Stimmung in Industrie im Keller – Kanzler verspricht wirtschaftsfreundlichen Kurs
Zollkonflikt mit den USA, Eskalation im Nahen Osten, Probleme im China-Geschäft: Die deutsche Industrie mit Millionen von Beschäftigten sieht sich mit großen Risiken konfrontiert. „Wir haben eine ganze Reihe Brandherde auf der Welt“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger. „Wir haben einen längeren und schwierigeren Weg aus der Rezession vor uns, als wir uns das gewünscht haben.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) suchte beim Tag der Industrie den Schulterschluss mit der Wirtschaft.
Leibinger nannte als Risiken den Zollkonflikt zwischen den USA und der EU sowie den zwischen den USA und China und die Eskalation im Nahen Osten. Die USA hatten sich am Wochenende dem Krieg Israels gegen den Iran angeschlossen und unterirdische iranische Atomanlagen bombardiert. Leibinger sagte, seine Sorgen seien groß. Eine Sperrung des für den Öltransport wichtigen Seewegs durch die Straße von Hormus würde sich massiv auf die Energiepreise auswirken. Probleme bereiten zudem verschärfte Exportkontrollen für seltene Erden aus China, die für viele Hightech-Bereiche gebraucht werden. Stark eingeschränkte Lieferungen an deutsche Firmen könnten Produktionsstopps zur Folge haben.
Der BDI senkte seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr. Der Verband erwartet nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 0,3 Prozent. Ende Januar hatte der BDI ein Minus von 0,1 Prozent prognostiziert. Die Industrieproduktion liege weiterhin um 9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019, die Kapazitätsauslastung bei nur 77 Prozent. Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner nannte zudem eine wachsende Unsicherheit über die US-Zollpolitik. Der BDI gehe davon aus, dass das angekündigte US-Zollregime in Kraft trete, und rechne damit, dass deutlich höhere Zölle auf eine gewisse Zahl von EU-Gütern ab dem 10. Juli greifen. Der BDI ist damit pessimistischer als einige Wirtschaftsinstitute, die eine Aufhellung der Konjunktur
Die Bundesregierung hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass es im Zollstreit eine Einigung zwischen der EU-Kommission und den USA gibt. Allerdings forderte Merz die EU-Kommission, die für Handelspolitik zuständig ist, zu einer anderen Vorgehensweise in den Verhandlungen auf.
Die Europäische Union verhandle „viel zu kompliziert“, sagte der Kanzler. Die Amerikaner seien darauf ausgerichtet, zu vier, fünf großen Industrien Verabredungen zu treffen. „Aber 400, 500, 600 verschiedene Zollkodizes mit den Amerikanern jetzt zu verhandeln ist der falsche Zeitpunkt mit dem falschen Thema. Wir brauchen jetzt schnelle gemeinsame Entscheidungen für vier, fünf große Industrien“, sagte Merz und nannte die Automobilindustrie, Chemie, Pharma, Maschinenbau. Dies seien Bereiche, die für Deutschland existenziell wichtig seien: „Es muss jetzt schneller gehen, es muss vor allen Dingen einfacher werden.“
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt nach großen Turbulenzen an den Aktien- und Finanzmärkten entschieden, vielen Staaten 90 Tage lang eine Pause von bestimmten Zöllen zu gewähren. Diese läuft am 9. Juli ab.
„Wenn die Bundesregierung den angekündigten Weg weiterverfolgt, dann besteht eine echte Chance für einen Aufschwung im nächsten Jahr“, sagte Leibinger. Der Kurs stimme, es komme auf die Umsetzung an. Die Regierung will mit steuerlichen Entlastungen sowie Entlastungen bei Energiepreisen die Wirtschaft ankurbeln. Deutschland hat zwei Rezessionsjahre in Folge hinter sich. Leibinger sprach von einem „Stimmungsproblem“ im Land, dies bremse Investitionen.
