Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

10 6

Verwandten-Affäre bei AfD

Von Harvey11 Dienstag 10.02.2026, 09:57

Ulrich Siegmund hält in Sonntagsreden gerne die Bedeutung der Familie hoch. Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt scheint das privat ein bisschen zu ernst zu nehmen. Er hat nach Recherchen von „ZDF Frontal“ seinem Papa einen mit monatlich 7725 Euro bezahlten Job im Bundestag zugeschanzt. Aber nicht nur Siegmunds Vater hat einen lukrativen Job im Büro des AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell bekommen. Auch die Eltern des AfD–Landtagsabgeordneten Matthias Büttner sind laut ZDF-Recherchen für das Büro Korells tätig. Beide würden monatlich je 556 Euro erhalten, ausgezahlt vom Bundestag.

Ein Sprecher des AfD-Landesverbands will auf Anfrage dazu keine Angaben machen, es gehe „um schützenswerte personenbezogene Daten“.

Siegmund selbst steht zur Eltern-Versorgung auf Staatskosten. Er postete, dass er überhaupt kein Problem damit habe, „ein Familienmitglied anzustellen von einem anderen Abgeordneten oder Parteifreund, weil Vertrauen bei uns das Entscheidende ist“. Ihm nütze der bestqualifizierte Mitarbeiter nichts, wenn sich dieser als von „Correctiv“, von „Titanic“ oder dem Verfassungsschutz kommend herausstelle. Tatsächlich scheint die Vetternwirtschaft durch Überkreuz-Anstellungen bei der AfD Sachsen-Anhalt System zu haben: Drei Geschwister des Parlamentarischen Geschäftsführers der Magdeburger AfD-Fraktion, Tobias Rausch, arbeiten bei der Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss. Rausch bestätigte einen solchen „Zeit“-Bericht. Die Tochter von Weiss wiederum ist nach MDR-Informationen für die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt tätig. Die Frau des AfD-Vize-Fraktionschefs Hans-Thomas Tillschneider sei zudem beim AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt angestellt gewesen, so die „Magdeburger Volksstimme“.

Ein AfD-Mitarbeiter sagte dem ZDF: „Es hat sich eine Selbstbedienungsmentalität breitgemacht, indem Steuergeld gegenseitig für Familienangehörige eingesackt wird – widerlich.“

Der Fall weckt ungute Erinnerungen an Bayern. In zwei Wellen wurde der Landtag Ende der 1990er sowie 2013 von einer Affäre erschüttert. Über 70 Abgeordnete, meist von der CSU, hatten jahrelang Verwandte als Mitarbeiter eingestellt; anfangs legal, dann mit einer Altfall-Regelung trickreich verschleiert. Es waren meist Ehefrauen, einmal die Mama, in einem krassen Fall zwei Minderjährige als „IT-Berater“.

In Einzelfällen führten die Ehefrauen tatsächlich die Büros; in anderen waren es zumindest teilweise Abzock-Modelle, ergänzt durch Missbrauch mit anderen Pauschalzahlungen etwa für Büroausstattung. Der damalige CSU-Fraktionschef, der auch noch die Sozialabgaben „übersah“, ist rechtskräftig verurteilt. Sechsstellige Summen wurden zurückgezahlt. Der Landtag verschärfte seine Regeln.

Inzwischen sind Verwandten-Jobs bis vierten Grades verboten. Auch Überkreuz-Jobs gibt es nicht mehr, Abgeordneten-Verwandte dürfen nirgends im Maximilianeum arbeiten. Im Bundestag und im Landtag von Sachsen-Anhalt sind Überkreuz-Anstellungen aber legal.

AfD-Mitglieder sollen nach dem Willen der Parteispitze keine Veranstaltungen mit der Führungsfigur der als rechtsextremistisch eingestuften Identitären Bewegung, Martin Sellner, mehr organisieren. Ein entsprechender Beschluss wurde nach dpa-Informationen im Bundesvorstand gefasst. Alle Verbände und Mitglieder der AfD würden dazu aufgefordert, „keine Parteiveranstaltungen mit Sellner durchzuführen“, hieß es in einem Schreiben. Mit diesem Beschluss wären künftige Treffen von AfDlern mit Sellner nicht per se ausgeschlossen, auf AfD-Ticket stattfinden sollen sie aber nicht mehr.
DPA/Gießener Allgemeine 10.2.2026

Das ist aber auch ein Ding.
Dumm nur, dass bereits staatstragende Parteien auf diese Idee gekommen waren.
Man steht sich eben sehr nahe.

Kommentieren
Mitglieder > Veranstaltungen > Verwandten-Affäre bei AfD