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"Vielleicht erwarten Sie von mir etwas anderes. "

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 06.11.2024, 12:57


"Vielleicht erwarte ich auch von mir selbst etwas anderes. "
Ein vielschichtiger Kommentar, der morgen in meiner Tageszeitung ( noz) erscheint:


"Aber seit Wochen denke ich über die US-Wahl nach und komme immer wieder zum selben Ergebnis: Es ist mir erstaunlich egal, wer dort gewinnt beziehungsweise gewonnen hat.

Wenn man über charakterliche Auffälligkeiten hinwegsieht, kommt mir Donald Trump nicht wie der leibhaftige Satan vor. Zumindest war er es für die USA während seiner vergangenen Amtszeit nicht, und ich habe wenig Grund anzunehmen, dass es diesmal anders ist. Rhetorische Übertreibungen und juristische Winkelzüge scheinen mir nicht ausschließlich zu seinem Repertoire zu gehören. Das kann der politische Gegner ebenfalls.

Auch die allgegenwärtige Anti-Trump-Rhetorik hat mich zuletzt gelangweilt. Wenn er ein neuer „Hitler“ ist – warum wählen ihn so viele Schwarze? Sind seine Wähler wirklich Hinterwäldler? Und wenn, wären ihre Stimmen weniger wert? Ich habe Zweifel und stelle fest, dass ich damit nicht alleine bin. In der linksalternativen „taz“ gestand ein Kolumnist ein, Sympathien für Trump und seine Leute zu entwickeln. Die Republikaner zu wählen, erschien ihm plötzlich denkbar, als er vor Ort tiefer in die US-Gesellschaft und deren Problemlagen eintauchte.

Eine Rolle spielt Kamala Harris‘ eklatante Schwäche als Gegenkandidatin. Sie überzeugte inhaltlich nicht mehr als Trump. Genau genommen fällt es schwer, konsistente Positionen überhaupt zu erkennen. Zugleich kann ich den Hass und die Häme, die ihr ähnlich wie auf der anderen Seite Trump entgegenschlagen, nicht nachvollziehen. Die Schärfe und Polarisierung wirken unwürdig für ein Land, dessen Demokratie derart alt ist und das von weiten Teilen der Welt so lange für seine Lässigkeit bewundert wurde.

Wie auch immer: Meine Vermutung lautet, dass sich keiner von beiden wirtschaftspolitisch am deutschen oder europäischen Vorteil orientiert. Auch würde keiner von beiden den Ukraine-Krieg in der bisherigen Weise weiterführen wollen und können. Sie werden sich dem pazifischen Raum zuwenden. Und sie werden mit den Problemen der USA genug zu tun haben, ob es nun Trump ist oder Harris gewesen wäre.

Europa muss daher andere und eigene Fragen beantworten, statt sich permanent an den Vereinigten Staaten abzuarbeiten oder umgekehrt auf sie zu hoffen.

Es muss eine Antwort auf den Umgang mit Russland finden; idealerweise einen Ausgleich. Krieg zu führen, kann kaum das Ziel sein.
Es braucht die Einsicht, dass europäische Vielfalt auch Länder und Kulturen mit unterschiedlicher Prägung und abweichenden Werten umschließt.
Grenzschutz ist kein Verbrechen, sondern eine Notwendigkeit und muss organisiert werden.
Die Rolle der EU-Administration ist zu klären. Wäre es sinnvoll, sie auf eine unterstützende, nicht erstickende Rolle zu reduzieren?
Eine Abkehr von der Einstimmigkeit wird keine Handlungsfähigkeit bedeuten; sie sprengt das Fundament des Staatenbunds vollends.
Auch das Bewusstsein einer kolonialen Schuld weiten Teilen der Welt gegenüber fehlt. Ohne sich erpressbar zu machen, wäre es von Bedeutung, eine zeitgemäße Sprache und einen Stil zu finden und nicht erneut in Überheblichkeit zu verfallen. Augenhöhe lautet das Stichwort; Belehrung braucht es nicht.
Mir fielen weitere Punkte ein, die wenig bis gar nichts mit den USA zu tun haben, sondern die die Europäer ganz alleine in der Hand haben, und die es ihnen zu entwickeln nicht gelingt.

Und so komme ich immer wieder zu dem Schluss: Unter vielen Gesichtspunkten ist es egal gewesen, wer dort die Wahl gewinnt. An der Notwendigkeit, als Europa sein Selbstverständnis zu klären und einen neuen Weg der Koexistenz und Kooperation auf dem eigenen Kontinent zu finden, führt kein Weg vorbei.

Dies wird Kompromisse erfordern. Zumindest bleibt nicht viel übrig von Europa, wenn man die Briten ebenso wenig will wie die Türken, wenn die Schweizer und zunehmend Österreicher außen vor bleiben, wenn man mit Ungarn und Polen seine Probleme hat, wenn sich selbst Deutschland und Frankreich schlecht wie selten verstehen und die EU als Institution intern wie global an Akzeptanz verliert.

Trump ist in Relation dazu nicht das größte Problem. Europa hat seine eigenen, leider. Ein realistischer Blick auf die Welt und sich selbst muss der Anfang sein, um sie zu lösen.

Beste Grüße!

Burkhard Ewert"
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Ich füge hinzu:

Weitgehend stimme ich der Sichtweise zu!

- Europa muss näher zusammenrücken
- Die EU muss grundlegend reformiert werden
- Die NATO muss sich auf ihre Kernaufgaben besinnen
- Wir ( Europa) müssen endlich ein nachbarschaftliches Verhältnis zu Russland anstreben!

Russland - auch unter W. Putin - war stets ein verlässlicher Handelspartner.

WENIGER " Dreck am Stecken" - als Russland -
haben weder die USA und China noch Saudi Arabien und Katar...

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