 21. Jahrhundert nur durch Nordkorea. Es gibt Indizien, dass Russland 2014 und China 2019 nuklearwaffenähnliche Explosionen herbeigeführt haben sollen, aber keine stichhaltigen Beweise.
Frage: Was könnte Trumps Aussagen getriggert haben?
Antwort: Kreml-Machthaber Wladimir Putin gab kürzlich bekannt, dass Russland eine mit einem Atomantrieb versehene Unterwasserdrohne Poseidon getestet habe, welche auch mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüstet werden könne. In der russischen Weltsicht gilt sie als "nicht abfangbar". Ebenso testete Moskau nukleargetriebene Marschflugkörper vom Typ Burewestnik, was Trump als "nicht angemessen" bezeichnete. Sollte Trump aber nur auf diese Tests in ähnlicher Manier reagieren wollen, wäre das weit entfernt von den befürchteten Atomwaffentests. Aber auch Putin hat im Februar 2023, als er Russland aus dem Rüstungskontrollvertrag New-START zurückzog, sein Militär angewiesen, "alles für die Durchführung von Atomtests durch Russland vorzubereiten". Wichtiger Nachsatz: im Fall, dass die USA auch wieder testen.
Frage: Wie reagieren die anderen Nuklearwaffenstaaten auf Trumps Ankündigung?
Antwort: China appellierte, die USA mögen sich an ihr Moratorium für Atomtests und ihr Bekenntnis zum Teststoppvertrag halten. Es gelte, das globale strategische Gleichgewicht und die Stabilität aufrechtzuerhalten, so ein Sprecher. Andrei Kartapolow, ein russischer Duma-Abgeordneter und Generaloberst warnte vor "einer Rückkehr in eine Ära der Unvorhersehbarkeit und offener Konfrontation". (Fabian Sommavilla, 30.10.2025)
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Ich finde den Artikel sehr intereressant, er zeigt nicht nur Trumps Wissenslücken auf sondern auch, dass wohl Putin ebenfalls nicht mal eben so eine Atombombe abwerfen kann, was er gerne indirekt als Drohung in den Raum stellt. Aber das gilt lediglich für die Gegenwart. Es wird gewiss daran gearbeitet, vorsorglich solche Waffen einsatzfähig zu machen. Also ist es nur eine Frage der Zeit, ob nicht nur theoretisch sondern auch praktisch die Möglichkeit besteht mit atomaren Waffen sofort zu reagieren.