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US-Wahlen - Exzess und Offenbarung

Von Harvey11 21.07.2024, 10:56

Da hat man sich an eine Führernation gekettet, lässt deren Überfälle auf Staaten ungerügt, lobt hündisch deren Beseitigungen von demokratisch gewählten Regierungen und deren Eingriffe in die Politik fremder Staaten und folgt artig deren Erpressungen. Und noch ein Bonbon, man lässt von ihm willenlos in den Krieg schicken.
Gespannt bin ich auf den November. Dann werden sich unsere Parteien entscheiden müssen.
Weiter so und der Führernation immer tiefer in das Gesetz des Dschungels folgen oder endlich auf eigenen Füßen stehen.
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US-Wahlen sind mittlerweile ein für Exzess und Offenbarung (Lutz Herden)

Westliche Politiker, die seit fast zehn Monaten kein Problem damit haben und nichts dagegen tun, dass in Gaza unablässig Menschen bombardiert und umgebracht werden, finden nun, politische Gewalt habe im US-Wahlkampf nichts zu suchen. Wie sie den Verbündeten doch unterschätzen und unterfordern. Mittlerweile sind Wahlen in den USA, zumal die um das Weiße Haus, ein Synonym für Exzess und Offenbarung. Wann kommt sich eine Gesellschaft näher, Wann darf ein Land authentischer sein als bei diesem archaischen Tanz der Gewalten, wenn schwer beherrschbare politische Verhältnisse ins Unberechenbare übergehen? Nach dem Votum von 2020 gab es den Sturm auf das Kapitol. Vier Jahre später entkommt ein Kandidat nur knapp einem Attentat. Rhetorische Aufrüstung mündet in bewaffnete Gewalt. Statt Wettstreit der Ideen Kampf bis aufs Messer, wie die Schüsse von Pennsylvania zeigen. Gemeinhin wird menschliche Besessenheit als krankhafter und somit entschuldbarer Zustand gedeutet. Wenn er Staaten erfasst, kann gemeingefährliches Verhalten die Folge sein.Und das in einer Zeit, da sich die Welt in Konflikten verliert, die niemand zu zügeln, geschweige denn zu befrieden vermag. Es reicht, an den Ukraine- wie an den Gazakrieg und derer Eskalationskurven zu denken.
Ist die Weltmacht USA diesen Weltkonflikten gewachsen? Der amtierende Präsident hat die Grenzen seiner Möglichkeiten erkennbar überschritten und will trotzdem weitermachen. Der Herausforderer darf nicht verlieren, weil ansonsten bürgerkriegsähnliche Zustände die Oberhand gewinnen. Demokratie wird verstümmelt bis zur Kenntlichkeit, aber weiter als Alleinstellungsmerkmal des Westens gefeiert. Und Deutschland besteht ungerührt darauf, die USA als wichtigsten Sicherheitsgaranten zu schätzen, statt sich einzugestehen, einem Sicherheitsrisiko ausgesetzt zu sein. Noch 2003 hatte sich George W. Bush bei seinem Angriffskrieg gegen den Irak darauf berufen, dort Nation-Building und Demokratie-Export zu betreiben. Zwei Jahrzehnte später käme kein US-Präsident auf die Idee, vergleichbare Unternehmungen ähnlich zu labeln. Es sei denn, er wollte sich lächerlich machen. Was die USA der Welt noch zu geben haben, ist alles andere als verheißungsvoll. Jeder Hausierer würde Kundschaft einbüßen mit diesem Bauchladen. Wäre Deutschland unter den Boykotteuren?
Der Verzicht auf eine eigenständige Außenpolitik hat es gefügt, von den USA sehr viel abhängiger zu sein, als das umgekehrt der Fall ist. Demzufolge stellt die Entscheidung über den nächsten US-Präsidenten die Bündnisräson nicht infrage – ganz im Gegenteil. Man ist in Berlin gut beraten, nach dem Konvent der Republikaner in Milwaukee mit einem Machtwechsel im Weißen Haus zu rechnen. In Donald Trump einen Faschisten oder Diktator zu sehen, passt zwar vorzüglich zur grünen Außenpolitik, wirkt aber realpolitisch wenig versiert. Derartige Zuschreibungen bestreiten dem politischen System der USA das Vermögen, eine Autokratie oder Diktatur zu verhindern. Wenn das so ist, warum ist man den USA dann zugetan und will von ihnen geführt sein? Ganz abgesehen davon, dass US-Präsidenten konstitutionell legitimiert sind, von einer Entscheidungsgewalt Gebrauch zu machen, die mit autoritärer Macht treffend beschrieben sein kann. Was zu der Frage führt, sollte Trump erneut Präsident werden, womit hätte man es zu tun – mit einem Systemversagen oder einer Systemoffenbarung? Die Erklärungsnöte der Vasallen sind absehbar.
der Freitag, 18.7.2024

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