Die Schneemassen tauen an den Fronten des Ukraine Krieges, und die „Rasputiza“, die Schlammperiode, verspricht wenig Bewegung. Trotz schwerer Gefechte, heftiger Drohnen- und Raketenangriffe, teils deutlicher Frontverschiebungen, fällt die Winterbilanz für beide Seiten äußerst ambivalent aus. Daraus resultierende Verunsicherungen dürfen in Kiew größer sein als in Moskau. Die Front ist an ihrer Ostflanke klar nach Westen gerückt. Allen in der Region Saporischschja sind russische Kräfte Dutzende Kilometer in die Tiefe vorgerückt, im Donbass haben sie die wichtige Industrieagglomeration Pokrowsk-Myrnohrad eingenommen. Voraussichtlich wird man sich in den nächsten Monaten vorrangig auf den Halbkessel von Konstantinivka konzentrieren. Die Einnahme der Stadt würde die Front begradigen und den Weg auf Kramatorsk wie Slowjansk freilegen. Mit diesen Städten wäre der Donbass vollständig eingenommen, sodass Moskau einem Kriegsende nähertreten könnte.
Trotz dieser Aussicht fällt die Winterbilanz in der russischen Kriegsdebatte eher ernüchternd aus. Das Vorankommen der Truppen war langsam und opferreich. Eine neue Welle der Mobilmachung, um die Sturmbataillone aufzufüllen, wird zwar im Militär gewünscht, doch ist man sich dort auch im Klaren darüber, dass der Krieg längst nicht allein an der Front gewonnen wird. Abgesehen von möglichen Protesten gilt die Resilienz der Wirtschaft unter permanentem Sanktionsdruck als wichtiger Faktor für den Erhalt von Kampfkraft. Der Konflikt ist längst zum Ressourcenkrieg geworden. Ökonomen, die analysieren, wie man sich relativ erfolgreich gegen 19 Sanktionspakete behaupten konnte, warnen eindringlich vor weiteren Mobilmachungen. Gingen Hunderttausende arbeitsfähige Männer aus den Betrieben an die Front, würde das die gesamte Kriegswirtschaft untergraben. „Wir müssen mit den Leuten auskommen, die wir haben“, heißt es. Die Offensivkapazitäten seien zwar weiterhin vorhanden, aber begrenzt, sodass sie nur an wenigen Abschnitten zugleich akkumuliert werden können. Exemplarisch hierfür war die Lage vor Wochen, als fast zeitgleich mit der Einnahme von Pokrowsk-Myrnohrad auch Kupyansk in der Charkiw-Region fast erobert schien, dann aber nicht gehalten wurde.
Die Rückeroberung von Kupyansk ist einer der wenigen Erfolge der Ukrainer im Winter und zeugt vom limitierten Vermögen der Russen, stabile Offensiven an zwei Abschnitten gleichzeitig zu führen. Grund zur Freude hat Kiew trotzdem nicht. Abgesehen von den zuletzt größten Gebietsverlusten seit 2022 ist die Ukraine personell viel näher am essenziellen Limit als Russland. Die Verluste liegen um das Zehnfache über dem, was Selenskyi offiziell zugibt. Millionen sind im Ausland. Wirtschaft und Staatsapparat werden zu 90 Prozent durch externen Support am Leben erhalten.
Ein kritischer Sammeleffekt zeichnet sich zudem bei der ukrainischen Energie- und Wärmeinfrastruktur ab. Systematische russische Raketenangriffe haben während des Winters zu einem Beinah-Kollaps geführt. Immer häufiger brach die Versorgung nicht unmittelbar nach Treffern zusammen, sondern zwischen den eigentlichen Angriffen wegen Überlastung der verbliebenden Netze. Sollte der nächste Winter noch ein Kriegswinter sein, könnte der zum Ende einer zentralisierten Infrastruktur werden.
Verhandlungen scheinen unter diesen Bedingungen logischer denn je. Kapazitäten für „Game-Changer“-Offensiven hat vorerst keine Kriegspartei. Abgesehen von den durch US-Emissäre moderierten Sondierungen, gibt es direkte Gespräche zwischen den Geheimdiensten der Ukraine und Russlands. Selbst Selenskyjs Geheimdienstchef Kyrylo Budanow, der hinter schweren Anschlägen in Moskau wie den Attentaten auf hohe Militärs steht, trifft sich nun regelmäßig mit der Gegenseite, was wirksamer ist als der in Kiew als vermeintlicher Schachzug favorisierte Dreiergipfel Selenskyj-Trump-Putin. Wie oft Budanow dabei Uniform und wie oft Krawatte trägt, zeigt den Stand der Dinge. Die Telefonate Trump/Putin sowie Trump/Selenskyj werden zwar stets als „großartig“ (Trump) und „produktiv“ (Kreml) apostrophiert, bringen aber nicht viel. Eine Begegnung zwischen Putin und Selenskyj wird es erst geben, wenn die Konditionen einer Waffenruhe- und Nachkriegsordnung geklärt sind – erst die Verträge, dann die Unterschriften der Präsidenten.
der Freitag, Nikita Gerasimov 12.3.2026
»Kapazitäten für „Game-Changer“-Offensiven hat vorerst keine Kriegspartei.«
Das reden die letzten Willigen den Ukrainern aber immer noch ein und so fließt der Geldstrom endlos weiter. Obwohl die Russen mit ihren limitierten Mitteln immer weiter kommen. Zwar langsam, aber stetig.
Der Krieg sollte aber bald beendet werden. Denn 2030 kommen die Russen doch zu uns.
Und die deutschen Dienste werden sich damit abfinden müssen, das ohne sie getagt wird.
