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Von wegen gesellschaftliche Mitte

Von Harvey11 Donnerstag 05.02.2026, 11:15

Ausgebeutet, verschlissen, verschwiegen: Das Handwerk als Kostenfaktor im deutschen Akkumulationsmodell

»Das Handwerk gilt in Politik und Medien als Teil der gesellschaftlichen Mitte. Besonders die Bau- und Ausbaubranche wird als Wachstumsmotor der deutschen Volkswirtschaft gefeiert: volle Auftragsbücher, steigende Investitionen, milliardenschwere Förderprogramme. Diese Erzählung ist keine Fehleinschätzung, sondern ideologische Verschleierung. Sie verdeckt, dass der wirtschaftliche Erfolg des Handwerks auf einem Produktionsmodell beruht, das systematisch Lohnkosten senkt, Risiken externalisiert und Arbeitskraft auf Verschleiß nutzt.

Längst ist das Handwerk kein kleinbürgerlicher Sektor mehr. Rund drei Viertel der Beschäftigten arbeiten lohnabhängig. Die klassische Figur des selbstständigen Handwerksmeisters ist ökonomisch marginalisiert. Die Mehrheit der Beschäftigten verkauft ihre Arbeitskraft in projektbasierten Wertschöpfungsketten, die nach industriellen Kriterien organisiert sind: hohe Leistungsdichte, permanente Verfügbarkeit, minimale Planungssicherheit. Das Handwerk ist proletarisiert – nicht als Selbstbeschreibung, sondern als materielle Tatsache.

Zentral für dieses Akkumulationsmodell ist das Nachunternehmerregime. Generalunternehmer sichern sich Aufträge, Finanzierung und öffentliche Sichtbarkeit. Die eigentliche Wertschöpfung – die körperliche handwerkliche Arbeit – wird über mehrere Stufen nach unten vergeben. Jeder Nachunternehmer steht unter dem Zwang, billiger und schneller zu liefern. Der ökonomische Druck wird weitergereicht, während Profite am oberen Ende konzentriert bleiben. Haftung, Verantwortung und Risiken werden fragmentiert. Dieses System ist kein Missbrauch, sondern funktionale Voraussetzung der Profitabilität...........«


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Handwerk hat schon lange keinen goldenen Boden mehr.
Denn wie beschrieben, gibt es auch dort den Unterbietungswettbewerb.
Wie oft kann an denn hören, dann wieder irgendein Bau schon nach wenigen Jahren baufällig ist und teuer saniert werden muss.
Der Neoliberalismus lässt auch Länder, Kreise und Kommunen finanziell austrocknen und zwingt sie damit, den billigsten Anbieter zu nehmen - denn nur dann gibt es die benötigten Zuschüsse.
Irgendwelche Subunternehmer kommen dann mit dem billigsten Arbeitern und nutzen die billigsten Materialien. Wenn es dann nach wenigen Jahren knackst gibt es diese Firmen längst nicht mehr.
Aber der Bau war billig und nur so durchsetzbar.
Etwas kleiner? Was haben wir vor wenigen Wochen in der nahen größeren Universitätsstadt einen Schuster gesucht. Oder einen Änderungsschneider.
Nach langem Suchen findet man sie. Das sind dann aber keine Deutschen.
Reparieren? Ach was, wegwerfen und neu kaufen.
Auch die maroden Neubauten?
Als wir vor einigen Jahren ein Haus umbauen ließen war oft die erste Frage: Brachen sie eine Rechnung?
Keine will mehr ein Handwerk erlernen?
Da muss man den Beruf schon sehr lieben, damit einem die Zustände egal sind.
Da kann ich nur froh sein, dass ich dazu zwei linke Hände habe.

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