Von Harvey11
Donnerstag 27.02.2025, 14:56 – geändert Donnerstag 27.02.2025, 15:09
Die NGO-Attacke der Union legt keine Weltverschwörung bloß, sondern vielmehr die erbärmlich fragile Männlichkeit der Antragssteller.
Von Leo Fischer
Mit einigem Getöse haben die Unions-Fraktionen im Bundestag der scheidenden Bundesregierung eine Kleine Anfrage gestellt. Genauer gesagt, eine große. 551 Fragen lang ist der Text, der die „Neutralität“ von Vereinen, NGOs und Menschenrechtsorganisationen infrage stellt. Es geht um deren Finanzierung, staatliche Zuwendungen – vor allem aber um „Parteipolitik“. Der Hintergrund: Die CDU/CSU ist sauer, dass NGOs im Wahlkampf zu Protesten gegen ihre Abstimmung mit der AfD aufgerufen hatten, und möchte diese jetzt dafür bestrafen.
Vorbereitet hatten diese Aktion rechte Medien: darunter Springers „Welt“ sowie „Nius“, das Portal für alle, denen Springer nicht abgefeimt genug ist. In einem völlig abgedrehten Meinungsbeitrag raunte der „Welt“-Leitartikler gar von einem NGO-„Deep State“, der im Land die Fäden ziehe – in Anlehnung an ähnliche Verschwörungsmythen der US-MAGAs. Ja, Sie haben das richtig gelesen: In der Fantasie dieser Leute sind Organisationen wie „Omas gegen Rechts“, „Correctiv“ oder die „Amadeu-Antonio-Stiftung“ machtvolle Strippenzieher, ohne deren Manipulation die Leute niemals auf die Idee kämen, gegen Merz’ Wortbruch und sein Einreißen der Brandmauer zu protestieren. Teilweise wurde diese Kolportage dort sogar als brisante „Recherche“ ausgegeben. Dabei ist die staatliche Finanzierung von NGOs kein aufregendes Geheimnis, sondern seit Jahrzehnten etabliert, wurde sogar von CDU-Minister angestoßen und gefördert.
Man kann sich lustig machen über Konservative, die gegen Sprechverbote wettern und zugleich NGOs das Demonstrieren verbieten wollen. Man kann das traurige Weltbild beklagen, in welchem die Leute nicht aus eigenem Antrieb heraus auf die Straße gehen, sondern nur, weil ihnen das eine NGO befohlen hat. Man kann auf den fragwürdigen Demokratiebegriff verweisen, in welchem Organisationen, die staatliche Förderung erhalten, fortan zu allem Politischen schweigen sollen. Man kann die Gefahren benennen, die darin bestehen, wenn eine künftige Kanzlerpartei die kritische Zivilgesellschaft auf eine Weise angreift, die man bisher nur von Trump und Orbán kannte. Man kann aber auch ganz anders fragen – beispielsweise so: Habt ihr eigentlich alle den Arsch offen?!
Die Leute, die in Vereinen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen seit Jahren den Karren aus dem Dreck ziehen, die größten Versäumnisse der Politik auffangen, die Demokratie wieder und wieder vor dem Schlimmsten bewahren, auf prekären Stellen und in Gehaltsstrukturen, für die ein CDU-Amtsträger nicht mal ein Grußwort schreiben würde – auf die geht Ihr jetzt los?! Das ist euer Hauptgegner nach der Wahl – die Omas gegen Rechts? Nicht Putin, nicht das irrlichternde Amerika, nicht die Wirtschaftskrise, sondern der Naturschutzbund? Schämt Ihr euch eigentlich für nichts?!
Und weiter: Was für eine Führung sollte man von derart fragilen Männlichkeiten wie Merz, Linnemann & Co. erwarten, die bei der kleinsten Kritik sofort nach der Inquisition rufen? Die sich mit seitenlangem Antragsunfug an vermeintlichen Gegnern rächen, inmitten einer globalen Polykrise? Sind das souveräne Konservative, überlegene Staatsmänner? Oder sind das Würstchen ohne Haut? Die Vorstellung, solche Gestalten könnten künftig Weltpolitik gestalten, sollte uns alle mit Furcht erfüllen.
Leo Fischer ist Autor und war Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“.
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Angst vor dem Volk, Maulkörbe, passen das zur Demokratie?
Wann reist Merz nach Pjöngjang um dort zu lernen, wie man sich täglich beweihräuchern lässt?
Wann muss in Schulen und Betrieben morgens angetreten und dem großen göttlichen Führer gehuldigt werden? Paraden an den Wochenenden wären doch auch ganz nett.
Und noch etwas, Weidel ist jetzt für ein Tempolimit. Sie will verhindern, dass Merz sie überholt. In einer Richtung fahren sie ja bereits.