Der Kanzler sagte, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland müsse durchgreifend verbessert werden. Er kündigte im zweiten Halbjahr weitere Reformen an. Merz nannte einen „Rückbau“ von Bürokratie –- nach dem Motto: „Weg vom Misstrauen, hin zum Vertrauen.“ Die Haltung müsse sein, dass Firmen sich grundsätzlich rechtstreu verhielten. Leibinger kritisierte, Deutschland habe sich ein „Gefängnis aus Regeln“ gebaut. Die deutsche Wirtschaft beklagt seit langem eine ausufernde Bürokratie, als Beispiel werden zu viele Berichtspflichten genannt. Merz forderte die Wirtschaft zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf; dann könne es mit der Konjunktur auch wieder aufwärtsgehen.
Gießener Allgemeine 24.6.2025
Die Wirtschaft ächzt und stöhnt, aber der Kanzler verspricht.
Viele „wenn“ und „aber“ sind mit dem Namen Trump verbunden. Vielleicht sollt Merz ihn mal kurz anrufen: Hey Donny, hör mal zu….. Aber der BDI senkte seine Konjunkturprognose. Der Verband erwartet nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 0,3 Prozent. 0,3 Prozent weniger? Auch weniger für die Rüstung? Das könnte Donny als Sabotage sehen.
Die Bundesregierung hoffte, dass es eine Einigung im Zollstreit zwischen der EU-Kommission und den USA gibt. Merz geht das alles zu langsam.
Los Herr Kanzler, nix wie hin und Dampf machen. Vielleicht wird dort ja auch zu wenig gearbeitet.
Der Kanzler sagte, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland müsse durchgreifend verbessert werden.
Darunter kann man sich viel vorstellen. Aber nur wenig Gutes.
Die deutsche Wirtschaft beklagt seit langem eine ausufernde Bürokratie, als Beispiel werden zu viele Berichtspflichten genannt.
Aber, aber, viele solcher Berichte habe ich während Sitzungen ausgefüllt. Sitzungen auf dem Klo.
Jetzt aber: Merz forderte die Wirtschaft zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf; dann könne es mit der Konjunktur auch wieder aufwärtsgehen.
Wenn es nicht klappt ist die Wirtschaft schuld. Wenigstens darauf kann man sich verlassen.
Aber Merz verspricht. Zumindest die nächste Reform.
Stimmung in Industrie im Keller – Kanzler verspricht wirtschaftsfreundlichen Kurs
Zollkonflikt mit den USA, Eskalation im Nahen Osten, Probleme im China-Geschäft: Die deutsche Industrie mit Millionen von Beschäftigten sieht sich mit großen Risiken konfrontiert. „Wir haben eine ganze Reihe Brandherde auf der Welt“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger. „Wir haben einen längeren und schwierigeren Weg aus der Rezession vor uns, als wir uns das gewünscht haben.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) suchte beim Tag der Industrie den Schulterschluss mit der Wirtschaft.
Leibinger nannte als Risiken den Zollkonflikt zwischen den USA und der EU sowie den zwischen den USA und China und die Eskalation im Nahen Osten. Die USA hatten sich am Wochenende dem Krieg Israels gegen den Iran angeschlossen und unterirdische iranische Atomanlagen bombardiert. Leibinger sagte, seine Sorgen seien groß. Eine Sperrung des für den Öltransport wichtigen Seewegs durch die Straße von Hormus würde sich massiv auf die Energiepreise auswirken. Probleme bereiten zudem verschärfte Exportkontrollen für seltene Erden aus China, die für viele Hightech-Bereiche gebraucht werden. Stark eingeschränkte Lieferungen an deutsche Firmen könnten Produktionsstopps zur Folge haben.
Der BDI senkte seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr. Der Verband erwartet nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 0,3 Prozent. Ende Januar hatte der BDI ein Minus von 0,1 Prozent prognostiziert. Die Industrieproduktion liege weiterhin um 9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019, die Kapazitätsauslastung bei nur 77 Prozent. Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner nannte zudem eine wachsende Unsicherheit über die US-Zollpolitik. Der BDI gehe davon aus, dass das angekündigte US-Zollregime in Kraft trete, und rechne damit, dass deutlich höhere Zölle auf eine gewisse Zahl von EU-Gütern ab dem 10. Juli greifen. Der BDI ist damit pessimistischer als einige Wirtschaftsinstitute, die eine Aufhellung der Konjunktur
Die Bundesregierung hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass es im Zollstreit eine Einigung zwischen der EU-Kommission und den USA gibt. Allerdings forderte Merz die EU-Kommission, die für Handelspolitik zuständig ist, zu einer anderen Vorgehensweise in den Verhandlungen auf.
