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Verzweiflung in Kopenhagen

Von Harvey11 Donnerstag 08.01.2026, 12:32

Muss Dänemark Grönland aufgeben?

Im Afghanistan-Krieg ließen 44 Soldaten aus dem besonders treuen wie kampfbereiten US-Verbündeten Dänemark ihr Leben. Nur ein paar Jahre später erörtern jetzt Kopenhagener Zeitungen, ob Männer und Frauen aus dem kleinen skandinavischen Land zur Verteidigung Grönlands gegen potenzielle US-Invasoren den Tod riskieren sollen. Natürlich – alles andere sei so „beschämend und schädlich für die Volksseele“ wie die fast kampflose Aufgabe beim Überfall von Nazi-Deutschland am 9. April 1940, meint ein Leserbriefschreiber in „Politiken“. Bei „Berlingske“ dagegen schreibt ein Kommentator mit historischem Bezug: „Wir könnten nur etwas Sand ins Getriebe streuen mit Soldaten und Sabotage wie am 9. April 1940.“
Nach einer streng geheimen Sitzung des Außenausschusses im Kopenhagener Parlament haben sich zunächst Oppositionsparteien mit bis vor ein paar Tagen unvorstellbaren Vorschlägen an die Öffentlichkeit gewagt. Unter anderem will die rechte Liberale Allianz den Artikel 4 des Nato-Vertrages „für Konsultationen“ aktivieren, wenn sich ein Mitgliedsland militärisch bedroht fühlt.
Die Ungeheuerlichkeit dieser Konfliktlage zwischen Nato-Partnern und die historische Parallele zwischen Donald Trump und Adolf Hitler spiegeln bodenlose Verunsicherung und Hilflosigkeit in Kopenhagen wider. Vielleicht hier noch stärker als in Grönlands 3500 Kilometer entfernter Hauptstadt Nuuk.
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen fasste die Gefühlslage zusammen: „Wenn die USA einen Nato-Verbündeten angreifen, ist alles aus.“ Vom Pariser Europa-Gipfel kehrte sie zurück mit Unterstützung der europäischen Regierungsspitzen von Kanzler Friedrich Merz bis Italiens Giorgia Meloni. Der britische Premier Keir Starmer antwortete mit einem simplen „Ja“ auf die Frage, ob Trump die Finger von Grönland lassen solle. Und weiter: „Dänemark ist ein Nato-Alliierter. Über Grönlands Zukunft wird vom Königreich Dänemark und Grönland entschieden. Und nur von ihnen.“
Zugleich versuchte sich der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen als Brückenbauer über den Atlantik. Er habe zusammen mit seiner grönländischen Kollegin Vivian Motzfeldt um ein Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio „gebeten“. So könne man Missverständnisse ausräumen und gemeinsam an mehr Sicherheit rund um die strategisch so wichtige Arktisinsel arbeiten.
Als „Missverständnis“ stufte er – absurd höflich – Trumps Verhöhnung Dänemarks ein, das zur Kontrolle über Grönland gerade mal „einen zusätzlichen Hundeschlitten“ bereitgestellt habe.
Postwendend kam nach dem Pariser Gipfel ein offizielles Statement vom Weißen Haus, in dem Trump die Einwände ignorierte und weiter eskalierte: Die Übernahme Grönlands wird jetzt als „nationale Sicherheitspriorität“ für die USA eingestuft. Auch die Warnung, dass die Nato bei einem Angriff auf ein Mitgliedsland erledigt sei, verpufft ohne jede Wirkung in Washington: Wie immer sei auch hier „die Nutzung des US-Militärs eine Option für den Commander-in-chief“.
Wahrscheinlicher als eine „militärische Lösung“ ist, dass sich die USA die größte Insel der Welt durch „Kauf“ einverleiben. Die Chancen, die 57 000 Bewohner:innen über ein Assoziations-Abkommen an die USA zu binden, stehen womöglich besser, als es der derzeitige Schulterschluss zwischen Kopenhagen und Nuuk erwarten lässt. Unabhängigkeit von Dänemark streben prinzipiell alle Parteien im Parlament des teilautonomen Grönland an. 25 Prozent der Wählerschaft stehen hinter der populistischen Partei Naleraq, deren Chef Broberg im US-Sender CBS verlangt: „Wir brauchen jetzt einen direkten Dialog ohne die Dänen.“
Frankfurter Rundschau 8.1.2026

So weit ist es schon. In Dänemark überlegt man, ob die Insel nicht verkauft werden soll um einen Überfall der USA zu vermeiden.
So oder so, das wäre das Ende der NATO. Denn wer würde sich dann noch freiwillig auf die USA verlassen? Die Deutschen müssten sich überlegen, ob sie noch weiterhin Enddarmbewohner der USA sein wollen.
Interessant finde ich die Berichterstattung in meinen Tageszeitungen. Darunter sind zwei die es fertig brachten, dem Artikel über den Überfall auf Venezuela und die Entführung des dortigen Präsidenten in totaler Vasallentreue die Überschrift zu geben: „Maduro in Haft“. Meine Leserbriefe zum Thema wurden nicht beachtet.
Das rändert sich aber so langsam auch bei denen. Manche brauchen etwas länger.
Wann weht denn über dem Weißen Haus die Piratenflagge? Auf „Stars and Stripes“ pinkelt doch Trump schon lange.

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