Die NGO-Attacke der Union legt keine Weltverschwörung bloß, sondern vielmehr die erbärmlich fragile Männlichkeit der Antragssteller.
Von Leo Fischer
Mit einigem Getöse haben die Unions-Fraktionen im Bundestag der scheidenden Bundesregierung eine Kleine Anfrage gestellt. Genauer gesagt, eine große. 551 Fragen lang ist der Text, der die „Neutralität“ von Vereinen, NGOs und Menschenrechtsorganisationen infrage stellt. Es geht um deren Finanzierung, staatliche Zuwendungen – vor allem aber um „Parteipolitik“. Der Hintergrund: Die CDU/CSU ist sauer, dass NGOs im Wahlkampf zu Protesten gegen ihre Abstimmung mit der AfD aufgerufen hatten, und möchte diese jetzt dafür bestrafen.
Vorbereitet hatten diese Aktion rechte Medien: darunter Springers „Welt“ sowie „Nius“, das Portal für alle, denen Springer nicht abgefeimt genug ist. In einem völlig abgedrehten Meinungsbeitrag raunte der „Welt“-Leitartikler gar von einem NGO-„Deep State“, der im Land die Fäden ziehe – in Anlehnung an ähnliche Verschwörungsmythen der US-MAGAs. Ja, Sie haben das richtig gelesen: In der Fantasie dieser Leute sind Organisationen wie „Omas gegen Rechts“, „Correctiv“ oder die „Amadeu-Antonio-Stiftung“ machtvolle Strippenzieher, ohne deren Manipulation die Leute niemals auf die Idee kämen, gegen Merz’ Wortbruch und sein Einreißen der Brandmauer zu protestieren. Teilweise wurde diese Kolportage dort sogar als brisante „Recherche“ ausgegeben. Dabei ist die staatliche Finanzierung von NGOs kein aufregendes Geheimnis, sondern seit Jahrzehnten etabliert, wurde sogar von CDU-Minister angestoßen und gefördert.
Man kann sich lustig machen über Konservative, die gegen Sprechverbote wettern und zugleich NGOs das Demonstrieren verbieten wollen. Man kann das traurige Weltbild beklagen, in welchem die Leute nicht aus eigenem Antrieb heraus auf die Straße gehen, sondern nur, weil ihnen das eine NGO befohlen hat. Man kann auf den fragwürdigen Demokratiebegriff verweisen, in welchem Organisationen, die staatliche Förderung erhalten, fortan zu allem Politischen schweigen sollen. Man kann die Gefahren benennen, die darin bestehen, wenn eine künftige Kanzlerpartei die kritische Zivilgesellschaft auf eine Weise angreift, die man bisher nur von Trump und Orbán kannte. Man kann aber auch ganz anders fragen – beispielsweise so: Habt ihr eigentlich alle den Arsch offen?!
Die Leute, die in Vereinen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen seit Jahren den Karren aus dem Dreck ziehen, die größten Versäumnisse der Politik auffangen, die Demokratie wieder und wieder vor dem Schlimmsten bewahren, auf prekären Stellen und in Gehaltsstrukturen, für die ein CDU-Amtsträger nicht mal ein Grußwort schreiben würde – auf die geht Ihr jetzt los?! Das ist euer Hauptgegner nach der Wahl – die Omas gegen Rechts? Nicht Putin, nicht das irrlichternde Amerika, nicht die Wirtschaftskrise, sondern der Naturschutzbund? Schämt Ihr euch eigentlich für nichts?!
Und weiter: Was für eine Führung sollte man von derart fragilen Männlichkeiten wie Merz, Linnemann & Co. erwarten, die bei der kleinsten Kritik sofort nach der Inquisition rufen? Die sich mit seitenlangem Antragsunfug an vermeintlichen Gegnern rächen, inmitten einer globalen Polykrise? Sind das souveräne Konservative, überlegene Staatsmänner? Oder sind das Würstchen ohne Haut? Die Vorstellung, solche Gestalten könnten künftig Weltpolitik gestalten, sollte uns alle mit Furcht erfüllen.
Leo Fischer ist Autor und war Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“.
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Angst vor dem Volk, Maulkörbe, passen das zur Demokratie?
Wann reist Merz nach Pjöngjang um dort zu lernen, wie man sich täglich beweihräuchern lässt?
Wann muss in Schulen und Betrieben morgens angetreten und dem großen göttlichen Führer gehuldigt werden? Paraden an den Wochenenden wären doch auch ganz nett.
Und noch etwas, Weidel ist jetzt für ein Tempolimit. Sie will verhindern, dass Merz sie überholt. In einer Richtung fahren sie ja bereits.