Die Europäische Union verhandle „viel zu kompliziert“, sagte der Kanzler. Die Amerikaner seien darauf ausgerichtet, zu vier, fünf großen Industrien Verabredungen zu treffen. „Aber 400, 500, 600 verschiedene Zollkodizes mit den Amerikanern jetzt zu verhandeln ist der falsche Zeitpunkt mit dem falschen Thema. Wir brauchen jetzt schnelle gemeinsame Entscheidungen für vier, fünf große Industrien“, sagte Merz und nannte die Automobilindustrie, Chemie, Pharma, Maschinenbau. Dies seien Bereiche, die für Deutschland existenziell wichtig seien: „Es muss jetzt schneller gehen, es muss vor allen Dingen einfacher werden.“
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt nach großen Turbulenzen an den Aktien- und Finanzmärkten entschieden, vielen Staaten 90 Tage lang eine Pause von bestimmten Zöllen zu gewähren. Diese läuft am 9. Juli ab.
„Wenn die Bundesregierung den angekündigten Weg weiterverfolgt, dann besteht eine echte Chance für einen Aufschwung im nächsten Jahr“, sagte Leibinger. Der Kurs stimme, es komme auf die Umsetzung an. Die Regierung will mit steuerlichen Entlastungen sowie Entlastungen bei Energiepreisen die Wirtschaft ankurbeln. Deutschland hat zwei Rezessionsjahre in Folge hinter sich. Leibinger sprach von einem „Stimmungsproblem“ im Land, dies bremse Investitionen.
Der Kanzler sagte, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland müsse durchgreifend verbessert werden. Er kündigte im zweiten Halbjahr weitere Reformen an. Merz nannte einen „Rückbau“ von Bürokratie –- nach dem Motto: „Weg vom Misstrauen, hin zum Vertrauen.“ Die Haltung müsse sein, dass Firmen sich grundsätzlich rechtstreu verhielten. Leibinger kritisierte, Deutschland habe sich ein „Gefängnis aus Regeln“ gebaut. Die deutsche Wirtschaft beklagt seit langem eine ausufernde Bürokratie, als Beispiel werden zu viele Berichtspflichten genannt. Merz forderte die Wirtschaft zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf; dann könne es mit der Konjunktur auch wieder aufwärtsgehen.
Gießener Allgemeine 24.6.2025
Die Wirtschaft ächzt und stöhnt, aber der Kanzler verspricht.
Viele „wenn“ und „aber“ sind mit dem Namen Trump verbunden. Vielleicht sollt Merz ihn mal kurz anrufen: Hey Donny, hör mal zu….. Aber der BDI senkte seine Konjunkturprognose. Der Verband erwartet nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 0,3 Prozent. 0,3 Prozent weniger? Auch weniger für die Rüstung? Das könnte Donny als Sabotage sehen.
Die Bundesregierung hoffte, dass es eine Einigung im Zollstreit zwischen der EU-Kommission und den USA gibt. Merz geht das alles zu langsam.
Los Herr Kanzler, nix wie hin und Dampf machen. Vielleicht wird dort ja auch zu wenig gearbeitet.
Der Kanzler sagte, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland müsse durchgreifend verbessert werden.
Darunter kann man sich viel vorstellen. Aber nur wenig Gutes.
Die deutsche Wirtschaft beklagt seit langem eine ausufernde Bürokratie, als Beispiel werden zu viele Berichtspflichten genannt.
Aber, aber, viele solcher Berichte habe ich während Sitzungen ausgefüllt. Sitzungen auf dem Klo.
Jetzt aber: Merz forderte die Wirtschaft zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf; dann könne es mit der Konjunktur auch wieder aufwärtsgehen.
Wenn es nicht klappt ist die Wirtschaft schuld. Wenigstens darauf kann man sich verlassen.
Aber Merz verspricht. Zumindest die nächste Reform.