Die Schneemassen tauen an den Fronten des Ukraine Krieges, und die „Rasputiza“, die Schlammperiode, verspricht wenig Bewegung. Trotz schwerer Gefechte, heftiger Drohnen- und Raketenangriffe, teils deutlicher Frontverschiebungen, fällt die Winterbilanz für beide Seiten äußerst ambivalent aus. Daraus resultierende Verunsicherungen dürfen in Kiew größer sein als in Moskau. Die Front ist an ihrer Ostflanke klar nach Westen gerückt. Allen in der Region Saporischschja sind russische Kräfte Dutzende Kilometer in die Tiefe vorgerückt, im Donbass haben sie die wichtige Industrieagglomeration Pokrowsk-Myrnohrad eingenommen. Voraussichtlich wird man sich in den nächsten Monaten vorrangig auf den Halbkessel von Konstantinivka konzentrieren. Die Einnahme der Stadt würde die Front begradigen und den Weg auf Kramatorsk wie Slowjansk freilegen. Mit diesen Städten wäre der Donbass vollständig eingenommen, sodass Moskau einem Kriegsende nähertreten könnte.
Trotz dieser Aussicht fällt die Winterbilanz in der russischen Kriegsdebatte eher ernüchternd aus. Das Vorankommen der Truppen war langsam und opferreich. Eine neue Welle der Mobilmachung, um die Sturmbataillone aufzufüllen, wird zwar im Militär gewünscht, doch ist man sich dort auch im Klaren darüber, dass der Krieg längst nicht allein an der Front gewonnen wird. Abgesehen von möglichen Protesten gilt die Resilienz der Wirtschaft unter permanentem Sanktionsdruck als wichtiger Faktor für den Erhalt von Kampfkraft. Der Konflikt ist längst zum Ressourcenkrieg geworden. Ökonomen, die analysieren, wie man sich relativ erfolgreich gegen 19 Sanktionspakete behaupten konnte, warnen eindringlich vor weiteren Mobilmachungen. Gingen Hunderttausende arbeitsfähige Männer aus den Betrieben an die Front, würde das die gesamte Kriegswirtschaft untergraben. „Wir müssen mit den Leuten auskommen, die wir haben“, heißt es. Die Offensivkapazitäten seien zwar weiterhin vorhanden, aber begrenzt, sodass sie nur an wenigen Abschnitten zugleich akkumuliert werden können. Exemplarisch hierfür war die Lage vor Wochen, als fast zeitgleich mit der Einnahme von Pokrowsk-Myrnohrad auch Kupyansk in der Charkiw-Region fast erobert schien, dann aber nicht gehalten wurde.
Die Rückeroberung von Kupyansk ist einer der wenigen Erfolge der Ukrainer im Winter und zeugt vom limitierten Vermögen der Russen, stabile Offensiven an zwei Abschnitten gleichzeitig zu führen. Grund zur Freude hat Kiew trotzdem nicht. Abgesehen von den zuletzt größten Gebietsverlusten seit 2022 ist die Ukraine personell viel näher am essenziellen Limit als Russland. Die Verluste liegen um das Zehnfache über dem, was Selenskyi offiziell zugibt. Millionen sind im Ausland. Wirtschaft und Staatsapparat werden zu 90 Prozent durch externen Support am Leben erhalten.
Ein kritischer Sammeleffekt zeichnet sich zudem bei der ukrainischen Energie- und Wärmeinfrastruktur ab. Systematische russische Raketenangriffe haben während des Winters zu einem Beinah-Kollaps geführt. Immer häufiger brach die Versorgung nicht unmittelbar nach Treffern zusammen, sondern zwischen den eigentlichen Angriffen wegen Überlastung der verbliebenden Netze. Sollte der nächste Winter noch ein Kriegswinter sein, könnte der zum Ende einer zentralisierten Infrastruktur werden.
Verhandlungen scheinen unter diesen Bedingungen logischer denn je. Kapazitäten für „Game-Changer“-Offensiven hat vorerst keine Kriegspartei. Abgesehen von den durch US-Emissäre moderierten Sondierungen, gibt es direkte Gespräche zwischen den Geheimdiensten der Ukraine und Russlands. Selbst Selenskyjs Geheimdienstchef Kyrylo Budanow, der hinter schweren Anschlägen in Moskau wie den Attentaten auf hohe Militärs steht, trifft sich nun regelmäßig mit der Gegenseite, was wirksamer ist als der in Kiew als vermeintlicher Schachzug favorisierte Dreiergipfel Selenskyj-Trump-Putin. Wie oft Budanow dabei Uniform und wie oft Krawatte trägt, zeigt den Stand der Dinge. Die Telefonate Trump/Putin sowie Trump/Selenskyj werden zwar stets als „großartig“ (Trump) und „produktiv“ (Kreml) apostrophiert, bringen aber nicht viel. Eine Begegnung zwischen Putin und Selenskyj wird es erst geben, wenn die Konditionen einer Waffenruhe- und Nachkriegsordnung geklärt sind – erst die Verträge, dann die Unterschriften der Präsidenten.
der Freitag, Nikita Gerasimov 12.3.2026
»Kapazitäten für „Game-Changer“-Offensiven hat vorerst keine Kriegspartei.«
Das reden die letzten Willigen den Ukrainern aber immer noch ein und so fließt der Geldstrom endlos weiter. Obwohl die Russen mit ihren limitierten Mitteln immer weiter kommen. Zwar langsam, aber stetig.
Der Krieg sollte aber bald beendet werden. Denn 2030 kommen die Russen doch zu uns.
Und die deutschen Dienste werden sich damit abfinden müssen, das ohne sie getagt wird.